Zwei Hunsrücker Originale
Der “Beldemer Lippert” war die “Konkurrenz” zu den Ladengeschäften im Dorf. Mit seinen beiden am Tragjoch befestigten Warenkörben (manchmal waren es auch zwei Zinkeimer oder eine Schubkarre) kam er regelmäßig über die Dörfer im ganzen Vorderhunsrück.
Mein Vater erzählte, dass er dem Lippert einmal ein paar Sicherheitsnadeln und etwas Nähgarn für vielleicht 47 Pfennige abgekauft habe. Als er dazu auch noch einen weiteren Kauf für wenige Groschen tätigen wollte, wurde der Lippert sehr unruhig und fragte äußerst skeptisch den dabeistehenden Bauern, der ihm bekannter war als der unsichere Zufallskunde,: “Ob er et och bezahle kann, ob er och bezahle kann?!”
Die bekannte Geschichte von der Politikerbeleidigung aus dem “Dritten Reich” hat man ihm wohl nur in den Mund gelegt: Er soll seine Heringe mit dem Reklamespruch “Hering, so fett wie de Göring!” angepriesen haben und dafür acht Tage hinter Gitter gesperrt worden sein. Als er in der folgenden Woche wieder seine Heringe anbot, habe er gerufen: “Hering, su fett wie die vorig Woch!”.
Auch der “Sawwascher Erich” war eine bekannte Erscheinung im Dorfbild. Er tauchte vor allem an der Kirmes und an den Namenstagen der Dörfler auf, um zu gratulieren und zum Dank ein Stück Kuchen oder – besser noch – ein paar Groschen oder eine Pfeife Tabak zu bekommen. Seine Spezialität war es, dass er alle Namenstage der Leute und alle Milchkannennummern der umliegenden Dörfer zuverlässig auswendig wusste und auf Befragen hersagte.
