DIE JAHRE 1946 – 1960

DIE JAHRE 1947 bis 1950

Große Trockenheit
Das Jahr 1947 zeichnete sich durch große Trockenheit aus. Die letzten Winter brachten nicht genügend Feuchtigkeit, so dass der Grundwasserspiegel immer mehr sank. Es folgte ein ziemlich trockenes Frühjahr, so dass die Wasserreserven bald verbraucht waren. Schon zeigte sich überall die Wasserarmut. Quellen versiegten, die wenigen Dorfbrunnen waren bald leer. Da unsere Wasserpumpe nur ungefähr 1/6 des Quellwassers ins Wasserhaus pumpte, gab es nur an einem Tag in der Woche Wasser. Für das Vieh fuhr man mit Jauchefässer Wasser aus dem „Pfingstbor“ herbei. Kochwasser wurde aus dem „Hahn“ getragen. Den ganzen Sommer hindurch bis in das Spätjahr hinein war es sehr heiß. Temperaturen von 33 Grad im Schatten wurden gemessen.
Die Heuernte fiel schlecht aus. Die Winterfrucht erbrachte noch einen einigermaßen Ertrag, nicht aber die Sommerfrucht. Ganz schlecht sah es mit den Hackfrüchten aus. In vielen Äckern wurden noch nicht einmal die Saatkartoffeln geerntet. Dazu waren alle Kartoffeln ganz dünn.
Genauso war es mit den Runkelrüben und dem Kohlgemüse. Pro Person gab es 1 Zentner Einkellerungskartoffeln. Für den Normalverbraucher war es eine besonders arme Zeit. Die Monatsration an Fett betrug pro Kopf 15 Gramm. Für Reichsmark war nichts mehr zu kaufen. Der Tausch blühte. Besonders aus der Pfalz kamen fast täglich Männer und Frauen vor allem mit Tabak, um ihn gegen Lebensmittel bei den Bauern einzutauschen.
Das Vieh wurde im Herbst täglich auf die Wiesen getrieben, wo es die paar dürre Hälmchen noch abgraste. Über Winter konnte es mit dem wenigen Futter gerade noch am Leben erhalten werden.

Neubau des Backhauses
Das alte Backhaus, das in den letzten Kriegstagen während der Beschießung des Dorfes baufällig geworden war – man hatte es gleich abgestützt, damit noch gebacken werden konnte – wurde im Jahre 1949 abgerissen und neu aufgebaut.
Am 25. 4. wurde in der Fronde mit den Vorarbeiten begonnen. Der Maurermeister Eckes und Hiester Ernst von hier hatten den Bau übernommen. Der neue Bau, der schnell vorangetrieben wurde, hat in seinem Innern einen Backraum mit zwei modernen Backöfen, ein Spritzenhaus, einen Baderaum, im Oberstock einen Gemeindesaal und zwei Zimmer. In der Kirmeswoche, am 17. Juli 1949, wurde zum ersten Mal in den neuen Öfen gebacken.
In demselben Jahre wurde eine Motorspritze mit neuen Schläuchen angeschafft. Auch der Ausbau des Baderaumes, der vier Badekabinen enthält, wurde sofort in Angriff genommen. Alt und Jung machten eifrig von dieser Brausegelegenheit Gebrauch.

Neue Pumpstation
Die Wasserversorgung während der letzten Jahre ließ sehr zu wünschen übrig. Trotzdem man die Rohrleitung von der Quelle aus erneuerte, die Pumpe überholen ließ, lieferte sie nicht genügend Wasser. Die alte Pumpe, die mit Wasser getrieben wurde, verbrauchte ca. 5/6 der gesamten Wassermenge als Kraft. Das eine Sechstel, das in das Wasserhaus gepumpt wurde, reichte bei weitem nicht für das Dorf aus. Jeden dritten Tag wurde die Leitung aufgedreht – in ein paar Stunden war das Wasser alle. Um diesem Übelstand abzuhelfen, beschloss die Gemeindevertretung, den Bau einer neuen Pumpstation in die Wege zu leiten. Die Maurerarbeiten wurden ausgeschrieben und dem Bauarchitekten Neef aus Treis übergeben. Am 2. 5. 1950 wurde mit den Vorarbeiten begonnen. Zwei Pumpen, Druckkessel und Entsäuerungsanlage wurden eingebaut und am 20.7.1950 konnte die Anlage in Betrieb genommen werden.

Tod des hochwürdigen Herrn Peter Ketter
Am 19. November 1950 traf von Treis aus die traurige Nachricht vom plötzlichen Tode Professor Dr. Ketter ein.
Der Verewigte war geboren am 16. März 1885 in Zilshausen, besuchte das Gymnasium und Konvikt in

Prüm, das Bischöfliche Priesterseminar in Trier und empfing dort am 12. August
1911 im Hohen Dome die heilige Priesterweihe aus der Hand des hochseligen Bischofs Michael Felix Korum, dem er später durch fünf Jahre hindurch als letzter Geheimsekretär dienen und im Tode beistehen sollte. Vorher hatte er nach kurzer Kaplantätigkeit in Koblenz, St. Josef, seine Studien an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, an der er im Jahre 1916 das theologische Doktorat erwarb, fortgesetzt. Bald nach dem Tode Bischofs Korum wurde er als Dozent der Neutestamentlichen Exegese an das Bischöfliche Priesterseminar in Trier berufen, diente aber gleichzeitig noch zwei Jahre dem Nachfolger im Bischofsamt, Erzbischof Dr. Franz Rudolf Bornewasser, als Geheimsekretär.
Am 1. April 1924 wurde er zum Professor ernannt.
Durch mehr als ein Vierteljahrhundert hat er mit heiligem und rastlosem Fleiß der hohen Aufgabe gelebt, die werdenden Priester des Bistums und darüber hinaus die ständig wachsende Gemeinde seiner segensreichen schriftstellerischen Tätigkeit als Bibelübersetzer und -erklärer in das Gotteswort des Neuen Testamentes einzuführen, und war überdies unermüdlich tätig im Beichtstuhl und in der Seelenleitung, namentlich in Schwestergemeinschaften.
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Trotz geschwächter Gesundheit gab er diese Tätigkeit nicht auf, als das Vertrauen des Bischofs ihm am 15. November 1943 das ehrenvolle Amt einen Canonicus Theologus im Kapitel der Hohen Domkirche zu Trier anvertraute. Mitten aus seiner rastlosen Tätigkeit ist er abberufen worden; noch am Vortage seines Todes hat er im Priesterseminar seine letzte exegetische Vorlesung über die Verkündung des Engels an Maria gehalten und abends bis 19.30 Uhr in der Hohen Domkirche Beichte gehört.

DAS JAHR 1951

Der Pfarrvikar Schmitt, der seit Januar 1941 als Seelsorger hier tätig war, verließ unsere Pfarrei am 25. Juli 1951. Die Verwaltung hat der Pfarrer von Sabershausen.
Am 1.10.1951 trat Lehrer Werner, der seit dem 1.7.1934 hier tätig war, die erste Lehrerstelle in Niederspay am Rhein an.

Am 6.12.1951 wurde Lehramtsanwärter Erich Boosfeld die Verwaltung der freien Schulstelle in Zilshausen übertragen.
Er übte dieses Amt vertretungsweise bei Ostern 1952 aus. Die Schulstelle Zilshausen wurde vom 1.10.1951 bis 6.12.1951 durch die Lehrer von Lieg, Herrn Schrader und Fräulein Neef geführt.

Am 15.12.1951 wurde Pater Hesser, der vor etwa einem halben Jahr, nach 44-jähriger Tätigkeit in China, in seine Heimat zurückkehrte, mit der Verwaltung der Pfarrstelle in Petershausen beauftragt. Pater Hesser ist seither in unserer Schule als Seelsorger tätig.

