Häuser – Höfe – Straßen

Viele der schönen alten Bauernhäuser, die das Dorfbild früher bestimmten, sind inzwischen verschwunden: verfallen und abgerissen, zerstört im 2. Weltkrieg oder nach dem Krieg so „modernisiert“ und umgebaut, dass von dem ursprünglichen Charakter kaum noch etwas übrig blieb.
Umso mehr können wir uns freuen, dass viele Dorfbewohner unserem Aufruf folgten, alte Fotos von ihren Häusern oder deren Vorgängern auszukramen und zusammenzutragen. Denn so können wir wenigstens über die Fotografien einen Eindruck bekommen von dem Straßenbild unseres Dorfes „wie et frea woar“.

Bild vergößern Oberdorfstrasse 1942

Wie die Aufnahmen von Oberdorf und Unterdorf deutlich zeigen, standen die meisten der Häuser mit dem Giebel des Wohnhauses schräg an der Dorfstraße. Stall und Scheune waren an das Wohnhaus angebaut, und zwischen der Vorderfront und der Rückseite des Nachbarhauses befand sich der Hof.
Es war ein Wirtschaftshof mit Zugang zur Haustür, zum Stall und zur Scheune. Hier waren Fuhrwerke und Gerätschaften abgestellt. Hier saß das Holz bevor es geschnitten, gehackt und im „Holzschopp“ untergebracht wurde. Und auf dem Hof stand – praktischerweise gleich neben dem Misthaufen – auch der „Abtritt“ mit dem obligaten Herzchen in der Holztür.

Straßenszenen

Der Balneck
vor der“Befestigung“ zeigt den ganzen Gegensatz zum glatten, „aufgeräumten“ Zustand von Strassen und Höfen in unseren Tagen.
„Spielzeug“ für Kinder (hier ein „Ploochwähnsche“) fand sich da jederzeit und überall.
(Die Fahrer: Daume Adolf, Hiestasch Leo und Langs Rudi)

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Klein Hermann (Oster) reitet über den Kirchweg

Die lockere Bebauung im Kirchweg (eine Seite war lange fast unbebaut) könnte darauf hindeuten, daß das Unterdorf der ältere Teil des Straßendorfs Zilshausen war.

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Tauwetter im Unterdorf Bild vergößern
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Oberdorfstrasse 1929 (Postkartenausschnitt)

Standen die Häuser parallel zur Straße, waren sie so weit zurückgesetzt, dass der Hof zwischen Hausfront und Straße lag. Fast zu jedem Haus gehörte ein großer Nussbaum, der für den Wintervorrat eine wertvolle Ergänzung brachte und vor allem den darunter stehenden Wagen Schatten spendete, so dass die Holzräder im Sommer nicht austrockneten und aus den Fugen gingen. (vgl. Kapitel 6)
Da die Höfe durch die Arbeiten, vor allem durch die Fuhrwerke, sehr beansprucht wurden, war es ein Glücksfall, wenn sie aus „gewachsenem“ Fels bestanden, der im Laufe der Zeit eine sanft gewellte, glatte Oberfläche bekommen hatte. (vgl. Bild)
Der landesübliche Lehmboden war sowohl im trockenen, staubigen Zustand als auch im nassen, matschigen wenig brauchbar. Viele Höfe waren daher „gesteckt“, das heißt, mit hochkant gestellten, dicht nebeneinander eingeklopften Bruchsteinstücken befestigt.
Auch die Dorfstrassen waren zunächst auf diese Weise „gestückt“. Später wurden sie mit Kopfsteinpflaster, dann mit Teer und schließlich mit Asphalt gedeckt. (vgl. Chronik 1893-94)
Vor dieser Befestigung waren vor allem die Nebenstrassen, das Unterdorf, der Balneck, die Furt, die Weiherfurt und das „Eck“ in der nassen Jahreszeit verrufen wegen dem „Bratsch“, in dem man fast steckenblieb. Die alten Bilder des obigen Abschnittes Straßenszenen geben einen schwachen Eindruck von den unbefestigten Dorfstrassen, wo der „Pull“ vom Misthaufen einfach „de Grawwe ronna laaft“.
Zwei kleine Beispiele können die Situation illustrieren:

An Weihnachten, wenn das „Christkind“ (ein Mädchen aus dem letzten Schuljahr) den Kindern ihre Geschenke überbrachte, mußte es oft genug mit seinen himmlischen Begleitern, den beiden „Engeln“, von handfesten jungen Männern zu seinem Einsatz getragen werden, damit die weißbeschuhten Füße und der Saum der Gewänder nicht mit dem irdischen Unflat in Berührung kamen!

