Freizeitvergnügungen der Dorfjugend

„Wochenende“ war für die ältere Dorfjugend eigentlich nur der Sonntag beziehungsweise der Sonntagnachmittag.
Samstags wurde wie jeden Tag auf dem Feld und im Stall gearbeitet. Zudem mußten für den Sonntag das Haus geputzt und der Hof und die Straße gekehrt werden. Am Samstagabend „hat ma sich gewäsch“ oder ist „en die Bitt gange“, in die in der Küche aufgestellte Waschbütte. Nach dem Krieg gab es am Backes hinterm Spritzenhaus eine Badeanstalt mit vier Duschkabinen, die samstags abends so eifrig benutzt wurden, daß man fast immer Schlangestehen musste und sich noch ein bißchen unterhalten konnte.
Am Sonntagmorgen ging man in die „Frehmess“ oder (und) ins „Amt“. Danach war für die Mädchen meist noch Küchendienst angesagt. Nach dem frühen Mittagessen und Geschirrspülen mußte der Küchenherd mit Ata, Schmiergelpapier und Poliermittel blezzeblank gescheuert werden.

Schließlich wurden Küche und Hausgang noch einmal rousgebotzt und der Boden mit „Schell-Melich“ oder „Kastelläina Melich“ ( = Magermilch) zum Glänzen gebracht.
Erst nach der Andacht oder „Christenlehre“, die man nicht versäumen durfte, begann die Freizeit. Man ging – zunächst meist Jungen und Mädchen getrennt und in Jahrgangsgruppen – spazieren und traf sich dann mit den anderen auf der Pondelsbank, wo heute das Haus Irnich steht, of Käisatslay, of da Haad, an Berzeltshäisje oder am Wasserfall. Überall gab es da von den Jugendlichen selbst gezimmerte Bänke. Da saß man zusammen, sproochte, machte „Plän“, d.h. „dummes Zeug“, oder sang gemeinsam. Eine Ziehharmonika oder Mundharmonika waren eine willkommene Bereicherung der Freizeitgestaltung.
Manchmal machte man auch – zu Fuß oder mit dem Fahrrad – einen größeren Ausflug zu einer der Burgen oder Burgruinen in der Nähe: auf die Waldeck zum Beispiel oder die Burg Eltz. Oder man wanderte ins Bachtal zu einer der Mühlen. Die Schmausemill und die näher gelegene Muhremill gehörten zu den beliebtesten Zielen.
Bild vergößern Wanderziel Burg Waldeck um 1940

Der Winter brachte auch den jungen Leuten mehr Freizeit. Tagsüber ging man bei gutem Wetter gern „stromere“ in den Wald oder „in die Bach“. Die „Laiekaul“, der alte Schieferstollen im Bachtal, war dabei immer besonders spannend: Man mußte Kerzen oder Taschenlampen mitnehmen und immer darauf gefasst sein, Speckmäis, also Fledermäusen, und anderem unheimlichen Getier zu begegnen.
Bei ungemütlichem Wetter und vor allem am Abend ging auch „die Jugend“ gern strooße. Man traf sich in einem Haus, saß dann meist zusammen um den großen Küchentisch herum – zuerst waren die Plätze „of da Bank“ bzw. „hennichem Desch“ besetzt -, aß Nüsse oder Mallaäppel aus dem Keller und sproochte, sang, machte Spiele oder übte sich im Tanzen.

Hin und wieder waren die „Sträßa“ auch einmal in der Stuff. Fast immer aber war spätestens gegen 10 Uhr Schluss. „Em näin giet jera bäi sain“ lautete ein alter Spruch, denn am anderen Morgen fing der Tag, auch im Winter, früh an.

Ein Höhepunkt im Winter war aber ohne Zweifel das Schlittenfahren. Wenn es, wie damals üblich, in den langen Wintern „su kneppelhat gefroar woar“, war für die Kinder auf Brandweihern, auf Pfützen und im Straßengraben, wo immer Abwasser und überschüssiger Mistpull stand, „Bahnschlagen“ angezeigt. Sobald aber genügend Schnee lag, wurden die Schlitten hervorgeholt, und dann war Hochbetrieb „onnisch da Wisse“. Ab ging´s über die Hubbele on Hibbelscha, die damals, vor der Feldzusammenlegung, noch nicht eingeebnet waren, steil hinunter bis ins Hahnekläppsche.
Für „die Jugend“, für die, die „ous da Schul“, aber noch nicht verheiratet waren, begann das Wintervergnügen aber erst richtig, wenn wirklich dicker Schnee gefallen war. Dann traf man sich abends, wenn es dunkel wurde und die Kinder heimgehen mussten, mit dem Schlitten am Backes und fuhr mit Hallodri den Kirchweg runter, bog „onnisch Leja“ (dem damals letzten Haus im Dorf) in die Pondelswiesen ein und sauste, wenn man noch genug sehen konnte, bis en Pondelsloch hinunter. Da ging es noch einmal steil bergab, und die Schlitten bekamen neuen Schwung, bevor sie im tiefen Schnee oder im feuchten Graben steckenblieben oder – bei guten Bahnverhältnissen und geschickter Fahrweise – im Wald ausliefen.
Am lustigsten war es, wenn möglichst lange Schlittenzüge mit möglichst vielen Leuten drauf und einem kleinen Lenkschlitten vornedran losfuhren. Rekordverdächtig war die Spezialanfertigung, die Muascha Fritz, der Schreinergeselle aus Morshausen, in Piddasch Werkstatt gebaut hatte: ein Lenkerbob, der sich so weit verlängern ließ, dass, wie es heißt, bis zu 15 Personen darauf Platz hatten und der viele Jahre im Einsatz war. Vor allem am späteren Abend, wenn die Straße schon gut glattgefahren war, wurde der Start sogar bis ins Oberdorf vorverlegt. Störungen durch Autoverkehr waren damals kaum zu befürchten; für weniger schrittfeste Fußgänger konnte die glattgefahrene Straße allerdings am nächsten Morgen leicht zu einem Abenteuer werden.