Die Opfer des Krieges
Zwischen 1939 und 1945 sind gefallen:

Name Geburtstag Todestag Todesort
1. Oster, Philipp 11.01.1910 08.01.1940 Venusberg, Bonn
2. Liesenfeld, Josef 05.03.1917 30.06.1941 Bialistok, Rußland
3. Schug, Hermann 29.09.1917 28.07.1941 Alexandrowka, Rußl.
4. Meinhard,Bernhard 16.02.1918 03.11.1941 Sjachowo, Rußland
5. Wendling, Alois 11.09.1922 11.02.1942 Rußland
6. Pies, Werner B. 12.09.1921 20.03.1942 Wien, Österreich
7. Nikolai, Herman 24.09.1918 28.04.1942 Kertsch, Rußland
8. Schug, Philipp 27.02.1920 22.07.1942 Stalino, Rußland
9. Oster, Ernst 30.04.1913 05.12.1942 Catania, Sizilien
10. Görgen, Wilhel 08.04.1917 14.10.1943 Rußland
11. Ketter, Adolf 14.03.1926 10.02.1944 Nettuno, Italien
12. Wendling, Vinzens 14.05.1925 12.02.1944 Rußland
13. Münch, Hermann 28.12.1922 03.08.1944 Rußland
14. Nikolai, Johann 05.08.1924 13.04.1945 Waldenburg
15. Pies, Johann 19.07.1902 16.04.1945 Zerbst
16. Oster, Hermann 06.03.1912 30.04.1945 Alt-Ruppin
17. Kaspers, Josef 01.01.1910 13.06.1945 Karaganda
18. Steffens, Karl 31.10.1917 27.08.1946 Zilshausen
19. Zilles, Fritz 02.04.1945 Okovo, Rußland

Im Krieg 1939 – 1945 vermisst sind:

1. Eckes, Richard 17.01.1913 Mai 1942 Rußland
2. Kipper, Alex 20.12.1911 Januar 1944 Stettin
3. Schug, Heribert 26.04.1926 Juli 1944 Rußland
4. Sabel, Ignatz 17.05.1925 Juli 1944 Frankreich
5. Weinem, Josef 03.03.1909 Januar 1945 Polen
6. Holzhauser, Philipp 27.02.1912 Januar 1945 Rußland
7. Henrichs, Paul 29.03.1921 Februar 1945 Ostdeutschland

Am 14.3.1945 sind durch Artilleriebeschuß im Gasthaus Brodam in Zilshausen ums Leben gekommen:

1. Olbermann, Maria 36 Jahre alt
2. Olbermann, Irmgard 13 Jahre alt
3. Olbermann, Klaus-Jürgen 9 Jahre alt
4. Brodam, Rosa 38 Jahre alt

Sieben Jahre nach Beendigung des Krieges , am 12.6.1952, befindet sich noch Görgen Werner, geb. 22.3.1914, in russischer Kriegsgefangenschaft . Gebe Gott ihm bald die Freiheit wieder.
An Kriegsfolgen starb in Zilshausen Ignatz Wendling.
Am 2.4.1945 fiel in Djokovo (Kloster) Rußland, Fritz Zilles von hier.

DAS JAHR 1952/53

Schulangelegenheiten
Mit Wirkung vom 16. Juni 1952 wurde Lehrer Herbert Kral als alleinstehender Lehrer an die Schule in Zilshausen berufen. Er ist am 31.10.1905 im Sudetengau geboren und zuletzt wohnhaft in Hof in Oberfranken.
Gleichzeitig wurde Herr Lehrer Boosfeld an die Schule in Moselkern versetzt.
Die Schülerzahl der hiesigen Schule betrug am 1. Juli 1952 im ganzen 40 Kinder, und zwar 21 Mädchen und 19 Knaben.
Am 14.5. wurde die hiesige Schule durch Herrn Schulrat Dr. Uhle einer Besichtigung unterzogen, in dem letzterer dem Unterricht von 8 Uhr bis 11.30 Uhr beiwohnte.
Das Schuljahr schloss am 27. März 1953, die Osterferien dauern bis zum 14. April.

Wetter und Feldfrüchte
Der Stand der Feldfrüchte und Gemüsekulturen ist gut, da sich das Frühlingswetter durch Feuchtigkeit auszeichnete; ebenso verspricht die Heuernte einen reichen Ertrag.
Seit dem 26. Juni herrscht in ganz Europa eine unvorstellbare Hitzewelle. Tag für Tag brennt die Sonne erbarmungslos auf Erde, Tier und Mensch, so dass tagsüber Arbeiten auf dem Felde unmöglich auszuführen sind. Am 5. Juli, eines der heißesten Tage, zeigte das Thermometer 38 Grad im Schatten. Auch der Schulunterricht leidet durch die beinahe tropischen Temperaturen, da bis zu 30 Grad Wärme im Klassenzimmer gemessen werden. Wassermangel, schlechter Stand der Klee- und Futterfrüchte, sowie Hitzschläge sind die Folgen. Bis jetzt hat sich allerdings die Wasserleitung in Zilshausen bewährt und liefert trotz Überbeanspruchung weiterhin das kostbare Nass.

So heiß und trocken sich der Sommer zeigte, so feucht und kühl wurde der Herbst. Als wollte er das einbringen, was der hitzige Sommer versäumt hatte, brachte die Zeit von Ende August bis Mitte November Niederschläge, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt worden
sind. Es verging kaum ein Tag, an dem es nicht regnete. Felder und Gärten, die schon bedenklich unter der Trockenheit gelitten hatten, erholten sich in wenigen Tagen. Auch die Kartoffeln, die heuer außerdem unter dem Befall des Kartoffelkäfers gelitten hatten, fingen im September neu an zu grünen, ja es zeigte sich der seltene Fall, dass im September die Kartoffelfelder in üppigster Blüte standen und der sogenannte „Zweiwachs“ die Folge war. Die Obst- und Getreideernte war recht gut, auch die Kartoffelfelder lieferten gute Erträge.

Schulangelegenheiten
Das Schuljahr 1953/54 begann am 14. April mit 23 Knaben und 22 Mädchen, also insgesamt 45 Schülern.
Mit Beginn der Sommerferien verließen unsere Schule 7 Kinder, die ihre Schulpflicht beendet hatten. In einer schlichten Feier wurden den Entlassschülern die Bedeutung neuen Lebensabschnittes in Erinnerung gerufen. Nach Verteilung der Entlassungszeugnisse wurden diese Kinder (2 Knaben und 5 Mädchen) aus dem Volksschulleben verabschiedet.

Glockenweihe
Unsere Pfarrkirche in Petershausen besteht nun 50 Jahre. Bei ihrer Einweihung im Jahre 1905 riefen drei Glocken die Gläubigen zu dem weihevollen Akt. Doch schon wenige Jahre später – im ersten Weltkrieg – mussten zwei Glocken abgeliefert werden.

Durch eine Stiftung des inzwischen verstorbenen Prof. Dr. Peter Ketter wurde das Geläute in den 20er Jahren wieder ergänzt, doch im Zweiten Weltkrieg gingen auch diese Glocken wieder verloren. Der Tatkraft und Einsatzfreudigkeit unseres hochwürdigen alten China-Missionars Pater Alois Hesser und der Opferfreudigkeit der beiden Seelsorgen Zilshausen und Lahr ist es zu verdanken, dass unsere Kirche wieder drei schöne, volltönende Glocken besitzt. Viele Monate musste gespart werden, mussten alle katholischen Familien Opfer bringen, um die Summe von 8000 DMark, die die beiden neuen Glocken samt Transport, Unkosten und Montage kosteten, aufzubringen. Bild vergößern

Am 19. Juli 1953 war es nun so weit. In der über und über mit Blumen und Girlanden geschmückten Kirche, unter reger Beteiligung der ganzen Pfarrei weihte Pater Hesser unter Assistenz von drei Nachbargeistlichen die aufgestühlten neuen Glocken auf die Namen:

Aloysus“ und „Magdalena„.

Es ist unser Wunsch, dass die neuen Glocken auf viele Jahrzehnte hinaus Künderinnen von Freud und Leid bleiben mögen.

