Bäuerliche Arbeit im Laufe des Jahres

Ende November, nach der „Herbstfurche“, also wenn die Felder gepflügt bzw. eingesät waren, wurde „de Floar zogemach“.
Die vielen Felder, die durch Generationen von Erbteilungen z.T. winzig klein geworden waren, stießen an der „Anweld“ (dem gemeinsamen Grenzbereich) einfach aneinander und konnten nur über die Nachbarfelder erreicht werden. Um Flurschäden zu vermeiden, gab es daher (wie bei Wiesen und Weinbergen) feste Schließungs- und Öffnungstermine.

Im Winter ruhte die Arbeit auf den – damals noch! – tiefverschneiten und gefrorenen Feldern.
In Haus und Scheuer gab es aber immer zu tun – vor allem Arbeiten, für die im Sommer und Herbst keine Zeit gewesen war:
Werkzeuge wurden repariert oder neu hergestellt: Stiele und Griffe, „Manne“ (große Körbe) und Besen, Pflugschlitten und „Reff“ (Auffangvorrichtung an der Sense beim Getreidemähen) und anderes mehr.
Vor allem aber musste im Winter das eingebrachte Getreide auf der Tenne mit dem „Flegel“ gedroschen werden. Dreschmaschinen (erst mittels Göpel, dann mit Benzinmotor und schließlich elektrisch angetrieben) gab es im Dorf erst nach dem ersten Weltkrieg.
Erbsen wurden – da das ergiebiger war – noch lange von Hand gedroschen. So auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg, wo die Not viele alte Bräuche und Techniken am Leben erhielt bzw. wiederbelebte.
Flachs baute man spätestens in den 20er Jahren nicht mehr zum Verspinnen, sondern nur noch in kleinen Mengen zur Leinsamengewinnung an. (Er ließ sich nicht mit der Sense mähen und musste mit der Hand ausgerupft werden.)
„Lainsoome“, Leinsamen, war ein heilsames Zufutter bzw. Heilmittel bei bestimmten Viehkrankheiten. „Lainollisch“ benutzte man noch lange als Pflege- bzw. Farbzusatzmittel für Holzböden, Balken und Scheunentore. Fußböden, die – besonders vor Feiertagen – mit Leinöl behandelt waren, blieben noch viele Stunden klebrig und konnten nur über daraufgelegte alte Zeitungen betreten werden. Außerdem war diese Art der Bodenpflege nicht zu „überriechen“. Jemand erinnert sich: „Via da Kermes hat dat ganze Dorf no Lainollisch geroch.“
Für die Frauen war im Winter endlich Zeit für die liegengebliebenen Näh- und Flickarbeiten. Auch Säckeausbessern gehörte dazu. Außerdem wurde gestrickt, vor allem Strümpfe, und noch bis in die Nachkriegszeit Schafwolle gesponnen.
Spinnen und vor allem Stricken waren Arbeiten, zu denen sich Frauen an den dunklen Winternachmittagen und -abenden gern zusammensetzten.
Die Haustüren waren stets unverschlossen, und das „Strooßegie“ (das Über-die-Straße-Gehen zum Nachbarn) war jederzeit eine selbstverständliche und zwanglose, meist auch beim Nachbarn willkommene Angelegenheit.
Das strenge Gebot unserer Vorfahren, Licht zu sparen, war beim Stricken keine Einschränkung: Wenn man die Ofentür offen stehen ließ oder die Ringe von der Herdplatte nahm, gab das Herdfeuer einen ausreichenden Lichtschein in der Küche.
Nachdem um 1920 elektrisches Licht ins Dorf kam, dachten sich die Bauern manchen gescheiten Trick aus, um der „Stromverschwendung“ vorzubeugen. Nicht nur verwandte man selten Glühbirnen von mehr als 15 Watt, man brachte auch die Lichtschalter versteckt hinter der Türe an, so dass sie weniger leicht zugänglich waren und nicht „von jera anem agegrapscht“ (von jedem angefasst) und leichtfertig betätigt werden konnten.

