Gaststätten in Zilshausen

Die Zilshausener haben seit über hundert Jahren zwei Möglichkeiten, im Dorf ihren Durst zu löschen oder bei besonderen Anlässen gemeinsam zu feiern und das Tanzbein zu schwingen, und zwar in den Gaststätten Brodam („Johannsches“) und Ketter („Langs“).

Das Gasthaus „Brodam“

ist wohl das ältere von den beiden öffentlichen Gast- und Schankwirtschaften. Es war der Landwirt Johann Peter Brodam, der 1869 beim Amtsmann in Cochem um die Erlaubnis nachsuchte, eine solche Gast- und Schankwirtschaft zu betreiben. Er bekam sie noch im selben Jahr für das Haus Nr. 30 in Zilshausen ( = Klanasches ) „in Gemäßheit der Allerhöchsten Kabinets-Ordre vom Februar 1835“.

Ein entsprechender „Erlaubnisschein“ wurde jeweils für ein Jahr erteilt und mußte „bei beabsichtigter Fortsetzung des Gewerbes jedes Jahr in der letzten Hälfte des Monats November erneut beantragt werden“.
Von da an befand sich in einem Nebengebäude – das seit 1970 von den jetzigen Besitzern (Kramer) als Scheune benutzt wird – ein Flaschenbierausschank sowie ein kleiner Saal für Musik und Tanz. Überdies bestand dort für die Einwohner des Dorfes die Möglichkeit, auch einige alltägliche Bedarfsgegenstände einzukaufen – wie Salzheringe vom Fass zum Beispiel.
Außerhalb entlang dem Giebel des scheunenartigen Gebäudes gab es damals bereits eine kleine offene, aus Brettern gefertigte Kegelbahn. (Ältere Dorfbewohner erinnern sich noch heute, wie sie als Kinder in der langsam verrottenden Kegelbahn ihr Spiel getrieben haben.)
Bild vergößernUrspüngliche Gaststätte
J. P. Brodam
(nach 1970)
Bild vergößern Johann Peter B., baute später (das Jahr ist nicht bekannt) im Zentrum des Dorfes unterhalb des Backes ein neues Haus („Johannsches“, Nr. 42) und zog mit seiner Familie, sowie mit der Land- und Gastwirtschaft dorthin um.
1902 übernahm dann der Sohn Nikolaus Brodam diesen Gastwirtschafts- und Kleinhandelsbetrieb.
Im Februar 1908 ertönte eines Nachts gegen zwei die Feuerglocke – die Scheune wurde ein Raub der Flammen und brannte total nieder. Zum Glück jedoch konnte das Haus, das auch schon zu schwelen begann, durch das schnelle besonnene Eingreifen der Ortsfeuerwehr gerettet werden. (s. Chronik 1908)

Die“Johannsches“ um 1930 vor der neuen Gastwirtschaft

Als Nikolaus Brodam 1916 starb, übernahm dessen 14jähriger Sohn Alois zusammen mit seiner Schwester Rosa die Familiengeschäfte, die Landwirtschaft und den Gastwirtschaftsbetrieb. Die Mutter wurde bald rheumaleidend, konnte das Bett nicht mehr verlassen und musste über viele Jahre hin von ihrer Tochter Rosa in einem kleinen Zimmer hinter dem Gastraum gepflegt werden.
Während der Winterzeit, wenn die Feldarbeit ruhte, ging Alois, wie viele andere junge Männer aus Zilshausen ins Ruhrgebiet, um dort zusätzlich für die Familie Geld zu verdienen.

Im Krieg wurde Alois, der inzwischen Ortgruppenleiter geworden war (s. Chronik 1933) zum Militärdienst eingezogen. Seine Schwester Rosa mußte nun weitgehend allein die Land- und Gastwirtschaft sowie die kranke Mutter betreuen.
1944 lernte Alois in Riga seine spätere Ehefrau Lubja Maria Grabnitzkaja kennen, die als Ostflüchtling eines Tages im Juli 1944 allein in Zilshausen eintraf. Sie half bei der Arbeit in Haus, Hof und Gastwirtschaft.