Frostige Eisheilige
Ende April und anfangs Mai zeigte sich der Frühling in voller Pracht. Verlockt durch die warme Sonne und durch die milden Nächte, standen Sträucher und Bäume in voller Blüte. Doch da kamen die berüchtigten „Eismänner“ und mit ihnen scharfe Nordluft, ja sogar Schnee und Frost. Besonders in den Seitentälern von Mosel und Rhein wirkte sich dieser Wetterumschwung katastrophal aus. Die Nachttemperaturen bis zu -5 Grad vernichteten die Blütenbehänge der Weinstöcke bis zu 50 Prozent. Zum Glück brachte diese Wetterunbill unseren Höhengemeinden keinerlei Schäden. Gerade die Höhenlage bewirkte, dass im Hunsrück keine Frostschäden aufgetreten waren.

Ungünstiges Sommerwetter
Das überaus günstige Wetter des Sommers – feuchtwarme Nächte, Sonne und zahlreiche Gewitterregen – bewirkten, dass sich Getreide, Futter und Rüben und sämtliche Gemüsesorten prächtig entwickelten. Die heimatlichen Wälder lieferten einen wahren Segen von Pilzen aller Art, unzählige Himbeeren und Unmassen von Brombeeren. Auch an Haselnüssen und Bucheckern gab es eine Überfülle. Die zahllosen Obstbäume unserer Heimat konnten beinahe die Fülle der wunderbaren Äpfel und Zwetschgen nicht tragen. Zwar fürchteten die Bauern, dass die diese Riesenernten nicht verkaufen würden, doch war speziell auch nach Zwetschgen rege Nachfrage, für 1 Zentner wurden immerhin 6,50 DM erzielt.

Bundestagswahlen
Die Neuwahlen des zweiten deutschen Bundestages wurden am Sonntag den 6. September 1953 nach durchweg ruhigem Verlauf abgeschlossen. Sie hatten dem Inland und Ausland gezeigt, dass die Bevölkerung der Bundesrepublik mit überwältigender Mehrheit nicht nur hinter der Politik des Bundeskanzlers steht, sondern dass sie erneut hinter ihn trat mit einem Wahlergebnis, wie es noch nicht da war in der deutschen Parlamentsgeschichte:

Parteien Stimmen % Sitze
SPD 8 Millionen 28,2 155
FDP 2,6 Millionen 9,5 48
BHE 1,6 Millionen 5,9 27
DP 0,9 Millionen 3,3 15
KPD 0,6 Millionen 2,2
Sonstige 1,3 Millionen 5,1

Zerstörung und Wiederherstellung unserer Ortskapelle
Unsere Ortskapelle in Zilshausen hat eine bewegte Zeit hinter sich. Vor über 100 Jahren, anno 1847 wurde sie erbaut, und es fehlten nur drei Jahre an ihrem hundertjährigen Bestande, als das Schicksal des zweiten Weltkrieges auch ihr harte Wunden schlug – es war im März 1945.
Die Amerikaner standen in den Bergen der Eifel und beschossen mit Kanonen unser kleines Örtchen. Furchtbare Schäden an Gut und Leben wurden im Dorf angerichtet.
Auch unser Kapellchen wurde hart in Mitleidenschaft gezogen. Durch Volltreffer wurden Turm, Giebel und Dach zerstört. Herabfallende Trümmer zerbrachen und verwüsteten die Inneneinrichtung.
Durch 5 Jahre war es infolge Mangels an Baumaterialien unmöglich, an eine Wiederherstellung zu denken. Im Frühjahr 1945 wurde sie daher baupolizeilich geschlossen. Da die Gefahr bestand, dass der beschädigte Turm einstürzte, wurde dieser im Jahre 1950 gestützt. Seit seiner Amtsübernahme stellte es sich unser bewährter Ortsbürgermeister Scheuer als vornehmstes
Ziel, die beschädigte Kapelle von Grund auf wieder aufzurichten. Er scheute weder Zeit noch Mühe, diesen Plan zu verwirklichen, doch galt es vor allem, den Staat zu gewinnen, der uns durch eine angemessene Subvention helfen sollte. Hier war es Landtagsabgeordneter Platten aus Mörsdorf, der uns durch viele Vorsprachen und wohlbegründete Anträge zu dem Landeszuschuß verhalf.
Im Frühsommer begann ein fleißiges Arbeiten. Nach Abräumung des Schuttes wurden die beschädigten Mauern ausgebessert, die Inneneinrichtung renoviert und gemalt, die Fenster neu eingesetzt, die Bänke gestrichen – und schließlich wurden für die Gefallenen beider Kriege zwei Kriegerdenkmaltafeln errichtet. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass Herr Bauingenieur Paulus selbstlos mit Rat und Tat den Bauverantwortlichen zur Seite stand. Schließlich sei noch vermerkt, dass sich die Baukosten auf 15.000 DM beliefen.
Am Buß- und Bettag, den 18. November 1953, war nun der festliche Tag, an dem das wieder hergestellte Kirchlein in einem würdevollen Feierakte von unserem Pater Hesser eingeweiht
und der Gemeinde übergeben wurde. Möge sie noch vielen Geschlechtern zur Ehre Gottes erhalten bleiben!

Milder Winterbeginn und frostreiches Winterende – Rhein zugefroren
Das Wetter des Winters 1953/54 wird wohl lange unvergessen bleiben. Zu Beginn zeigte es sich äußerst gnädig und mild. Die tage im November waren außergewöhnlich mild mit viel Sonnenschein und warmer Meeresluft. Es kam die Weihnachtszeit heran ohne dass es einen einzigen Frost gegeben hätte, in den Gärten konnte man ohne Unterbrechung spätblühende Blumen schneiden, das Unkraut wucherte wie zur Sommerzeit, und auch die Zugvögel ließen sich Zeit; noch im Dezember konnte man allerorts vergnüglich flötende Stare beobachten. Die Herren Wetterfrösche, das heißt, diejenigen, die etwas von der Wettervorhersage verstehen wollen, schrieben viel und deuteten den milden Winter auf verschiedenste Art. Nur das eine wußte und ahnte von den gelehrten Herren niemand, dass sich der Winter nicht spotten ließe. Was niemand gehofft hatte, trat ein: Kurz nach Neujahr wurde es kalt, täglich sank die Temperatur um einige Grade tiefer, um am 31. Januar mit -20 Grad Celsius ihren tiefsten Stand zu erreichen. Dabei war der Erdboden vollkommen schneefrei, so dass der Frost ungehindert eindringen konnte. Zahllose Frostschäden an Wasserleitungsrohren waren die unausbleibliche Folge. Die lange Frostperiode brachte es auch mit sich, dass die Mosel und sogar der Rhein vollkommen zufroren. Ein seltenes Schauspiel das Neugierige aus nah und fern anlockte. Die Schiffahrt war lahmgelegt und die eisbepanzerten Flüsse konnten von Passanten, Radfahrern und sogar von Pferdefuhrwerken überquert werden. Zum Glück setzte ab 9. Februar allmähliches Tauwetter ein – ohne Niederschläge – so dass sich die bis zu 50 cm dicke Eisdecke ohne Stauungen und größeren Eingang ablöste.

Erholungsurlaub des Pater Hesser
Unser Seelsorger, Pater Alois Hesser, der sich in letzter Zeit krank fühlte, trat am 22. Februar einen mehrwöchigen Erholungsurlaub an. Als Stellvertreter fungierte Missionspriester Pater Kirsch aus dem Saargebiet.