Wenn die Tage wieder länger wurden, ging auch die gemütliche Zeit der Handarbeiten beim Herdfeuer zu Ende. Nach einem alten Spruch galt: „an Lichtmeß (2. Februar) – Spennrad vagess“.
Die Wald- und Feldarbeiten im zeitigen Frühjahr richteten sich nach der Witterung und dem Zustand des Bodens (Frost, Nässe etc.).
Wenn möglich wurde im Frühjahr „am Holz geschafft“ und Mist oder „Pull“ gefahren.
Arbeiten am Holz, Lohhecken schlagen, „Schanzen“ binden (Reiserbündel vor allem für den Backes), Brennholz heimholen und zerkleinern etc., und Arbeiten in den Wiesen: „Wisebotze“ und „Moldahääf fotmache“ (Wiesen und Maulwurfshügel glattmachen) und Hecken stutzen zogen sich neben den notwendigen Feldarbeiten durchs Frühjahr hin.
Im März wurde Hafer und Gerste gesät. Wintergerste gab es erst Ende der 50er Jahre und auch reine Weizenfelder wurden hierzulande erst spät eingeführt, da Weizen zu wenig robust war und auf unseren mageren Böden zu wenig Ertrag brachte, bevor es den Kunstdünger gab.
Mitte April wurden mit der“Ääsch“ (Egge) die im Herbst gepfügten Felder geglättet und – wenn „de Borrem net ze watzich (widerspenstig) woar“ – die Kartoffeln gesetzt.
Mit der „Well“ wurde vor allem das Haferfeld bearbeitet, damit man bei der Ernte das wertvolle Haferstroh dicht über der glattgewalzten Erde, also möglichst lang, abmähen konnte.
Ende Mai oder Anfang Juni setzte man die „Rommeleplanze“, die im Hausgarten vorgezogen worden waren, ins Feld.

Im Juli, nach der Bornhofenwallfahrt, wurde „et Haimache gestallt“, d.h. die Heuernte konnte beginnen (vgl. oben: November). Schon morgens um vier Uhr waren die Mäher auf den taufrischen Wiesen bei der Arbeit. Das Frühstück wurde später von den Helferinnen gebracht, die dann auch das gemähte Gras zum Trocknen auseinanderbreiteten.

Bild vergößern Zelser Fluren: Blick auf den „Acker“ „De Ähr“, die Getreideernte, fand meist erst nach der Kirmes im August statt.
Alle Familienmit- glieder mussten nach Kräften zu- packen. Vor allem, wenn das Wetter ungünstig war, waren Heu- und Getreideernte, de- ren Ertrag immer über ein gutes oder schlimmes Jahr entschied, die här- teste und hektisch- ste Zeit im Jahr.

Man rannte ins Feld, wenn Regen drohte, und stellte Kornkasten auseinander und wieder zusammen, um sie schneller trocken zu bekommen und vor Fäule und dem Auswachsen zu bewahren; und beim Einfahren wurde das Vieh vor den Erntewagen zu ungewohnter Eile angetrieben.

Im September wurde – wenn vorhanden – der Grummet gemäht, also das auf der Heuwiese inzwischen nachgewachsene Gras. Der „Groomet“ war ein im Winter besonders geschätztes, aber meist nicht besonders üppig wachsendes Futter.

Nach dem „Groometmache“ begann das „Krombiereousdo“, was mit dem Karst – später mit dem Pflug – meist wochenlang dauerte. Der „Kaffi“ auf dem Feld und das Kartoffelfeuer, in dem rohe Kartoffeln geröstet wurden, waren eine willkommene Unterbrechung, wenn man den ganzen Tag gebückt auf dem Feld stand, um mit dem Karst die Kartoffelstauden auszuhacken, sie abzuschütteln und die Knollen in Körbe zu raffen und dann in die Säcke zu füllen. Beim Aufraffen und Sortieren halfen auch die Kinder, die dafür im Herbst „Kartoffelferien“ bekamen.
Wenn das Wetter warm und trocken, der Boden mürbe und der Rücken noch nicht zu rheumatisch war, konnte das Kartoffelaustun aber auch Spaß machen.
Als letzte Feldfrucht wurden im Oktober die Rüben geerntet und heimgefahren.
Schon Wochen vorher war man „Rommele blarre gange“, d.h. man hatte die größten Blätter der Pflanzen abgedreht, zu Bürden gebunden und als Zufutter meist mit der Schubkarre nach Hause geholt. Vor der Rübenernte wurden auch die restlichen Blätter abgemacht und verfüttert. Sie waren schmackhaft, nahrhaft und milchtreibend, aber auch abführend. Gegen letzteres half sich das Vieh aber selbst, indem es besonders viel Stroh als „Beilage“ zu den saftigen Blättern verzehrte.

Das Jahr klang aus mit Pflügen und Korneinsäen. Mist wurde auf die Felder und Jauche mit den hölzernen „Pullfässern“ auf die Wiesen gefahren, und dann wurde für den Winter wieder „de Floar zogemach“.