Die andere Erinnerung bezieht sich auf den sonntäglichen Kirchgang nach Petershausen. Bevor das „Ennerdorf“ gepflastert war, war es kaum möglich, mit halbwegs sauberen Sonntagsschuhen bis zum Backes zu gelangen. Man zog also die „wärdesse Genäälde“ (hohe genagelte Werktagsschuhe) an und trug die blankgeputzten „Sonnesse“ bis zum Backes in der Hand. Dort wechselte man das Schuhwerk, ließ die Nagelschuhe im Backes zurück, ging „anständig“ of Birrasch und zog auf dem Heimweg am Backes wieder die matschgewohnten Nagelschuhe an.

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Haus Nr. 11: Backes-Weins (Wendling)

Das Wohnhaus – manchmal etwas älter und niedriger als der angebaute Stall- und Scheunentrakt – war fast immer ein Fachwerkbau. Die dekorativen Balken waren allerdings wegen der Wärmeisolierung oft ganz oder teilweise verputzt. (Bild oben) Vor der Kirmes wurden die Häuser regelmäßig frisch geweißelt oder mit zart getönter Kalkfarbe getüncht.
Der Sockel des Wohnhauses sowie der untere Teil von Scheuer und Stall bestanden gewöhnlich aus Bruchsteinen. Die Wetterseite, der Giebel und auch das obere Stockwerk hatten oft einen, zum Teil kunstfertig verzierten, Schieferbeschlag. (An Schiefergruben, z.B. die Laiekaul im Zelser Bachtal, fehlte es ja hierzulande nicht.) – Schutz bot auch das an Hunsrückhäusern früher typische Wetterdach. (Haus 18 und 44)
Die Grundrisse der Häuser im Dorf waren damals weitgehend gleich, was sich auch nach außen in der Anordnung der Fenster zeigte und auf vielen der folgenden Bilder zu sehen ist. (vgl. den Grundriss zu Haus 18)
Neben dem Eingang, zum Giebel hin befindet sich das größte Zimmer im Haus, die „Stuff“. Sie hat zwei Fenster zur Hof- und ein oder zwei zur Giebelseite. Stellwände für Möbel waren damals nicht besonders gefragt: Wichtig war ein großer „Stuffedesch“ mit genügend Platz auf Bank und Stühlen – etwa für die Kirmesgäste – und ein Ofen. Statt eines Schrankes genügte oft das „Dillche“, ein Wandbrett, auf dem dies und das abgelegt werden konnte, die Gebetbücher zum Beispiel. (So ein Dill, der „Schosseledill“ – das Schüsselbrett – befand sich übrigens auch in der Küche). „Of em Hous“, also im Obergeschoss, lag über der Stuff meist ein ähnlich großes Schlafzimmer, mit entsprechend angeordneten Fenstern und ebenfalls Stuff genannt. Die übrigen Räume im Haus waren nur Wohn-, Schlaf- oder Abstell-„Kammern“ und zum Teil sehr klein.

Im Haus Nr. 18 gab es, wie sicherlich auch in vielen anderen alten Häusern, oben neben der Treppe lange eine „Klarakamma“ (Kleiderkammer) auch „Däistakamma“ (Dunkelkammer) genannt, weil sie außer einem Glasfenster in der Türe keine Fenster hatte.
Das Fenster über der Haustüre gehörte zum oberen Gang oder zu der sog. „Gangkammer“. In kleineren Häusern lag der Stall unmittelbar neben dem Hausgang (Haustür und Stalltür lagen nebeneinander). Die komfortableren Häuser hatten dazwischen noch eine Kammer: Das Fenster (sehr selten sind es zwei) zwischen Haustür und Stall macht das auch nach außen hin sichtbar.