Als im März 1945, also kurz vor Kriegsende, das Dorf von den Amerikanern beschossen wurde, schlug eine der schweren Artilleriegranaten auch bei „Johannsches“ ein. Im Keller des Hauses wurden Rosa Brodam, ihre Schwester Maria (verh. Olbermann) sowie deren beide Kinder getötet (vgl. Chronik: Die letzten Kriegswochen). Außer ihnen und Lubja mit ihrem inzwischen geborenen Kind hatten noch Verwandte,

Bild vergößernAlois Brodam

eine fünfköpfige Nachbarsfamilie („Backes-Hiestasch“) und mehrere Soldaten in dem relativ großen und vermeintlich sicheren Keller Zuflucht gesucht.
Sechs der Soldaten kamen ums Leben, Rosa, die Tochter der Nachbarsfamilie wurde verletzt ins Krankenhaus nach Ochtendung gebracht, während ihre Großmutter („Backes-Hiestasch Bas“) innerhalb weniger Tage an den Folgen ihrer Verletzungen verstarb. – Das Haus selbst wurde durch diese Granate sehr stark beschädigt. Von der langen Irrfahrt des damals 11jährigen Hermann Weins, der auch zu den Verwundeten in diesem Keller gehörte, wurde an anderer Stelle berichtet. (s. Kapitel 15)

Im Herbst 1945 kam Alois aus dem Krieg zurück und baute mit Lubja das Haus und die Gastwirtschaft wieder auf. 1961, kurz nach Erhalt einer erweiterten Gastwirtschafts-Konzession, verstarb er.
Seitdem führte „Luba“ allein, später dann zusammen mit der jüngsten Tochter und deren Mann die Gaststätte und den Pensionsbetrieb bis auf den heutigen Tag weiter.

Das Gasthaus Lang-Ketter

Wann genau im vorletzten Jahrhundert der Landwirt Johann Lang die Konzession für eine Gastwirtschaft in Zilshausen beantragte, ist nicht bekannt. Allerdings geht aus Unterlagen von 1903 hervor, dass sein Haus zu diesem Zeitpunkt schon seit mehr als 25 Jahren eine solche Gastwirtschaftskonzession besaß.

Bild vergößernFamilie Lang mit „Langs Fritz“ Aus der Dorfchronik erfahren wir weiter, dass am 29. Juni 1902 nachmittags gegen 4 das ganze Land- und Gastwirtschaftsgehöft des Johann Lang in Flammen stand. Das Feuer trat – so heißt – sehr plötzlich und gewaltig auf, so dass das ganze Gebäude ein Raub der Flammen wurde.
Noch im selben Jahr baute J. Lang einige Meter oberhalb der Brandstätte ein neues, größeres Wohnhaus mit Scheune und Stallung.
Am 12. Mai 1903, nachdem dieses Wohnhaus fertig war, stellte er ein neues Gesuch auf „Ertheilung der Gastwirtschaftsconzession“; ihm ging es darum, möglichst bald den Schankbetrieb aufnehmen und im neuen Saal Tanzmusik veranstalten zu können.
Das wurde zunächst jedoch abgelehnt, weil der damalige Bürgermeister Ritzen befürchtete, „daß dann alles aus der ganzen Umgegend dort in Zilshausen zum Tanz zusammenkäme und große Gefahr von Schlägereien bestünde …“
Der Landrat zu Cochem schloss sich dieser Meinung an, erteilte zunächst die Konzession nicht und verbot sogar im Jahr 1903 für Pfingsten „wegen Mangel an Gendarmen und Polizisten in den dieseitigen
Hunsrückgemeinden (des Kreises Cochem) das Tanzen überhaupt, … denn sonst fühlten sich die rauflustigen Burschen allein Herr und Meister.“
Am 17. Juli 1903 erhielt Johann Lang jedoch einen von dem Königlichen Herrn Landrat zu Cochem ausgefertigten „Behändigungsschein über seine Gastwirtschaftsconzession „.
Aus einer kleinen Wirtschaft, die man sich zu Beginn eher als einen schlichten Bierflaschenausschank vorstellen muss, entwickelte sich dann Schritt für Schritt eine echte Gaststätte mit Theke und Gästeraum und bereits 1910 entstand das erste Fremdenzimmer.
Zu Anfang der 20er Jahre heiratete Fritz Ketter (geb.1889), Sohn des Schreinermeisters Ketter, Maria, die jüngste Tochter des Hauses Lang, zog als Nachfolger in diesen Land- und Gastwirtschaftsbetrieb ein und baute ihn im Laufe der Zeit immer weiter aus.
Bild vergößernLangs Fritz