Bild vergößern Zelser Fluren: Blick über den „Wirremhof“ auf das Dorf

Feldarbeiten im Zelser Floar

Frühjahrsbestellung

Bild vergößern Kippasch Otto sät ein (links)
und fährt das Holz heim, das bis
„Johannistag“ aus dem Wald geholt
werden musste. (unten)
Bild vergößern
Bild vergößern Kneips Erwin
und seine Mutter
beim

„Krombieresätze“

Et Haimache werd gestallt“
(vgl. Text oben)

Hanjupps beim Heumähen und auseinanderbreiten
( = „Spraare“)

(Die ersten Bulldogs gab es im Dorf seit etwa 1957)

Bild vergößern

Bild vergößern Bauersch beim „Zusammenmachen“
hinter den Häusern, wo seit
1964 der Aussiedlerhof steht
(Bild unten)
Das Heu mußte bei un- günstigem Wetter, bei drohendem Regen oder Nacht- tau mehrfach „gehäppt“(siehe Bild oben) oder „of Schloue“ gemacht und wieder ausein- andergebreitet werden, bevor es trocken genug war zum Einfahren. Bild vergößern

Getreideernte

„De Ähr“
bei Bauersch
(1944)
Bild vergößern
Bild vergößern und bei Hiestasch (1950) Bild vergößern
Vom abgemähten Korn nahm man eine Handvoll ab, knüpfte daraus ein Seil und band damit die Garben. Die wurden zusammengetragen und zu „Kasten“ (je neun Garben) aufgestellt. Ein „Haferkasten“ wurde mit wieteren drei Garben abgedeckt. Bild vergößern

Dreschen

Bild vergößern

Bild vergößern „Bäi Daume werd maschinnt“

Das Strohseil wird für den nächsten „Ärwel“ Stroh zurecht gemacht, der gerade aus der Maschine „abgerafft“ wird.
Der typische fragend hochgerichtete Blick vom Bauern im Himtergrund bedeutet wahrscheinlich: „Klappt mal wieder was nicht mit der Maschine da oben?“ (Bild oben)

Langs Fritz (mit aufgespießter Strohgarbe) hilft dem Bruder Eduard (Ketter) beim „Maschinne“.

Säcke auf den Speicher tragen war meist „Chefsache“ (hier von Daume Eduard)

„Erntehelfer“

Bild vergößern Die neuen Maschinen –
brachten große Erleichterung
und wurden auch für Nachbarn
oder Verwandte eingesetzt.

wie (links) der Mähbinder von H. Gräf (ca 1950)

und (rechts) der Mähdrescher
der „Kleine Lanz“
von A. Bauer
Bild vergößern
Bild vergößern
Sämaschine von Weins Edmund (E.Wendling im Hintergrund, im Vordergrund seine Tochter Hedwig und Heini Philipsen, „Schreinasch Heini“)

Kartoffeln und Rüben

Bild vergößern Auf dem umgelegten
Seitenteil saß man bequem bei der
Fahrt aufs Feld.
Geht´s zum „Rommele“
oder zum Kartoffelausmachen?
Auf jeden Fall ist eine
Kaffeepause vorgesehen.

bei Hanjupps (Bild oben)
wie auch bei Bauersch (rechts)
(September 1940)

Bild vergößern

„Rommeleblarre“

Bild vergößern Wenn der erste Klee verfüttert war,
wurden von den inzwischen herange-
wachsenen Runkelrüben die großen
unteren Blätter abgedreht, zu Bürden
gebunden und als saftiges Übergangs-
futter nach Hause gefahren.

Der Fuhrpark

Bild vergößern Die beiden Wagen, der Erntewagen mit Leitern und der Wagen mit den geschlossenen Seitenteilen (Huade) für Mist, Rüben, Säcke u.a.m. standen, wenn möglich, unter dem Nussbaum.

In der prallen Mittagssonne wurden die Holzräder sonst so ausgetrocknet, dass sich der „Eisenskranz“, der eiserne Reifen, lösen und die gefügten Räder auseinanderfallen konnten. War kein Schatten gegeben, hängte man als Behelf bei großer Hitze nasse Säcke über die Wagenräder.

Herbstabend

Bild vergößern Zu den letzten Arbeiten im Jahr gehörte das „Ploochfahre“.

Hier pflügt Kippasch Otto sein Feld in der stimmungsvollen Hunsrücker Abendlandschaft