Schneereiche Winter, das hieß auch: Schnee schippen. Der morgendliche Fußmarsch in die Kirche nach Petershausen führte oft durch einen regelrechten Hohlweg, wenn die aufgetürmte Pracht an den Straßenrändern mannshoch lag.
Viele ältere Zelser erinnern sich noch an den Winter, wo es so viel Schnee gab, daß aus den am Straßenrand aufgeschaufelten Schneemassen nur noch die Baumkronen rausguckten. Die hungrigen Hasen kamen damals bis ans Dorf und nagten rundum unter den Baumkronen die Rinde ab. Als in den darauffolgenden Sommerferien Piddasch Peter, der Professor aus Trier, wie jedes Jahr ein paar Tage „daheim“ in Zelse Urlaub machte, betrachtete er verwundert die merkwürdigen abgefressenen Stellen oben an den Bäumen. Neugierig fragte er Weins Edmund, den Bauern, der ihm gerade begegnete, wie die denn da oben hingekommen seien. Zum Erstaunen des verdutzen Professors antwortete der in seiner trockenen Hunsrücker Art: „Dat? Äi dat woren die Hasse!“ (So erzählt von Leo, dem Sohn des genannten Bauern.)

Wo soll´s denn hingehen?

( -> Die Namen der hier Abgebildeten siehe am Schluß der Chronik auf Seite 113 )

Bild vergößernZelser (Birrascher?) Taxi Bild vergößernErnst Oster
hat scheint´s was vor!
Bild vergößernChic, chic! – die Rosa wartet aufs Postauto

Angetreten zur Herrenpartie

Bild vergößernIm Kirchweg: Rosa und Cilly mit eiligen Schritten auf dem Weg zur Kirche
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Sontagsnachmittagsausflüge

Bild vergößernof Käisatslay
Bild vergößernof da „Haad“
Bild vergößernof Pondelswies (in den ersten Kriegsjahren)
Kochans Fritz hat Heimaturlaub
Bild vergößernof Pondelsbank
Bild vergößernam Wasserfall – im Winter sah er besonders romantisch aus

„Berzeltshäisje“, gebaut von Zelser Jungen Mitte der 30er Jahre, war vor dem Krieg ein beliebter und oft besuchter Treffpunkt der Dorfjugend

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Bild vergößernSonntagsbergsteiger mit Klampfe (Gitarre) unterwegs auf Kaisertslay

Angetreten zum „Phototermin“

Bild vergößern Die „Zelser Kerle machen
Plän“
( = Faxen )
Bild vergößern Gruppenfoto an der
Zelser Kirmes (1938 ?)
– noch sind die jungen Männer
nicht im Krieg
Bild vergößern Fünf „staatse Zelser Kerle“

Berzelt

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Bevor „Berzelts Häisje“ von den jungen Männern des Dorfes (Kippasch Alex, Franze Ernst und anderen ) gleich neben dem Wasserhäuschen gebaut wurde, war dieses Wasserhäuschen selbst ein beliebtes Ziel sonntäglicher Spaziergänge der Zelser Jugend. (Hier erklettert man gerade den erhöhten Sitzplatz.)
Das Bild zeigt den damals (Anfang der 20er Jahre) noch dichten Berzelts Wald, der dann von Prof. P. Ketter gekauft und der Kirche in Petershausen gestiftet wurde. (vgl. Chronik 1947-50)
Ende der 30er Jahre gab es um das Wasserhäuschen und die Blockhütte herum nur noch wenige Bäume und lockeres Strauchwerk. In dieses Gebüsch wurde im Frühjahr 1945 (von Bulldogs) ein Flakgeschütz gezogen, das dann von amerikanischen Flugzeugen beschossen wurde. Mehrere Soldaten kamen dabei ums Leben und wurden dort begraben. Sie wurden einige Zeit nach Kriegsende nach Hause geholt.
„Berzelts Häuschen“ geriet bei dem Beschuss in Brand und wurde zerstört. –