Der Fund eines alten Wasserrohres

Bei den Ausgrabungsarbeiten zum neuen Bürgerhaus ist man auf eine alte Wasserleitung gestoßen und hat im Erdreich des früheren Schulgartens ein gut erhaltenes Rohr gefunden. Man hat es vor dem Bagger gerettet, und es soll neben anderen Erinnerungsstücken im Bürgerhaus ausgestellt werden.
Die Frage nach dem Alter und der Herkunft dieses Rohres regte zu Nachforschungen über die frühere Wasserversorgung unseres des Dorfes an.
Wasser war natürlich immer eine der wichtigsten Bedingungen für das Entstehen einer Siedlung. Die Feuchtgebiete für Zilshausen lagen oberhalb des Dorfes auf beiden Seiten der jetzigen Straße nach Kastellaun. Das Gebiet zwischen Berzelt und dem Dorf; die „Pingswies“ und der alte und der neue Sportplatz, galten immer als naß. Das Wasser, das aus Richtung Berzelt kam, konnte wegen einer undurchlässigen Erdschicht (Ton / Schiefer) nicht tiefer in den Boden versickern und trat an verschieden Stellen wieder zutage.
Oberhalb des heutigen Sportplatzes, auf dem „Wassem“, wie auch in der „Pingswies“, da wo sich heute ein Feuchtbiotop befindet, gab es sogenannte „Brunnenstuben“. Das waren Stellen, wo sich das Wasser sammelte und die mit Bruchstein gefasst und teilweise überwölbt waren. (Der Bruchstein war mit Gras überwachsen.)
Manche ältere Dorfbewohner erinnern sich noch, dass man dort die Wäsche gewaschen sowie Flachs „geröstet“ und gebrochen hat. – „Flachs rösten“ bedeutet hier so viel wie „rotten“, und das heißt: ihn ins Wasser legen bis die holzigen Teile verrotten und von den Fasern abgeschält werden können. –
In Zeiten großer Trockenheit, von denen die Chronik immer wieder berichtet und an die sich viele Bürger noch erinnern, war hier die letzte Möglichkeit, Wasser für Mensch und Vieh zu holen.
Vor allem in den Sommern mit großer Hitze und Dürre war natürlich die Brandgefahr im Dorf besonders groß. Grund waren Gewitter, offenes Licht oder Selbstentzündung von feuchtem Heu oder Stroh in den gefüllten Scheunen.
Das aus dem Hausbrunnen mühsam hochgeholte Wasser reichte kaum aus, einen großen Brand zu löschen, zumal zu diesen Zeiten die Brunnen selbst oft leer waren. (vgl. Dorfchronik, 1892-93 und 1911)

Aus diesem Grunde wurden zur Regierungszeit der beiden Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorf und Clemens Wenzeslaus zwischen 1750 und 1800 strenge Brandverordnungs-Vorschriften erlassen. Sie forderten, dass – vor allem zur besseren Bekämpfung von Hausbränden – in jedem Dorf mindestens ein Laufbrunnen mit zwei Trögen und ein Brandweiher anzulegen seien.

Der Laufbrunnen an unserem Backes hatte zwei oder drei steinerne Tröge:
Im 1. „Kump“ konnte das Vieh getränkt werden, wenn es vom Feld oder der Weide heimkam,
im 2. „Kump“ wurden Futterrüben und anderes gewaschen.
Das aus dem letzten Trog ausfließende Wasser lief schließlich in einen „Brandweiher“, der mit einer hohen Bruchsteinmauer umgeben und mit einem Eisentor abgeschlossen war.

Das gefundene Rohr war Teil dieser ersten Wasserleitung unseres Dorfes, die etwa parallel zur Straße von der Brunnenstube oberhalb der Schule zum Laufbrunnen am Backes führte.

Das Rohr hat die Form, wie sie praktisch schon die römischen Wasserrohre hatten, die zum Beispiel an der Mosel verbreitet waren und dort häufig ausgegraben wurden. Es besteht aus Ton, wurde von Hand auf der Töpferscheibe hochgezogen und beim Brennen mit einer Salzglasur versehen.
Die graue Farbe läßt vermuten, dass das Rohr aus der Gegend von Trier-Bitburg stammt – möglicherweise aus Speicher, wo sich damals bereits eine Manufaktur befand. Mörtelspuren zeigen noch, wie die ineinander gesteckten Rohre miteinander verbunden waren.

Spannender als die Beschäftigung mit der einschlägigen Literatur und die Gespräche mit „Experten“, die zur Datierung des Wasserrohres führten, war es, mit den vielen älteren Mitbürgern in der Erinnerungskiste zu kramen.
An den Laufbrunnen am Backes gab es kaum noch genaue Erinnerungen. Er ist aber noch gut auf einer alten Ansichtspostkarte von 1900 zu sehen.