So kam in den 30er Jahren ein großer Saalbau mit Kegelbahn hinzu. Die älteren Bürger erinnern sich lebhaft an die Tanzmusiken in „Langs Saal“ – vor allem aber an die Kirmesfeste im Juli, wo von Kirmessamstag bis Kirmesdienstag nachmittags und abends die Tanzmusik spielte.
Dann strömten nicht nur die Zelser und die Leute aus den umliegenden Dörfern in den Saal, dann kamen auch die „Kermesläit“, die Verwandten aus der Ferne, die zur Kirmes „heim“ nach Zilshausen gekommen waren. Fast jedes Haus hatte damals seine Kermesläit, und auf der Dorfstraße traf und begrüßte man auf Schritt und Tritt alte Bekannte und Verwandte.

Bild vergößernLangs Fritz, Tankstelle und Saal Außer den Tanzveranstaltungen gab es in „Langs Saal“ oft Theateraufführungen, bei denen eine begabte und engagierte Truppe Zelser Schauspieler ihre Zuschauer begeisterte – und auch selbst nicht wenig Spaß hatte.
Nach dem Krieg, bevor das Fernsehen Einzug gehalten hatte, kam eine Zeitlang in regelmäßigen Abständen ein Filmvorführwagen ins Dorf und verwandelte den Saal für einen Nachmittag in ein Kino.
Am Ende des Krieges wurde der Saal durch amerikanische Granaten zerstört – aber bereits im Jahre 1948 wieder aufgebaut. Zwanzig Jahre später wurde er, da er nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach, durch einen neuen Saalbau ersetzt, der in das neugestaltete und erweiterte Gasthaus integriert war.

In den 50er Jahren wurden weitere Gästezimmer eingerichtet, und man eröffnete ein Lebensmittelgeschäft mit Waren für den täglichen Bedarf, sowie eine Benzintankstelle.
Bei all diesen Planungen und Umbauten hatte Rudi Ketter (Sohn des F. Ketter), entscheidenden Anteil. Er übernahm in erster Linie die Betreuung des Lebensmittelgeschäftes, stand aber auch abends in der Gaststätte hinter der Theke seinen Mann.

Bis 1983, also fast 60 Jahre lang , war „Langs Fritz“ mit seinem verschmitztem Humor, seiner halbgerauchten kalten Zigarre im Mund und seiner stets gleichen ruhigen Freundlichkeit der bei allen Gästen beliebte Wirt hinter der Theke.
Nach seinem Tod trat „Langs Rudi“, assistiert von seiner jüngeren Tochter, seine Nachfolge als Chef des Hauses an.
1993 übernahm schließlich die Tochter Claudia Barden, geborene Ketter, den elterlichen Betrieb, der in der Zwischenzeit abermals modernisiert und großzügig ausgebaut wurde. Mit ihren Eltern, die in Küche und Haus noch weiter mithelfen, und dem Ehemann Herbert und ihren beiden Töchtern als „Hilfskräften“ im Hintergrund, hält sie seitdem den Betrieb unter dem neuen Namen „Gasthof zur Post“ in Schwung. Marina, die ältere der Töchter, wird nach ihrem Studium des „Hotelfaches“ die Mutter fachmännisch unterstützen.