Auf den Bildern der Häuser 2, 18, 41 und 55 sieht man deutlich die für unsere Gegend typischen dekorativ gestalteten Haustüren.
Ihre Breite – oft sind es Doppeltüren – ist nicht nur „Statussymbol“, sondern hat sehr praktische Gründe: Der etwas schmälere Teil wurde nur geöffnet, wenn man den Platz brauchte, zum Beispiel wenn nach dem Dreschen die Getreidesäcke auf den Speicher getragen wurden. (Korn, Weizen, Hafer und Gerste wurden hier in getrennten Haufen auf den Boden geschüttet und mussten dann regelmäßig „gemengt“ werden, um Käferfraß und Feuchtigkeit möglichst zu verhindern.) Entsprechend der Haustür war auch der Hausgang relativ geräumig. Er führte direkt auf die Treppe zu, die wegen der Wärme eingeschalt und unten mit der Treppentür abgeschlossen war.
Bild vergößernHaus Nr. 7: Kippasch

Neben der Treppe ging es in die „offene Küche“, die als solche in einigen Häusern noch bis in die 30er Jahre existierte. Sie war im Winter kalt und zugig, und daher gab es neben der offenen Küche mit einem Fenster zum Giebel hinaus das „Kechekämmache“, das einen Holzboden hatte, das warm und gemütlich war und in dem im Winter auch gegessen wurde.
Die Küche war durch die „Schall“, eine Art Durchreiche, mit der Stuff verbunden. Nach hinten hatte sie einen Ausgang zum Garten oder einer kleinen Obstwiese und zum meist vorhandenen Hausbrunnen, „dem Boa“, wenn dieser sich nicht direkt in der Küche befand.
Und immer gab es von der Küche oder dem Hausflur auch einen Zugang zum Stall oder (wenn vorhanden) der Viehküche.

Die hier beschriebene Grundform der Häuser geht zwar zum Teil vom ursprünglichen Grundriss des Hauses Nr. 18 aus, fand sich aber mit geringen Abwandlungen noch bis nach dem Krieg in fast allen alten Häusern wieder. Später wurde immer mehr modernisiert und umgebaut, wurden die kleinen dunklen Kammern zu größeren Räumen zusammengefaßt und durch große Fenster aufgehellt.

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Haus Nr. 44: „Furte“ (heute Platten)
Gelungene Modernisierung eines alten Bauernhauses in den 90er Jahren:
Der ehemalige Stall links von der Haustür wurde harmonisch in den Wohnbereich
Einbezogen, teilweise auch als Stall benutzt Das Wetterdach wurde nachträglich im
landesüblichen Stil angefügt. (vgl. Haus Nr. 18)

In neuester Zeit werden die alten Häuser zunehmend von „Fremme“, d.h. Zugezogenen, gekauft und mit mehr oder weniger Sinn für ihr altes Gesicht repariert oder umgebaut.
Die jungen Zelser bauen dagegen meistens an den Rand des Dorfes und geben ihm dadurch ein neues, anderes Erscheinungsbild.

Und das gab´s auch noch in den alten Häusern

die Schall: eine Art Durchreihe zwischen Küche und Stuff
die Kellaschorp: eine in die dicke Bruchsteinmauer im Keller eingelassene Nische zum Kühlhalten von Lebensmitteln oder Wein.
das Pondloch: Öffnung in der Zimmerdecke, um Wärme von unten in die oberen Räume zu leiten.
das Betteck: ein Alkoven in der Stuff
die Kaawezeech: das mit gereinigtem Haferspreu alljährlich nach dem Dreschen frisch gefüllte, äußerst warme, gemütliche Unterbett
die Klarakest: Truhe, in der die Sonntagskleider aufbewahrt wurden (statt Kleiderschrank) Wintermäntel gab es bis in die 40er Jahre noch kaum. Die Männer trugen eine dicke Jacke („en Ulles“), die Frauen meist ein „Emschlagdooch“.

HÄUSER IM OBERDORF

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Haus Nr. 2: Piese-Piddasch bei der Arbeit.

Die Fenstereinteilung, die dekorative „doppelte Haustür“ und die gleich daneben liegende niedrige Stalltür, deren oberer Teil hier zugleich das Stallfenster ersetzt, sind typisch für viele alte Hunsrückhäuser.

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Haus Nr. 63: Onne-Franze spannen an
Bild vergößern Haus Nr. 65:
„Daume“

Das Haus erhielt in den 30er Jahren den Schieferbeschlag und den Haustürvorbau

Im Hintergrund
der alte Backes

Haus Nr. 64: „Owwe-Seimets“

Der untere Teil ist ein Bruchsteinbau,
das obere Fachwerk ist zum Teil ver-
schiefert

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Bild vergößern Haus Nr. 12:
„Konats“ ( Schug )

Vetter Gustav vor dem am 14. März 1945 durch Granaten zerstörten Haus

HÄUSER IM BALDUINSECK

Bild vergößern Der Balneck
mit
Haus Nr. 16: „Schrainasch“
(links im Vordergrund)