Rückkehr von Werner Görgen aus russischer Kriegsgefangenschaft
Wie der Chronist bei der Aufstellung der Vermißtentafel bemerkte, befand sich der Zilshausener Bürger Werner Görgen noch immer in russischer Kriegsgefangenschaft. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Ende November 1953 daher die Nachricht im Dorfe, dass der Gefangene endlich in seine Heimat zurückkehre. Als seine Ankunft auf dem Bahnhof in Karden bekannt wurde, setzte man alles in Bewegung, um dem Eintreffenden einen würdigen Empfang zu bereiten. Mit Girlanden, frischem Grün, Blumen und Fahnen hatte man sein Elternhaus geschmückt. Als das Auto abends um 7 Uhr in den Ort einrollte, hatten sich nicht nur Lehrer und Schulkinder, Pfarrer und Bürgermeister versammelt, sondern auch fast sämtliche Ortseinwohner. Mit herzlichen Begrüßungsworten wurde der Rückkehrer Werner Görgen von Ortsbürgermeister Scheuer, Pater Hesser, einem Mädchen und von Amtsbürgermeister Häbler willkommen geheißen. Für den Willkommensgruß dankend, nahm dann Werner Görgen selbst das Wort und schilderte seine Erlebnisse auf der Heimreise aus dem bolschewistischem Russland. Nach dieser ergreifenden Feierstunde, die von eifrigen Reportern im Blitzlicht festgehalten wurde, begaben sich Werner Görgen und alle seine Freunde in die Ortskapelle, wo Gott durch Gebet und Lied gedankt wurde.

Weltlage
Die weltpolitische Lage sei hier kurz vermerkt:
Der Krieg in Korea ist beendet, dortselbst Waffenstillstand. Auch das Ringen in Indochina wurde durch einen Waffenstillstand abgelöst. Deutschland nach wie vor in zwei Hälfte geteilt, alle Bemühungen zu einem Friedensvertrag zu kommen, scheiterten bisher. Großes Tauziehen der beiden Weltmächte USA und Russland um die Vorherrschaft in Europa. Beide Großstaaten wetteifern, die größten und alles Leben vernichtenden Atombomben herzustellen. Deutschland (Westzone) soll wieder Waffen und Soldaten bekommen. Rheinland-Pfalz ist das Waffenarsenal und der Luftstützpunkt Amerikas. Es besitzt bereits sieben große und mit den modernsten Düsenjägern ausgestattete Flugplätze.

DAS JAHR 1954/55

Schulangelegenheiten
Das neue Schuljahr brachte neun Schulneulinge, so dass beim Schulbeginn am 27. April 46 Schüler gezählt wurden, und zwar sind es 27 Knaben und 19 Mädchen.
Der Lehrer von Lahr – Valentin Skrzipek -, der 1945 auch kurze Zeit an der Zilshausener Schule unterrichtete, wurde auf eigenes Ansuchen nach Vettelhoven bei Remagen versetzt. Da in Rheinland-Pfalz Lehrermangel herrscht, konnte vorläufig keine Ersatzkraft nach Lahr geschickt werden. Wiederum mussten die Lieger Lehrkräfte (Herr Schrader und Fräulein Neef) bis Ostern 1954 halbtagsweise übernehmen. Erst mit Schulbeginn am 27.4.1954 bekam Lahr als neue Lehrkraft den Lehreranwärter Willi Goedert aus St. Goar.

Wetterbericht
Das Wetter im Frühjahr 1954 war ziemlich unfreundlich und kühl, besonders der Mai zeigte sich gar nicht als Wonnemonat, sondern brachte eisige Winde und kalte Nächte in Menge. Der Juni zeigte sich dagegen hitzig und brachte bis zu 30 Grad im Schatten, die Niederschläge und Gewitterregen fehlten. Die Folge war, dass sich Pflaumen , Gräser, Klee und Feldfrüchte nur langsam entwickelten. Alles hoffte auf einen Ausgleich im Juni; doch auch dieser Sommermonat versagte vollkommen. Zwar gab es jetzt Niederschläge in großer Menge, doch war es dabei kühl und windig wie im Oktober.
Eine Katastrophe größten Ausmaßes gab es in Bayern; und zwar im Donaugebiet. Dort regnete es 60 Stunden hindurch wolkenbruchartig. Die Donau führte eine Hochwasserwelle, die weite Strecken unter Wasser setzte. Ganze Dörfer wurden überflutet, ganz besonders wurde die Stadt Passau betroffen, wo Hunderte Menschen Hab und Gut in den Fluten verloren. Auch auf dem flachen Lande Bayerns richtete die Hochwasserflut ungeheure Schäden an Vieh und Ernte an. Unsere Heimat blieb zum größten Glück verschont. Wenn auch verspätet, so konnten unsere Bauern zu Augustbeginn mit der Ernte beginnen. Doch verzögerte sich die Einbringung sehr, da immer wieder einsetzende Regenschauer die Arbeit unterbrachen.

Der Tod des Schülers Willi Meurer
Einem tragischen Schicksal fiel der Schüler des 3. Schuljahres, der elfjährige Willi Meurer, zum Opfer. Bei Feldarbeiten hatte er sich mit der Sense unterhalb des Knies geschnitten und wurde am nächsten Tage vom Arzt verbunden. Etwa 10 Tage danach stellten sich starke Rückenschmerzen ein, die mit krampfartigen Anfällen verbunden waren. Der Junge wurde zwar sofort ins Krankenhaus gebracht, doch erwies sich jede menschliche Kunst als vergeblich. Nach dreitägigem schwersten Leiden verschied er an Wundstarrkrampf (Tetanus). Am 5. August 1954 fand die Beerdigung statt, an der sich sämtliche Schüler, geführt von ihrem Lehrer, beteiligten.

Pensionierung des Schulrates Dr. Uhle
Herr Schulrat Dr. Hans Uhle, der die Schulaufsicht des Kreises seit 1945 führte, trat infolge der Erreichung der Altersgrenze ab 1. November 1954 in den Ruhestand. Zu diesem Anlaß versammelten sich am 28.10. in der Aula des Cochemer Gymnasiums aller Erzieher und verabschiedeten sich von ihrem beliebten Vorgesetzten, dem zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. Gleichzeitig wurde der Lehrerschaft der Nachfolger vorgestellt. Es ist dies Herr Rektor Goedert zu Cochem.

Hochwasser an Rhein und Mosel
Wie der Chronist schon berichtete, zeichnete sich das Jahr 1954 durch eine außergewöhnliche Feuchtigkeit und Niederschlagstätigkeit aus. Auch der Herbst und der Winter machten keine Ausnahme. Kurz nach Neujahr traten die Flüsse Rhein, Mosel und Saar über ihre Ufer und richteten großen Schaden an. So waren die Orte Zell und Cochem beinahe von der Außenwelt abgeschnitten, der Pegelstand wurde mit 9,60 m abgelesen und war der höchste seit 1947.
Mitte Februar begann es erst richtig Winter zu werden. Während im Dezember, Januar und bis zur Hälfte des Februar überhaupt kein Schnee fiel, Felder und Wiesen grün blieben, deckte jetzt der Winter alles in eine dicke weiße Schneehülle. Ohne Unterbrechung herrschte er so bis 21. März, dem Tag des Frühlingsbeginns.
Eine Grippewelle die fast ganz Mitteleuropa heimsuchte, traf auch unser Dorf. Da über 50 Prozent der Schulkinder erkrankt waren, musste vom 21.3. bis 23. März der Unterricht ausfallen.

Unser Priester und Seelsorger, Pater Alois Hesser, der schon lange Zeit an Herzanfällen leidet und zuletzt an Gürtelrose schwer erkrankte, musste sich in Krankenhausbehandlung begeben. Als Stellvertreter amtiert Chinapater Philipp Kaltenthaler.
Wie vor zwei Jahren, so wurden auch heuer Kinder aus der Diaspora, und zwar von Groß-Munzel aufgenommen. Fünf Kinder wurden so untergebracht, dass drei in Lahr und zwei in Petershausen wohnen. Letztere besuchen auch die hiesige Schule.

