Kinderspiele auf der Dorfstraße

Dorfstraße, Höfe oder die gemähten Wiesen waren Spielplätze für die Kinder. „Heppehäisje“, Dopp- und Ringschlagen wechselten sich in den Jahreszeiten ab mit „Gappballe“ (vor allem Ballspiele gegen Scheunentor und Hauswand, die „Probe“) und „Klickern“. „Kleggarekäilcha“ waren auf den unbefestigten Höfen und Straßen überall schnell mit dem Absatz in den Boden gedreht. Der sanft gewellte Hof aus Schieferfelsen von Hiestasch Lien (Haus Nr. 18) war vor allem im Frühjahr ein bevorzugtes Klickergebiet. Die Lien (Lenchen Hesser) war seit ihrer Kindheit taub, lebte mit Kuh und Schwein, Katze und Hund viele Jahre allein in dem großen Haus, und sie liebte und verwöhnte die Kinder ( nicht nur die Nichten und Neffen, die regelmäßig aus Bonn zu ihr in die Ferien kamen ). Günstig war vor allem auch, dass ihr Hof unmittelbar gegenüber der Kapelle lag, denn so konnte man in der Fastenzeit, wenn es zur Kreuzwegandacht läutete, ganz schnell in der Kirche sein zum „Stationebäre“.
„Nohlaafjes“, „Vastächjes“ und „Räuber und Schanditz“ waren vor allem gegen Abend in der Dämmerung, wenn man eigentlich schon heim mußte, beliebte Spiele, die oft über ein ganzes Dorfviertel ausgedehnt wurden. Bis die entnervten Anwohner protestierten: „Awäil loßt mo noh met der Jachteräi“.( „jetzt lasst mal nach …“ )

Außer diesen üblichen Spielen, wie sie überall verbreitet waren, gab es früher im Dorf alltägliche Spiele, die inzwischen ganz in Vergessenheit geraten sind. Eines davon war „Anna-wanna-Schohbrenna“.
Man brauchte dazu einen auf dem Hof abgestellten Erntewagen, und schon deshalb ist das Spiel heute nicht mehr möglich. Auf dem Wagen liefen mehrere Kinder unter Lachen, Kreischen und Schubsen hin und her oder hockten mit hochgezogenen Beinen auf den Seitenteilen, den „Leitern“ des Wagens, während der Fänger unten um den Wagen herumrannte
Bild vergößern Vier Schwägerinnen präsentieren Zelser Nachwuchs
von l. nach r. : Maria, Anna u. Anna Ketter u. Rosa Hesser (1925)

und versuchte, durch die Sprossen ihre Schuhe zu erreichen – Gelang es ihm, einen Schuh zu berühren, rief er schnell „anna-wanna-Schohbrenna“ und war erlöst und konnte selbst auf den Wagen, während der Erwischte seine Rolle als Fänger übernehmen musste.
Auch andere Spiele, zu denen man eine größere Anzahl von Kindern brauchte – das war 22:44 26.12.01damals kein Problem! – sind heute mehr oder weniger vergessen:

„Kaiser, wie weit darf ich reisen?“, „Machet auf das Tor“, „Taler, Taler, du mußt wandern“, Kreisspiele oder „Dreh dich nicht um, denn der Plumpssack geht um“ – was man hierzulande auch „Faul Ei“ nannte.

Besonders beliebt war „Bille – Balle – Buff“: Einer der Mitspieler, der vorher ausgelost wurde, hatte den Ball und rief: „Bille – Balle – Buff, ane fia dä Schnuff, ane fia…. „. Hier warf er den Ball in die Höhe und rief dabei den Namen eines Mitspielers, der dann versuchen mußte, den Ball ze gappsche. Gelang ihm das, durfte er (oder sie!) seinerseits mit „Bille – Balle – Buff“ den Ball hochwerfen und einen Namen rufen. Konnte der Aufgerufene den Ball nicht fangen, musste er, sobald er ihn in die Hand bekam, „Halt!“ rufen und so die übrigen Spieler, die inzwischen wegrannten, zum Stehen bringen. Er versuchte nun, einen von ihnen „abzuwerfen“. Gelang es ihm, war der dann an der Reihe, den Ball zu werfen.
In den Schulpausen spielte man gern „Boamann“ (Boa = Brunnen), ein Laufspiel, bei dem man sich für das lange Stillsitzen entschädigen konnte. Zwischen dem Schulboa, da wo heute die beiden Kastanien stehen, und Schnorre (Haus Nr. 67) stand auf jeder Straßenseite je eine Partei, und ein Boamann stand in der Mitte. Auf den Ruf „Wer gräilt (fürchtet sich) fiam Boamann?“ – vgl. „Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann?“ – wurde bis drei gezählt, und die beiden Parteien liefen los und versuchten, sicher die andere Seite zu erreichen. In dem gegenläufigen Gerenne musste der Boamann einen Spieler „abschlagen“, der dann seinerseits den Boamann spielen musste.

Fertiges „Spielzeug“ gab es in früheren Zeiten auf dem Land nur wenig, aber an Spielmaterial und Spielraum mangelte es deshalb keineswegs. (vgl. Bilder unten)
Für die Mädchen war in der wärmeren Jahreszeit der „Holzschopp“ ein beliebter Platz zum Puppenspielen. Mit Holzklötzen und -scheiten baute man sich Wohnungen und „Häisja“, „Poppeschesje“ (Puppenwagen) war vielleicht ein Schuhkarton, und wenn man Geschirr haben wollte, um die „Dreckplätzja“ für die Puppen darauf zu servieren, fand man vielleicht etwas Brauchbares bei den „Schärwele“, die damals oft einfach im „Räiel“, dem schmalen Durchgang zwischen zwei benachbarten Hausgiebeln, „entsorgt“ wurden. – Ebenso beliebt wie richtige Puppen waren bei diesen Spielen übrigens auch Holzscheiter, die als Puppen dienten.