Haus Nr. 17: „Mainats“
(Mitte)

Haus Nr.12: „Konats“
(hinten rechts)

„Schweizasch“, Haus Nr. 19:
ist wohl eines der
ältesten Häuser im
Dorf. Es hatte ur-
sprünglich auch einen Zugang vom Balneck aus.
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Bild vergößern Haus Nr. 14:
bei „Hanjupps“
wurde renoviert

IM BALNECK

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Haus Nr. 15: „Piddasch“

Das alte Haus mitsamt der hinten ans Haus angebauten Schreinerwerkstatt brannte 1921 infolge eines Blitzeinschlags ab und wurde neu aufgebaut (siehe nächstes Bild)
(Zum Fototermin fand sich früher gern auch die weitere Verwandtschaft ein)

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Das „neue“ Haus 1927:
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Haus Nr. 18: „Hiestasch“ – Anfang der 20er Jahre
Bevor der Hof durch die Mauer begrenzt wurde, sah man deut- lich den „gewachsenen Fels“.
Der Briefkasten neben der Haustür weist auf die Poststelle im Haus hin. (In der großen Schürze der „Postmeister“, Küster und Bauer Hiestasch Philepp)
Das Haus wurde um 1800 gebaut und zeigt das im Hunsrück zu dieser Zeit häufige hohe gebro- chene Dach und das Wetterdach. (vgl. Lieg und Dörfer um Simmern)
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1940

Ursprünglicher Grundriss von Haus Nr. 18 (Skizze)

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K = Küche
KK = Küchenkämmerchen
VK = Viehküche
KA = Kammer
B = Betteck (Alkoven- etwa bis 2. Weltkrieg)
Fl = Hausgang

HÄUSER IM UNTERDORF „IM ECK“

Bild vergößern Haus Nr. 24: „Weinems“ 1931

Das Haus wurde etwa 1880 von Joh. Weinem erbaut. Die linke Haustür und die beiden Fenster links gehören zu seiner Schreinerwerkstatt, die bis Ende der 20er Jahre im Betrieb war.

1931

Der Giebel des Hauses (die
„Wetterseite“) ist mit Schiefer
beschlagen

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Bild vergößern Haus Nr. 22: „Säiats“

Das Wohnhaus wurde um 1900
gebaut und steht seit Jahren leer

HÄUSER IM UNTERDORF

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Haus Nr. 40: „Äwats“
Das Haus wurde wegen Baufälligkeit abgerissen.
Der Brunnen vor dem Haus befindet sich im Keller des neuen Hauses.
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Haus Nr. 26: „Perkats“
Das alte Haus von Perkats, auch „Borjels“ genannt, stand in der Weiherfurt und ist Ende der 20er Jahre an einem Sonntag während dem „Amt“ zusammen mit „Wäre“ (Nr. 32) abgebrannt. (Siehe Chronik 1929)

HÄUSER IM UNTERDORF und IM KIRCHWEG

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Haus Nr. 41: „Andrise“ in den 20er Jahren
Vor der Haustür Andrise Jusep, der erste Zelser Glöckner, mit seiner Familie und der Schwägerin Andrise Marie (M. Hansen)
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Haus Nr. 51: „Theisens“
Die Häuser Nr. 50, 51 und 52 im Kirchweg wurden um 1900 von einem auswärtigen Bauherrn erbaut und verkauft.

HÄUSER IN PETERSHAUSEN

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Alter Kirchturm am Friedhof, am linken Bildrand Haus Nr. 53 (Kneip), am rechten Bildrand Haus Nr. 58 (Pulger), neben der neuen Kirche und dem Pfarrhaus im Hintergrund Kaspasch (Mies).
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Haus Nr. 55: „Althausersch“
„Althausersch (Bes. Häbler, später Etges) ist das älteste Haus vom Petershäuser Hof und geht möglicherweise auf den 1275 erwähnten Engelporter Hof in „Budershausen“ zurück. Bis 1890 (s. nächstes Bild) war er der einzige Hof in Petershausen. (Näheres über die Engelporter Höfe s. bei F. Schneider S. 62 ff.)
Scheuer und Stall wurden 1945 durch Granaten teilweise zerstört und später abgerissen. Das Wohnhaus wurde durch die heutigen Besitzer Reisgies renoviert und mit Schiefer beschlagen.
Bild vergößern Haus Nr. 53: „Kneip“

Die Häuser Nr. 53 (Kneip)
und 54 (Schug, ohne Bild)
wurden um 1890 erbaut.