Flurbereinigung
Wie in vielen anderen Orten, so beschloss auch die Gemeinde Zilshausen, sich an der Flurbereinigung zu beteiligen. Dazu sei erklärt: „Flurbereinigung“ bedeutet Ausgleich der Anteile am Grundbesitz.
Im Herbst 1954 begannen Beamte des Cochemer Katasteramtes mit einigen Hilfskräften alle Grundstücke neu zu vermessen, eine langwierige und heikle Arbeit, die erst in zwei Jahren beendet sein soll. Anschließend werden Felder, Äcker und Wiesen neu zugeteilt, und zwar in der Weise, dass die vielen winzigen Äckerchen und Eckchen verschwinden und dafür zwar weniger aber größere und mit Maschinen leichter zu bearbeitende Grundstücke entstehen.

DAS JAHR 1955/56

Schulangelegenheiten
Das neue Schuljahr begann am 19. April 1955 und brachte auch heuer wiederum 9 Schulneulinge, so dass 48 Schüler und zwar 29 Knaben und 19 Mädchen gezählt wurden.

Renovierung des Gemeindehauses
Das in der Ortsmitte gelegene Backhaus, das auch gleichzeitig den Gemeindesaal (bisher vermietet) und den Raum für die Feuerspritze enthält, wurde mit einem neuen Anputz versehen, so dass es sich schmuck in die Front der übrigen Häuser einfügt.

Wahlen
Herr Ortsbürgermeister Scheuer, der schon eine Reihe von Jahren die Geschäfte des Vorstehers zur vollsten Zufriedenheit versieht, fühlte sich veranlasst, wegen beruflicher Arbeitsüberlastung sein Amt niederzulegen. Bei der stattgefundenen Neuwahl legten sämtliche Gemeinderatsmitglieder ihre Stimme einmütig wiederum Herrn Scheuer zu, so dass dieser, überwältigt von diesem Treuebekenntnis, die Wiederwahl annahm.

Am 15. Mai fand in Rheinland-Pfalz die Wahl des neuen Landtages statt, die auch diesmal der CDU-Regierung wiederum eine absolute Mehrheit erbrachte.

Unsere Gemeinde brachte folgende Stimmverteilung:

Wahlberechtigte: 445
Abgegebene Stimmen 212
Ungültige Stimmen 24
Gültige Stimmen 188

Davon entfielen auf:

CDU 171
SPD 2
FDP 3
BHE 10

Neuer Hilfspriester
Wie bereits im Vorjahr berichtet, kam zur Hilfsleistung unseres erkrankten Priesters Pater Kaltemthaler hierher. Leider war dessen Stellvertretung nur von kurzer Dauer, da auch er plötzlich erkrankte und nach einem Schlagfuß mit Lähmungserscheinungen der linken Hand ins Krankenhaus eingewiesen werden musste. Als neuer Hilfspriester traf der schon im Jahre 1953 auf kurze Zeit hier wirkende Missionspriester Pater Michael Kirsch, geb. 4.6.1896, hier ein.

Firmung
Nach fünfjähriger Pause wurde heuer am 21. Mai in der Pfarrkirche zu Petershausen durch Weihbischof Dr. Stein das Heilige Sakrament der Firmung an 40 Firmlinge aus Zilshausen und Lahr erteilt. In der abschließenden Besprechung zwischen Lehrkörper und dem Bischof drückte Letzterer seine Zufriedenheit über das Wissen der Kinder in Bibel- und Katechismusstoff aus. Er versprach den Lehrern auch, dass nun durch Pater Kirsch der Katechismusunterricht wieder regelmäßig erteilt werde, da durch die Erkrankung und Gebrechlichkeit Pater Hessers dieser lange Zeit schon ausgefallen war.

Schulausflug
Der heutige Schulausflug führte uns mit einem Autobus der Firma Ostermann nach Treis-Karden. Von dort in die Eifel über Hambuch – Kaisersesch – Laubach nach Ulmen. Dort und bei Daun wurden die seltsamen Maare besichtigt, unterwegs eine Limonadenerzeugung und
eine Glockengießerei in Augenschein genommen – und über Bad Bertrich und Cochem wieder die Heimfahrt angetreten.

Pater Kirsch als Pfarrvikar
Da unser alter Chinapater Hesser infolge seiner schweren Erkrankung (Gürtelrose, Herzschwäche, Wassersucht) seinen Dienst nicht mehr versehen kann, wurde Pater Kirsch durch das bischöfliche Konvikt endgültig mit der Verwaltung der Pfarrstelle in Petershausen betraut.

Schulentlassungsfeier
Die Sommerferien begannen am 24. Juli; der letzte Unterrichtstag war der 23.7. An diesem Tage erfolgte die Entlassung des 8. Schuljahres. Schon in der Frühmesse wurde vom Priester in feierlicher Weise und gesungenem Amte, verbunden mit Ansprachen an die Kinder und Eltern, dieses Tages gedacht. In der darauf folgenden Entlassungsfeier der Schule versammelten sich alle Schulkinder schön gekleidet im geschmückten Klassenzimmer. Die Entlassschüler wurden zu ihren mit Blumen geschmückten Plätzen geleitet und ein großer Teil der um sie versammelten Mitschüler sagten ihren scheidenden Kameraden Sprüche und Gedichte auf und überreichten ihnen Blumensträuße. Hierauf richtete der Klassenlehrer in einer Ansprache ermunternde und mahnende Abschiedsworte. Mit dem überreichen der Entlassungszeugnisse endete die schöne und ergreifende Feier.

Nach dem Austritt der vier Entlassschüler ist also der Schülerstand folgender:

Knaben 25
Mädchen 18

insgesamt 43

Später und harter Winter
Bis spät nach Weihnachten zeigte sich der Winter gnädig. Weder Frost noch Schnee gab es, und wiederum feierten wir grüne Weihnachten. Die Wetterfrösche sagten schon vielfach, dass die klimatischen Verhältnisse sich verschoben hätten und wir nur noch milde Winter erwarten könnten. Doch der Winter ließ seiner nicht spotten. Ende Januar setzte er sich mit Macht ein, brachte Frost, Eis und Schnee in Hülle und Fülle. Nicht nur im Hunsrück und Eifel, auch in den Flusstälern lag vier Wochen eine geschlossene Schneedecke. Der Frost wurde immer grimmiger, das Thermometer sank bei uns bis auf -23 Grad. Rhein, Mosel und alle anderen Flüsse waren beinahe in ihrer ganzen Länge zugefroren. Tiere und Vögel litten ungeheure Not und waren auf die Hilfe der Menschen angewiesen. Erst in den letzten Tagen des Februars setzte Tauwetter ein und brachte Eis und Schnee rasch zum Schmelzen. Gottlob trafen die Befürchtungen nicht ein, dass Hochwasser und Eisgang große Schäden anrichteten. Zwar stiegen die hochgeschwollenen Flüsse mehrfach über die Ufer, und auch die starke Eisdecke zerbarst mit großem Getöse, doch verlief diese Gefahr in ruhigen Bahnen, ohne größere Schäden zu verursachen.

DAS JAHR 1956/57

Schulangelegenheiten
Das neue Schuljahr begann am 10.4.56 und brachte auch heuer wieder 9 Schulneulinge. Der Abgang von 3 Kindern in die weiterführende Schule abgerechnet, ergibt also einen Schülerstand von 49.

Regelung des Organistendienstes
Seit Sommer des Jahres 1952 führte aushilfsweise den Kirchenchor und den Orgeldienst der Organist aus Korweiler Herr Kneip. Die Wochentagsmessen und Sonn- und Feiertagsmessen spielte ehrenamtlich der Lehrer aus Zilshausen Herr Kral. Mit dem Fortzug des Herrn Kneip
wurde nun die Frage offen, wer den Organistendienst übernehmen soll, da die Mitglieder des Lahrer Kirchenvorstandes sich für ihren Lehrer Goedert einsetzen. In einer Versammlung des Kirchenvorstandes, zu der auch die beiden Lehrer eingeladen waren, wurde die Frage nun so gelöst, dass die beiden Lehrer im Orgeldienst abwechseln, während Herr Kral die Leitung des Kirchenchores übernimmt.

