In das „rege Interesse“, mit dem die seit langem in Vergessenheit geratene Schulchronik Die folgenden Berichte sind den alten und den jungen Bürgern von Zilshausen gewidmet.
Wir danken allen, die mit ihren alten Photographien und in langen Gesprächen mit ihren Erinnerungen unsere Arbeit unterstützt haben!
Für fachmännischen Beistand bei Problemen mit der Digitalisierung der Texte und Bilder danken wir unserem neuen Nachbarn Jann-Andreas Münning.
Der Gemeinde Zilshausen danken wir für die Finanzierung der Drucklegung.

Vorwort zum 2. Teil

In das „rege Interesse“, mit dem die seit langem in Vergessenheit geratene Schulchronik bei ihrer ersten Veröffentlichung 1993 aufgenommen wurde (vgl. S. 112 im Hauptteil), mischte sich bald eine gewisse Enttäuschung darüber, dass man nur relativ wenig erfuhr von dem Alltag im Dorf und den Festtagen, wie man sie selbst als Kind noch erlebt hatte.
Man vermisste vor allem die Erwähnung von originellen oder verdienstvollen Menschen, die zu ihrer Zeit zum Bild des Dorfes unbedingt dazugehörten, z.B. von „Gerje Marie“, die als Krankenschwester ein hilfreicher, oft lebensrettender Engel und eine „Institution“ im Dorf war, über die es noch ungezählte Erinnerungsgeschichten gab.
Damals versprachen wir, einmal etwas über sie aufzuschreiben.
Der Fund des alten Wasserrohrs bei den Bauarbeiten am Bürgerhaus gab einen weiteren Anstoß, in der dörflichen Erinnerungskiste zu kramen und war letztlich wohl der Auslöser für den nachfolgenden „Teil II“ zu der alten Dorfchronik unter dem Motto „Wie et frea su woar en Zelse“.
Es ist also nicht die „Geschichte“ unseres Dorfes, die auf den folgenden Seiten nachzulesen ist. Geschichtliche Daten sind ohnehin spärlich über ein kleines Dorf, das immer abseits der alten, bedeutenden (Römer-) Straßen, also im Schatten des großen Geschehens lag. In den Urkunden und Archiven wird es meist nur zusammen mit benachbarten Dörfern erwähnt, wenn es um Herrschafts- und Besitzverhältnisse, Abgaben und Gerichtsbarkeit geht. Manches Interessante, was in F. Schneiders Buch „Die Geschichte des Dorfes Lieg“ recherchiert und zusammengetragen wurde, betrifft daher auch unser Dorf, und wir haben an den entsprechenden Stellen darauf verwiesen. (z. B. auf die Backesverordnung aus dem Jahre 1876, auf die Auswanderungen nach Amerika, die Geschichte der Engelporter Höfe oder eine Sammlung origineller Hunsrücker Wörter und Redensarten). Vieles, was speziell unser Dorf betrifft, wird man verstreut auch im Teil I dieser Chronik finden.
Unsere „Quellen“ sind dagegen die Erinnerungen der älteren Zelser Bürger, die in den Gesprächen über vergangene Zeiten so lebendig und lebhaft zu sprudeln begannen.
Und unser Ziel war es, die Fakten und Daten der „offiziellen“ alten Dorfchronik zu ergänzen durch möglichst genaue, oft auch mundartliche Formulierungen aufgreifende Berichte von dem Dorfalltag, wie er von den Alten noch erlebt wurde – bevor die immer schneller werdende Entwicklung einsetzte, die auch das bäuerliche Leben so grundlegend verändert hat.
Die Zeit, über die hier berichtet wird, sind also vor allem die Jahrzehnte vom Ersten bis nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Kindheitserinnerungen der Autorin, die fast alle ihre Schul- und Semesterferien und ein ganzes Kriegsjahr im Haus ihrer Vorfahren in Zilshausen verbrachte und seit mehr als zehn Jahren fest dort wohnt, kommt der Authentizität der Berichte sicherlich zugute.

M. + M. Böhmer
im Juli 2001