Ein beliebter Zeitvertreib war natürlich das „Schelmesteckelcha mache“. Wer erinnert sich noch an das „Kennelepuutse“? Die Kennele, d.h. die Abwasserrohre vom „Wassastein“, dem Spülbecken in der Küche, führten meist einfach durch die Küchenwand und endeten draußen im „Grawwe“. Puutste man nun mit dem Mund von draußen in den Kennel, löste das Dröhnen in der Küche einen ziemlichen Schrecken aus. Noch durchschlagender und fast schon „krimenäll“ war die Wirkung natürlich, wenn man statt nur ins Rohr zu tuten Pulverplättchen oder andere Knallkörper an der Rohrmündung einsetzte!

Für die ältere Schuljugend und die, die „schunn ous da Schul woare“, ließ die Mitarbeit zu Hause und auf dem Feld nur wenig Zeit übrig. Die Freizeit begann in der Woche erst am Abend. Da traf man sich am Backes, saß meist noch ein Stündchen „of da Stämm“ (den Stämmen, die aus dem Wald geholt, verkauft und bis zum Abtransport am Backes gelagert waren) und „sproochte“, machte seine Späße und sang gemeinsam Volkslieder. –
Gemeinsames Singen war, solange es außer dem Grammophon noch keine Musik „aus der Konserve“ gab, für junge Leute eine beliebte Freizeitbeschäftigung – Und das Treffen am Backes und das Sitzen und Singen „of da Stämm“ hat einen festen Platz in der Erinnerung der alten, damals jungen Leute.

Wer noch in die Schule ging, musste sich allerdings spätestens, „wenn et Bätglock gelaut hat“, nach Hause begeben. Dann ging nämlich der Lehrer oft durchs Dorf, um zu kontrollieren, wer da noch auf der Straße war!

„Kindersünden“ – heitere Kindheitserinnerung aus vergangenen Tagen

Hiestasch Hedwig (Frau H. Görgen, geb. Hesser) ist mit 93 Jahren eine der ältesten gebürtigen Zelser. Zwar hat sie das Dorf schon in jungen Jahren verlassen, aber Geschichten von früher sind in ihrer Erinnerung so lebendig wie eh und je.

In ihrer Kindheit war das Beichtengehen am Samstag eine sehr ernste Sache. Schon Tage vorher wurde das „Gewissen erforscht“, und die Sünden wurden auf einen Zettel aufgeschrieben und an einem sicheren Ort verwahrt.
Einmal, als sie samstags vor dem Gang zur Beichte ihren Beichtzettel hinter dem Spiegel in der Stuff hervorholen wollte, wo sie ihn gut versteckt wähnte, war er nicht mehr da. – Aufgeregt rief sie durch die „Schall“ (eine Art Durchreiche) in die Küche: „Modda, wer hat mir da mein Sünde wechgeholt?“ (Mutter, wer hat mir denn meine Sünden weggenommen? )

Ein anderes Mal saß sie bei der Gewissenserforschung in der Stuff. Als Hilfe dabei diente der „Beichtspiegel“ im Gebetbuch, ein Verzeichnis der häufig vorkommenden Sünden.
Bei einer der dort aufgeführten Sünden wurde die kleine Hedwig unsicher und fragte durch die „Schall“: „Modda, – ´Ich habe freiwillige Glaubenszweifel gehabt´, han ich dat och gedoh?“
In diesem Punkt konnte die Mutter das Kind beruhigen.

Lauter kleine Zelser

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Fünf Cousinen, ein Vetter und ein Teddybär um 1925
Bild vergößern Irene (Ketter) mit
Schleife und Hund
Bild vergößern Kleine Zelserin
betrachtet den Schnee noch etwas skeptisch

Pferdchenreiten macht Spaß

– vor allem dem kleinen
Hermann Oster

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aus Kindern (oben)
werden Schulkinder (rechts)

Die drei älteren Brüder von Reinhold Wendling (Bild 7) haben den Krieg nicht überlebt.
Alois fiel am 11. 2. 1943 in Russland.
Vinzent am 12. 2. 1944 ebenda.
Ignaz starb im September 1944 mit 16 Jahren an Scharlach, nachdem er den Gestellungsbefehl zum Wehrertüchtigungslager erhalten hatte. So verloren die Eltern drei von ihren vier Söhnen in kaum mehr als eineinhalb Jahren

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Im Umgang mit Tieren und Technik sind die Dorfkinder früh geübt.

Bild vergößern Magasch Hermann (H. Oster) hält sichtlich stolz das Kuhgespann. Die Viehdecken und die warme Mütze zeigen: Es ist Herbst!
Daume Paul mit seinem Vater
(E. Ketter) und dem „Fuchs“

Bild vergößernPaul blieb immer ein Pferdefreund, ob-
wohl er als 12jähriger einen schweren
Unfall hatte und durch einen Huftritt
ein Auge verlor.
Bild vergößern„Spielzeug“ findet man im Dorf jeder-
zeit und überall – wie hier im Balneck
zum Beispiel das „Ploochwähnche“
Die Fahrer: (Daume Paul, Hiestasch
Leo und Langs Rudi)

Kinderspiele in Sommer und Winter.

Bild vergößernKinder im Unterdorf
Zum Schneebälle werfen reicht der Schnee gerade

Ferienkind bei
Konats
„of da Trapp“

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Bild vergößern Paul, der stolze kleine Tierfänger

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„Dreh dich nicht herum, denn der Plumpsack geht um!“ Kreisspiel hinter den Häusern