Sommerwetter
Auch das heurige Sommerwetter reihte sich mit seinen vielen Niederschlägen und trübkalten Tagen würdig an seine Vorgänger an. Schon die Heuernte war total verregnet, aber auch die Getreideernte litt sehr unter dem Einfluss der Witterung. Wochenlang dauerte es, bis die letzten
Garben abgeerntet waren. Zum Ernteertrag kann aber gesagt werden, dass dieser sehr gut und auch reichlich war.

Renovierung des Schulhofes
Unser Schulhof, der gleichzeitig auch als Pausen- und Turnplatz benutzt wird, war bisher in einem recht vernachlässigten Zustand. Teils durch die letzten Kriegseinflüsse – ein Geschoss war hier krepiert – teils durch Abnutzung und Wintereinflüsse war die Asphaltdecke aufgerissen, Brocken, Steine und Schutt lagen überall verstreut. Dies bedeutete eine ständige Gefahr für die Jugend, denn immer wieder kam es vor, dass Kinder stürzten und sich Verletzungen zuzogen. Auf wiederholte schriftliche und mündliche Anträge des Schulleiters wurde nun im heurigen Sommer durch die Gemeinde die Ausbesserungsarbeit endlich durchgeführt. Beauftragt wurde die Straßenbaufirma Schnorpfeil aus Mörsdorf, die den Schulhof neu schotterte und mit einer neuen Asphaltdecke versah. Der Kostenaufwand belief sich auf annähernd 2600 DM.

Neue Handarbeitslehrerin
Frl. Neef aus Lieg, die bisher den weiblichen Handwerksunterricht erteilte, wurde nach Klotten versetzt. Die an ihre Stelle eingesetzte Lehrerin Frl. Stollwerk erteilt den Handwerksunterricht auch an unserer Schule.

Gemeinderatswahl
Am 11.11.56 fanden im Schulsaal die Wahlen des Gemeinderats statt. Da die Wähler keinen Wahlvorschlag eingereicht hatten, musste nach dem Mehrheitswahlsystem vorgegangen werden, was nachher bei der Auszählung eine große Mehrbelastung bedeutet.

In den Gemeinderat gewählt wurden:

Otto Kipper 82 Stimmen
Ernst Hiester 79 Stimmen
Eduard Ketter 73 Stimmen
Peter Kävenheim 62 Stimmen
Max Mies 62 Stimmen
Hermann Hesser 55 Stimmen

Wahl des Bürgermeisters
Am 3. Dezember fanden sich die oben genannten neu gewählten Ratsmitglieder zur Wiederwahl des Ortsbürgermeisters in der Schule ein. Amtsbürgermeister Häbler aus Treis und ein ihn begleitender Amtssekretär leiteten den Wahlvorgang. Nachdem sich alle Neugewählten durch Handschlag verpflichtetet hatten, wurde zur Wahlhandlung geschritten. Jeder der sieben Gemeinderäte erhielt einen leeren Stimmzettel und schrieb darauf den Namen des zu Wählenden. Herr Häbler sammelte die Stimmzettel ein und verlas das Ergebnis.
Es lautete:

Bernhard Scheuer 4
Eduard Ketter 1
Otto Kipper 1
Hermann Liesenfeld 1

Es erschien als Herr Scheuer mit Mehrheit gewählt, doch zur allgemeinen Überraschung nahm dieser nicht an, so dass der Amtsbürgermeister zu einem späteren Termin eine Neuwahl festzusetzen versprach. Bevor es aber zu dieser Neuwahl kam, hat Herr Scheuer nach reifer Überlegung das Amt des Ortsbürgermeisters doch wieder angenommen, das er nun schon das 9. Jahr versieht.

Milde Winter – späte Fröste
Der Winter von 1956 auf 1957 war außerordentlich mild, denn es gab außer einigen Schneetagen im Dezember sonst kaum Frost und Schnee. Im Februar und März war es vielfach so warm, dass man daranging, die Hausgärten zu bestellen. Doch brachte der Mai auch heuer wieder späte Fröste, die empfindlichen Schaden verursachten.

DAS JAHR 1957/58

Schulangelegenheiten
Das neue Schuljahr begann am 30. April 1957 und brachte acht Schulneulinge, drei Jungen wurden entlassen, somit ergibt sich folgender Schülerstand:

Jungen 27
Mädchen 23

insgesamt 50

Schädliche Maifröste
Wie der Chronist im Vorblatt bemerkte, war das Vorfrühlingswetter äußerst mild. Leider sind die befürchteten Kälterückfälle nicht ausgeblieben. Mitte Mai, als die Strauch- und Obstblüte schon längst vorüber war, setzten an einigen Tagen empfindliche Nachtfröste ein, die zu starken Schäden an den jungentwickelten Früchten der Obstbäume (besonders Nüsse) führten. Zwetschgen, Pflaumen und Apfelbäume werden keinen Ertrag haben, Birnen und Kirschen sind spärlich. An den Beerensträuchern wirkte sich der Frost verheerend aus. Nach den Frösten lagen die jungen Früchten von Stachel- und Johannisbeere wie besät am Boden; es gibt als heuer davon keinen Ertrag.

Flurbereinigung
Die Aufteilung und Zusammenlegung der Gemarkungen ist nun soweit gediehen, dass die Vermessungen hierzu beendet wurden. Ein Plan, am Gemeindehaus ausgehängt, gab der Bevölkerung den neuesten Stand kund.

Schulausflug
Unser heuriger Schulausflug wurde gemeinsam mit der Oberstufe der Schule Lahr durchgeführt. Er brachte uns nach Köln, wo wir den Dom, den Zoo und die Gartenausstellung besichtigten.

50-jähriges Priesterjubiläum von Pater Hesser
Unser ehemaliger Geistlicher, Pater Hesser, der zur Zeit in einem Priesterheim in Ernst wohnt, beging in unserer Pfarrkirche sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Dieser Tag wurde von der Bevölkerung und der Pfarrgemeinde in festlicher Weise begangen, dem Jubilar wurden zahlreiche Ehrungen zuteil.

Älteste Einwohnerin 90 Jahre alt
Unsere Dorfälteste, die im März ihr 90. Lebensjahr erreichte, fand von allen Seiten der Bevölkerung zahlreiche Glückwünsche. Ein Schülerchor brachte der Witwe Maria Dobiasch ein Geburtstagsständchen dar.

Renovierung der Kirche in Petershausen
Unsere Kirche in Petershausen zeigte schon seit Jahren am Mauerwerk breite Risse, die sich ständig vergrößerten und besonders im Inneren einen hässlichen Anblick boten. Da schließlich auch Gefahr bestand, dass sich eines Tages schlimmere Schäden einstellten, oder gar Einsturzgefahr heraufbeschworen wurde, fasste der Kirchenvorstand unter der Leitung unseres rührigen Geistlichen Pater Kirsch den Beschluss, an eine gründliche Ausbesserung zu schreiten. Eine Fachkommission untersuchte die Ursachen der Risse und stellte folgendes fest:
Der großen Belastung durch das Dach ist das Mauerwerk nicht gewachsen, der Dachdruck ist so stark, dass er die Mauern zerpresst. Als Abhilfe empfahlen die Fachleute, die Mauern rings unterhalb des Daches durch in die Mauern eingebaute Eisenträger zu verstärken. Freilich konnte nicht sofort an die Arbeit geschritten werden, da erst an die Deckung der enorm hohen Summe von zirka 30.000 DM gedacht werden musste. Zuerst appellierte Pater Hesser an den Opferwillen der beiden Orte Zilshausen und Lahr und rief zu einer Opfersammlung auf, da nur aufgrund einer schon vorhandenen Summe Baukostenzuschüsse von Staat und Diozöse erteilt werden. Die Sammlung hatte unerwarteten Erfolg und brachte einschließlich Getreidespenden 11.000 DM ein. Da nun die staatlichen und kirchlichen Behörden die Restsumme zuschossen, konnte die Renovierungsarbeit beginnen, die von Anfang Mai bis 25. Juli währte. Da es in dieser Zeit unmöglich war, Messen abzuhalten und da in beiden Orten sowohl schmucke Ortskapellen vorhanden sind, und weiter in den Dörfern sowohl Lehrer Kral in Zilshausen als auch Lehrer Goedert in Lahr Organisten sind, und da schließlich auch zwei Priester vorhanden waren, (Lahr = Gastpater Werdier aus Brasilien) konnten die Bewohner aus beiden Orten in diesen Monaten werktags und auch sonntags ungestört ihren Gottesdienst halten.