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Ausschnitte aus Postkarten um 1900 mit Blick auf die Rückfront der Zelser Kapelle
(links sind Zugang und die Mauer zum Kirchbrandweiher erkennbar, rechts auch der Laufbrunnen)

Die drei Brandweiher des Dorfes standen dagegen bei vielen noch in sehr lebhaftem Angedenken. Vor allem der Schulweiher scheint als „Grutscheweiher“ für die Kinder und im Winter als Eisbahn für die jungen Leute so große Anziehungskraft gehabt zu haben, dass die „Reinfälle“ ins Wasser und die Einbrüche ins Eis für viele zu den bleibenden Kindheitserlebnissen gehören. Einmal soll sogar ein Kind in einem der Brandweiher ertrunken sein. So war es kein Wunder, dass man den damaligen Brandweiher in der Dorfmitte zwischen Kapelle und Backes zum Schutz mit einer Bruchsteinmauer eingefasst hat, die, wie eine 91jährige sich gut erinnert, „sehr hoch“ war.
Ein dritter Brandweiher befand sich übrigens an der Weiherfurt (daher der Name), der wohl von Wasser und Wasseradern aus Richtung Höhenweg gespeist wurde. In den Erinnerungen der damaligen Anwohner war er ebenfalls als „Grutsche-“ und „Mollekäpp“(Frösche und Kaulquappen) -Weiher ein Kinderparadies. Und das abendliche Froschgequake gehörte früher zur akustischen Dorfkulisse. Immer wieder erzählen die Alten heute noch, wie heimelig es war, abends vor dem Einschlafen den Fröschen zuzuhören.

Treffpunkt war die „Brunnenstuff“
(Pressebericht der Rheinzeitung vom 10.9.99 – Brigitte Meier)

„Es war kein Zufall, dass die Baggerschaufel unter dem abgeernteten Feld von Werner Kochhahn auf eine Brunnensteinmauer und einen Brunnenschacht stieß. Die Grabung war mit seinem Einverständnis von Ortsbürgermeister Robert Etges in die Wege geleitet worden, denn Dorfchronist Dr. Manfred Böhmer hatte bereits 1997 die Theorie aufgestellt, dass sich im Erdreich oberhalb des Sportplatzes eine alte Wasserleitung befinden müsse.
Vor zwei Jahren wurde nämlich bei den Ausgrabungsarbeiten für den Neubau des Bürgerhauses im einstigen Schulgarten ein zirka 56 Zentimeter langes Tonrohr gefunden, das Experten als Teil einer Wasserleitung identifizierten, die wahrscheinlich zwischen den Jahren 1750 und 1800 angelegt worden war. Dr. Böhmer, der bereits vor zehn Jahren die bis dato unbeachtet im Gemeindearchiv liegende Dorfchronik aus der Sütterlin-Schrift übersetzt hatte, kam bei Nachforschungen und Befragungen von älteren Zilshausenern bald auf die Vermutung, dass diese Wasserleitung von einer Brunnenanlage oberhalb des heutigen Sportplatzes in Richtung alte Schule führte.
Die älteren Bürger von Zilshausen berichteten ihm auch von anderen öffentlichen Wasserstellen im Dorf…
Bekannt ist auch, dass sich zwischen Kapelle und „Backes“ ein mit Bruchstein ummauerter Brandweiher befand. Das führte zu der Überlegung, dass die Vorfahren
Bild vergößern Bügermeister Robert Etges
Robert Kölzer / Dr. Böhmer

Bild vergößern Der Brunnenschacht

der heutigen Zilshausener durch die strengen Brandverordnungsvorschriften zwischen 1750 und 1800, die von den Kurfürsten von Walderdorf und Wenzeslaus erlassen wurden, zum Anlegen des Löschteiches mit der dazugehörigen Wasserleitung und des Laufbrunnens am „Backes“ veranlaßt wurden.
Landwirt und Altbürgermeister Kochhahn hatte den Verdacht, dass sich unter seinem Feld etwas Interessantes verbergen müsste, denn beim Pflügen tauchten immer wieder Bruchsteine an die Oberfläche, die nicht an diesen Ort gehörten. Und tatsächlich stieß Robert Kölzer mit seiner Schaufel an den Stellen, wo Kochhahns Pflug die Steine an die Oberfläche befördert hatte, in etwa 30 Zentimeter Tiefe auf einen alten Brunnenschacht.
„Wir sind natürlich begeistert von dem Fund“, freut sich Dr. Böhmer, dessen Theorie sich jetzt bestätigte. Um den gesamten Verlauf der Wasserleitung verfolgen zu können und noch andere von älteren Bürgern vermutete Brunnenanlagen zu entdecken, müssten weitere Grabungen erfolgen. Doch da W.Kochhahn sein Feld wieder bestellen muss, wurde das Grabungsloch wieder zugeschüttet, so dass der historische Fund weiter ungestört unter der Erde schlummert. Natürlich wurde die Fundstelle registriert, skizziert sowie fotografiert …“