Zum Feld- und Viehbesitz vor 1940

Der Landbesitz der Bauern in unserem Dorf war natürlich immer sehr unterschiedlich. Da gab es die Armen, die nichts oder kaum mehr als 1 Hektar besaßen, und die „Reichen“ mit bis zu 15 ha. Zirka 3 bis 4 ha hatte der durchschnittliche Bauer, mit 6 ha war man relativ „wohlhabend“, und die „reichen Bauern“ besaßen in Zelse und Birrasch bis zu 15 ha.
Gerechnet wurde hierzulande allerdings früher nicht in Hektar und Ar; die gebräuchlichen Flächenmaße waren vielmehr: Morgen, Viertel und Ruten, deren Größe in den einzelnen Ländern (Preußischer Morgen, Hessischer Morgen etc.) variierten.
Im Laufe der Zeit zerfielen durch Erbteilung die einzelnen Felder in immer kleinere „Stegga“, so dass die Gemarkung allmählich wie ein Flickenteppich aussah (vgl. Pläne der Gemarkung vor und nach der Zusammenlegung von 1957 auf den folgenden Seiten).
Pro Hektar zerfiel das Feld, einschließlich der Wiesen, in bis zu 12 mehr oder weniger kleine Parzellen oder „Stegga“, die über „de ganze Floar“, also die ganze Gemarkung, verstreut lagen.
Um in der Heuernte einen kleinen Heuwagen zu füllen, musste man oft drei verschiedene Wiesen anfahren, wo man jeweils „e Spetzje“ sein eigen nannte.
Die Wege bis zu den entferntesten Feldern, die man zu Fuß oder mit dem von den sehr gemächlichen Kühen oder Ochsen – in den wenigsten Fällen vom Pferd – gezogenen Wagen zurücklegen mußte, dauerten nicht selten dreiviertel Stunden; das war, den Rückweg eingerechnet, meist länger als die eigentliche Arbeit dauerte.

Konnte man sich nach der Arbeit auf einer Ladung Klee, Getreide- garben oder gar auf frischem Heu nach Hause schaukeln und rütteln lassen, dann war so eine Heimfahrt eine willkommene Ruhepause an einem arbeitsreichen Tag: Man saß oder lag halb eingesunken in die kühle, duftende, weiche oder auch pieksende Unterlage, träumte in den Himmel und konnte dabei Getreidekörner kauen oder süßen Nektar aus Kleeblüten saugen.
Die „kleinen“ Bauern hatten höchstens zwei Kühe im Stall; das bedeutete, daß sie zum „Fahren“, zum Anspannen also, auf Nachbarschaftshilfe angewiesen waren, wenn eine Kuh gerade gekalbt hatte. 4 bis 6 Stück Vieh (z.B. 4 Kühe und 2 Ochsen) waren der durch- schnittliche Viehbestand.
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Nikolais Johann fährt das auf den gepachteten
Wegrändern gemähte Gras nach Hause

Die Pferde im Dorf konnte man meist an zwei Händen abzählen.Kräftige Pferde wurden im Winter oft auch im Wald eingesetzt zum „Schorje“ ( d.h. gefällte Baumstämme aus dem Wald schleppen). Es war eine schwere Arbeit, denn es ging in dem unwegsamen Gelände oft „gäh“ bergauf und abwärts. Aber die Arbeit im Wald – mit oder ohne Pferd – war im Winter immer ein willkommener Zuverdienst.

(1) Ausschnitt aus dem Zelser Urkataster (Flurbuch) von 1835

Auf dieser Karte wird an den zahlreichen schwarzen Linien anschaulich sichtbar, in wie viele winzige Parzellen zu dieser Zeit die Felder in der Zilshausener Flur aufgesplittert waren.

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(Es handelt sich um die Fluren im Südwesten des Dorfes in Richtung Kaisert und Düppenberg)

(2) Der gleiche Ausschnitt aus dem Katasterplan nach der Flurbereinigung von 1957

Bild vergößern Die durchschnittliche
Feldergröße war
zu dieser Zeit etwa
0,65 Hektar

(3) Das neue Wegenetz im gleichen Bereich nach der Felder-Zusammenlegung 2001

Bild vergößern Die durchschnittliche
Feldergröße beträgt
jetzt etwa 4,0 Hektar