Wiedereinzug in die renovierte Kirche
Zum Kirchweihfest am 28. Juli war es nun endlich so weit, dass die renovierte Kirche wieder ihr Pforten öffnete. Man bewunderte nicht nur, dass die hässlichen Risse alle verschwunden waren, man sah auch mit Staunen den hellen freundlichen Innenanstrich, bemerkte die neuen helleren Lampen und freute sich ganz besonders über den neuen elektrischen Liederanzeiger. Vom Organisten beim Orgeltisch aus bedient, erscheinen in einer über dem Marienaltar angebrachten Mattglasscheibe die beleuchteten Nummern des zu singenden Liedes – eine sehr begrüßenswerte moderne Neuanschaffung. Das vierstimmige gesungene Segenshochamt unter den Klängen der ebenfalls gründlich überholten Orgel gab uns allen die festliche Gewissheit, dass unsere Kirche wieder schöner und schmucker als je ist; möge Gott seine Segenshand noch lange über sie halten!

Sommerwetter
Der heurige Sommer zeigte sich im Gegensatz zum vorjährigen von der besten Seite. Im Juli war es durchwegs sonnig und sehr heiß. Einige Regentage kurz vor der Ernte brachten ergiebige Niederschläge für Rüben, Kartoffeln, Futter und Gärten. Anfang August setzte wieder sommerliches Schönwetter ein, so dass die Ernte, die sehr gut ausgefallen war, trocken unter Dach und Fach kam.

Wahl zum Bundestag
Am 15. September 1957 fand in allen Orten der Bundesrepublik die Wahl zum neuen Bundestag statt. Die Wahlvorbereitung und der Wahlkampf verliefen ruhig; auch bei der Abgabe der Stimme ereigneten sich kaum nennenswerte Zwischenfälle. Um die Gunst der Wähler hatten sich insgesamt 13 Parteien beworben, doch es war niemand mehr ein Geheimnis, dass der Machtkampf nur zwischen den beiden großen Parteien, der CDU und der SPD, ausgetragen wurde. Erstere, die seit Bestehen der Bundesrepublik mit Konrad Adenauer als Kanzler die Regierung stellte und durch ihre kluge Außenpolitik und geschickte Finanzpolitik das Ansehen der Bundesrepublik nicht nur so gehoben hatte, dass wir heute zu den wirtschaftlichen stärksten Ländern Europas zählen, die CDU also, hatte alle Trümpfe in der Hand, um die Wählermassen neuerlich für sich zu gewinnen. Die SPD dagegen hatte außer ihrer seit Jahren währenden unfruchtbaren Opposition und Kritik nichts Brauchbares und die Wähler Fesselndes zu bringen.
Es war unausbleiblich, dass die CDU den Wahlsieg, und zwar diesmal mit der absoluten Mehrheit davontrug.

Die endgültigen Ergebnisse der Bundestagswahl waren:

Wahlberechtigte: 35226212
Wähler 31072894
Wahlbeteiligung 88,2 %

Von den abgegebenen Stimmen entfielen auf:

1. CDU 39,7 %
2. SPD 31,8 %
3. CSU 10,5 %
4. FDP 7,7 %
5. BHE 4,6 %
6. DP 3,4 %
7. Splitterparteien 2,4 %

Nach der konstituierenden Versammlung des Bundestages wurde Konrad Adenauer wiederum zum Bundeskanzler gewählt.

DAS JAHR 1958/59

Schulereignisse
Das neue Schuljahr begann am 15. April 58. Da sechs Schüler neu eingeschult wurden, ergibt sich folgende Schülerzahl:

Knaben 28
Mädchen 23

insgesamt 51

Frühlingswetter
Der heurige Frühling war für die Vegetation außerordentlich günstig. Im Mai gab es sehr reichliche Niederschläge, dazu brachten die Eisheiligen heuer ausnahmsweise keine Fröste. Deshalb haben sich nicht nur das Futter, Klee und Getreide günstig entwickelt, auch die Beeren- und Obsternte versprechen reichliche Erträge.

Neue Handarbeitslehrerin
Lehrerin Stollenwerck aus Sieg, die an der hiesigen Schule den Handwerksunterricht erteilte, wurde nach Koblenz versetzt. An ihre Stelle wurde Fräulein Helga Hilgen berufen.

Kanalisierung
Die Gemeinde Zilshausen ließ durch die Baufirma Schnorpfeil aus Mörsdorf die Kanalisierung des Ortes durchführen. Alle Abwässer der Häuser werden durch einen unter der Hauptstraße liegenden Kanal erfasst und durch diesen über die Wiesen in eine Kläranlage geleitet, von wo sie in den Dünnbach abfließen. Wie man hört soll die ganze Anlage an die 270.000 DM gekostet haben.

Gemeindewaschanstalt
Schon lange Zeit hatten die Hausfrauen den berechtigten Wunsch, dass auch etwas getan werden müsste, um ihre Arbeit zu erleichtern. Vor allem strebten sie danach, eine öffentliche Waschanstalt zu bekommen. Mit Recht wandten sie ein, dass sich der Mann für beinahe alle Arbeiten Maschinen und elektrische Geräte anschafft, um sich die landwirtschaftlichen Arbeiten zu erleichtern, währen die vielgeplagte Bäuerin sich Woche für Woche in mühseliger Handarbeit mit der Wäsche plagen und rackern musste. Diesen immer lauter werdenden Wunsch konnte sich im Zeitalter der Mechanisierung unsere Gemeindevertretung nicht verschließen, und nach dem gefassten Beschluss wurde an die Verwirklichung der Erstellung einer Gemeinschaftswaschanlage gestritten. Der Raum hierfür wurde durch Einziehung einer Mauer im Backhaus gewonnen, die Maurer- und Schreinerarbeiten durch einheimische Kräfte verrichtet. Das Verlegen der Kanalisation besorgte Schmiedemeister Ohlberger aus Sabershausen, und die Einrichtung des elektrischen Stromes und das Anbringen der Zähler erledigte die AEG Cochem. Nachdem auch die Frage eines staatlichen Zuschusses zufriedenstellend geklärt war, konnte jetzt an die Anschaffung der Maschinen gedacht werden. Nach sorgfältiger Beratung und Prüfung der zahlreichen Angebote wurde beschlossen, zwei Vollautomaten der Firma „Zanker“ zu wählen, und zwar eine Maschine für acht Kilogramm und die andere mit sechs Kilogramm Fassungsraum an Trockenwäsche. Der Anschaffungspreis einschließlich Montagekosten betrug 5200 DM.
Am 31. März war es nun soweit , dass die Anstalt zur öffentlichen Benutzung freigegeben wurde. Die Frauen waren begeistert über die Arbeitsweise dieser hochmodernen Maschinen. Die Trockenwäsche wird eingefüllt, das Waschpulver zugeschüttet – und ohne jeglichen Handgriff arbeiten die Automaten in etwa einer Stunde auch die schmutzigste Wäsche blütenweiß sauber.
Seit diesem Tage stehen die Maschinen an keinem Wochentag still und alle Hausfrauen freuen sich über die großartige Arbeitserleichterung. Auch die Gemeinde kann zufrieden sein, denn durch die starke Benutzung finanzieren sich die Maschinen von selbst – und wie eine Durchrechnung zeigt, sind sie in etwa zwei bis zweieinhalb Jahren restlos bezahlt.

Schulausflug
Der Schulausflug am 3. Juli führte Schüler und Lehrer der Schulen Zilshausen und Lahr mittels Omnibus zuerst nach St. Goar am Rhein. Nach Besichtigung der Burg Rheinfels wurde eine Schiffspartie bis Kaub unternommen, dann mit dem Bus bis Rüdesheim gefahren und das Niederwalddenkmal besichtigt. Anschließend erfolgte über Stromberg, Simmern, Kastellaun die Heimfahrt.

Jugendsportfest
Die alljährlich auszuführenden Jugendsportfeste aller Schulen wurden ab 1958 zentralisiert, so dass alle Schulen des Amtsbezirks nach Treis kamen, um sich dort mit den Schülern von 10 – 14 Jahren in den drei Disziplinen Weitsprung, Lauf und Ballweitwurf zu messen. Alle Schüler über 45 Punkte erhielten eine Siegerurkunde – Schüler mit 55 Punkten erhielten die Ehrenurkunde des Bundespräsidenten. Bester Turner unserer Schule war der Schüler im vierten Schuljahr Hermann Schug mit 50 Punkten.

Feuersbrunst in der Sargfabrik
In der Nacht des 22. Mai wurden die Einwohner unseres Ortes durch die Feuerglocke jäh aus dem

Schlaf gerissen. Die Sargfabrik des Hermann Hesser stand in Flammen! Die Ursache des verheerenden Brandes, der das Unternehmen bis auf die Mauern vernichtete, konnte nicht ermittelt werden, auch kam jede Hilfe zu spät. Bei diesem Feuer zeigte sich sehr deutlich, dass die Ortsfeuerwehr einerseits und die Wasserversorgung andererseits keinesfalls ausreichend ist. Es fehlt bei der Feuerwehr an der nötigen Zusammenarbeit – so z.B. war niemand da, der die Alarmierung besorgte. Es dauerte eine sehr lange Zeit, bis die Spritze überhaupt in Gang kam – und als diese endlich soweit war, fiel das Wasser gänzlich aus, da durch Stromausfall die Wasserpumpe nicht mehr tätig war. Bild vergößern

Man musste müßig zusehen, wie der Brand, der an den gespaltenen Hölzern, Spänen und Farben reiche Nahrung fand, die Fabrik einäscherte. Es war ein Glück, dass die Fabrik abseits stand, sonst wäre eine Katastrophe unvermeidlich gewesen.

Günstige Ernte
Da das Wetter den Sommer über und auch im Frühherbst sehr günstig war, gab es an Getreide, Hackfrüchten und Obst eine sehr reiche Ernte. Ebenso meldete man aus den Weinanbaugebieten eine Rekordernte.

Schulschluß
Das Schuljahr schloss am 20. März, fünf Kinder wurden entlassen. Zwei Knaben aus dem 5. Schuljahr sind zum Besuche der Realschule in Kastellaun abgemeldet, so dass noch 44 Kinder verbleiben. An Schulneulingen wurden fünf Kinder aufgenommen.
Also ergibt sich ein Schülerbestand von 49 Kindern.

DAS JAHR 1959/60

Im neuen Schuljahr, das am 8. April begann, gab es fünf Neueinschulungen, so dass sich folgende Schülerzahl ergibt:

Knaben 28
Mädchen 22

insgesamt 50

Sitzung über Einrichtung einer zweiten Schulstelle
Da die Schülerzahl an unserer Schule ständig wächst und in den nächsten Jahren weit über 51 liegen wird, hat das Schulamt den Gemeinderat aufgefordert, in einer Stellungnahme über eine Teilung der Klasse zu beschließen. Zu diesem Zwecke fanden sich am 10. April die Mitglieder des Gemeinderates und Schulausschusses zu einer Sitzung im Schulsaal zusammen. Zuerst ergriff Lehrer Kral das Wort und legte den derzeitigen Stand und den zu erwartenden Schülerstand der nächsten Jahre dar. In seinen weiteren Ausführungen machte er den erzieherischen Wert einer Klassenteilung klar und bat die Mitglieder der Gemeindevertretung bei ihrer Beschlussfassung doch stets das Wohl der Kinder zu berücksichtigen. In seiner Antwort gab Ortsbürgermeister Scheuer die Bedenken der Amtsverwaltung Treis gegen eine Teilung; er meinte, dass die Schülerzahl durch Abwanderung an die Realschule sinken würde, dass der Gemeinde vermeidbare Kosten durch Einrichtung eines zweiten Klassenraumes erwachsen würden und dass die Gemeinde nicht in der Lage sei, der zweiten Lehrkraft eine Wohnung zu stellen. Der Beschluss dieser Sitzung lautete also:
Die Gemeindevertretung ist für eine Teilung der Klasse, aber nur dann, wenn sie keine Kosten zu tragen hätte; die zweite Lehrkraft müsste einstweilig im Gemeindesaal untergebracht werden.

Sportfest
Das Jugendsportfest fand auch heuer auf dem Sportplatz in Treis statt. Wie im Vorjahre versammelten sich dort alle Schulen der Amtsverwaltung, um mit den Jungen von 10 bis 14 Jahren am Dreikampf teilzunehmen. Die Veranstaltung litt unter der großen Hitze (36 Grad im Schatten) und man war froh, dass die Wettkämpfe gegen 13 Uhr beendet waren.

Plan zu einer Erweiterung der Schule
Wie der Leser aus der Schüleraufstellung sicher schon entnommen haben wird, steigt die Kinderzahl von Jahr zu Jahr. Im heurigen Jahr sind 50 Kinder, das nächste Jahr bringt schon 57, zu Ostern 1961 sind es voraussichtlich 59 Kinder, die die Schule besuchen.

Da in einklassigen Schulen die Messzahl bei 51 Kinder liegt, besteht bei uns günstige Voraussetzung zur Einrichtung einer zweiten Schulstelle. Das Schreiben des Kreisschulamtes war der Grund, warum wiederum Gemeinderat und Schulausschuss in einer Sitzung am 21. 12. dazu Stellung nehmen mussten. Der Verlauf der Debatte nahm diesmal ganz andere, günstigere Formen. Während man in der vorjährigen Sitzung die Auffassung der Amtsverwaltung in Treis deutlich vertrat, und zwar nur keine unnützen Kosten zu verursachen, keinerlei Neubauten, und wenn schon Teilung, dann Unterbringung im Gemeindesaal, unter der Bedingung, dass die Schulbehörde die Einrichtung stellt, waren alle Anwesenden diesmal einmütig der Auffassung, dass etwas Entscheidendes geschehen muss, da eine Teilung unbedingt erforderlich ist. Es wurden verschiedene Pläne diskutiert:

1. Unterbringung der zweiten Klasse im Gemeindesaal.
Dieser Plan wurde fallengelassen, da er undurchführbar ist.
2. Vorschlag des Herrn Pater Kirsch, eine neue Schule für die Orte Lahr
und Zilshausen in Petershäuserhof zu erstellen.
Auch dieser Plan verfiel der Ablehnung, da die Zilshausener Vertreter
dagegen stimmten.
3. Aufstockung des Schulsaals und so Gewinnung einer zweiten Klasse.
4. Neubau einer zweiklassigen Schule einschließlich Lehrerdienstwohnung.

Nachdem auch schon eine Kommission der Regierung das Bauprojekt begutachtet hatte und bekannt wurde, dass nur der Plan als Anbau einer zweiten Klasse mit Unterkellerung in Betracht käme, hoffte die Gemeinde, dass noch in diesem Schuljahr die Umbaulichkeiten vor sich gehen würden. Leider müssen die Umbaupläne noch für einige Zeit zurückgestellt werden, da die Gemeinde keinerlei Barmittel zur Verfügung hat und auch amtlicherseits keine weiteren Schritte unternommen wurden. Wie verlautet, müsse sich die Schulgemeinde eher dem Plane einer Verbandsschule Zilshausen-Lahr in Petershäuserhof vertraut machen.