Die Jahre 1933 – 1945

DAS JAHR 1933

Schulangelegenheiten
Ein Erlass kommt auf den anderen. Es gilt, den Ereignissen in Deutschland auch in der Schule Rechnung zu tragen. Wenn auch nie marxistischer Geist in meiner Schule Eingang gefunden hatte, so wurde doch durch Verfügung der früheren Regierung manches gelehrt, was dem Nationalgefühl eines großen Teiles des Volkes fremd war, wie. z. B. Völkerbund, Völkerversöhnung um jeden Preis, Weimarer Verfassung etc. Auch waren dem Erzieher Schranken in den Erziehungsmitteln gesetzt. Rechtlos war der Beamte.
Die Schülerzahl betrug Ostern 65. Aus diesem Grunde wurde eine zweite Klasse eingerichtet. Am 1. Mai übernahm der Hilfslehrer Wald aus Stromberg die Grundschule. Der Unterricht wurde so eingeteilt, dass einer am Vormittag und der andere am Nachmittag die Klasse unterrichtet. Lehrer Schneiders erteilt 30 Stunden und Lehrer Wald 21 Stunden Unterricht.
Am 30. Mai wird die Jugend aufgerufen zum Beitritt in das Hitlerjungvolk. Die Schuljungen treten fast restlos bei, während die Schulentlassenen fernstehen bleiben. Die Führung hat einstweilen der Lehrer.
Ein neuer Unterrichtszweig soll in den Unterricht aufgenommen werden. Er betitelt sich: Rassenkunde, Rassenpflege und Erblehre. Vornehmlich wird er mit der Erdkunde und dem Naturkundeunterricht verbunden.

Ortsangelegenheiten
Der 30. Januar 1933 wird einen Markstein in der deutschen Geschichte bilden. Hitler, der Führer der nationalsozialistischen Bewegung wird zum Kanzler der deutschen Regierung berufen. Vereinzelt grüßt man sich im Orte mit “Heil Hitler”.
Das Reichstagsgebäude wird in Brand gesteckt von einem Kommunisten.
Neuwahlen sind ausgeschrieben für den 5. März. Das Wahlergebnis zeigt auch in unserem Orte ein anderes Bild als gewöhnlich. Tags vorher war eine Wahlversammlung der NSDAP. 72 Stimmen kann diese Partei in unserem Orte für sich verbuchen. Andern Tages tragen die öffentlichen Gebäude die neuen Fahnen: das Hakenkreuzbanner und die schwarz- weißrote Flagge.
Auch die Schule hat neue Fahnen. Aufrufe der nationalen Regierung werden im Schulsaal angeschlagen. Ein neuer Geist, der Geist Friedrich des Großen, steht wieder auf.

Am 21. März tritt der neue Reichstag zusammen. Wieder schmücken die Fahnen die Häuser.

1. Mai 1933
Am Maiabend sammelten sich die Dorfjugend und zahlreiche Erwachsene, und draußen vor dem Orte flammte ein Maifeuer auf. Der Lehrer sprach über die Bedeutung dieses Feuers. Anschließend wurde das Lied der Deutschen und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Anderen Tages pflanzten Mitglieder der NSDAP mehrere Eichen am Backhaus. Eine erhielt den Namen “Hitlereiche”. Es soll ein Dank an den Führer sein, dass er das Volk vom kommunistischen und marxistischen Geiste befreit hat.
Am Abend hat die Bevölkerung Gelegenheit, die Reden des Führers am Radio zu hören.

Am 8. Mai wird der Stützpunkt Zilshausen ins Leben gerufen. Es melden sich 8 Mann zur S.A. und 6 zur NSDAP-Partei an. Zum Stützpunktleiter wird Alois Brodam ernannt.
Am 26. Mai findet im Orte eine Feier zu Ehren des Nationalhelden “Schlageter” statt. Eine Eiche am Backhaus erhielt seinen Namen. Die Schule beteiligt sich geschlossen an der Feier und umrahmt sie durch einen Sprechchor, mehrere Gedichte und Lieder. Der Lehrer hält die Weihrede.
Am 30. September wird hier erstmalig das Erntedankfest gefeiert. Ein stattlicher Zug aus allen Schichten und Lebensaltern bewegt sich durch den Ort. Erntewagen und Erntegeräte werden mitgeführt. Mit Kränze, Ähren und Blumen geschmückt geht auch die Jugend mit.
Am 9. November war eine erhebende Gedenkfeier für die am 9.11.1923 an der Feldherrnhalle gefallenen Helden. Fast der ganze Ort beteiligte sich daran.
Am 12. November war Reichstagswahl, verbunden mit Volksentscheid. 95 Prozent stimmten hier für Hitler. 98 Prozent waren zur Urne getreten. Leider hatten auch zwei Mann mit “Nein” gestimmt. Sie waren anscheinend mit der Regierung Hitler nicht zufrieden, oder haben aus Unverstand so entschieden.

Im Winter fanden zwei deutsche Abende statt. Der erste betitelte sich “Der Soldat”. Der zweite Abend: “Unsere toten Helden”. Die Regie und die Einübung der Stoffe hatte der Lehrer Schneiders übernommen. Er ist Propagandawart und Schulungsleiter im Stützpunkt Zilshausen.

DAS JAHR 1934

Schulangelegenheiten
Am 1. April sank die Kinderzahl auf 61. Kurz darauf verzogen zwei weitere Kinder. Am 1. Juni wurde die Hilfslehrerstelle aufgehoben. Lehrer Wald wurde nach Clotten an der Mosel versetzt.
Ab 1. Juni besteht wieder einklassige Schule.
Da die Dienstwohnung sehr feucht ist und auch zu klein für den jetzigen Inhaber, so wurde zum 1. Juli Lehrer Schneiders nach Zell an die Mosel versetzt.
“Möge mein Nachfolger Zilshausen auch zur zweiten Heimat werden, wie dieser Ort es mir gewesen ist.”

Heil Hitler!

Zilshausen, den 30 Juni 1934 - Schneiders, Lehrer -

Am 1. Juli 1934 wurde mir, Josef Werner, die Verwaltung der durch die Versetzung von Herrn Lehrer Schneiders freigewordene Schulstelle übertragen. Die Schülerzahl betrug 59.

Gemäß Ministerialerlass vom 30.7.1934, in dem der Samstag zum Staatsjugendtag erklärt wird, wurden für die Oberstufe 28 Wochenstunden auf die Tage Montag bis Freitag verteilt. 7 Jungvolkbuben über 10 Jahre treten samstags zum Dienst bei dem Jungvolkführer an. Die nichtorganisierten Kinder werden in einem staatspolitischen Kursus mit dem nationalsozialistischen Gedankengut vertraut gemacht.
Am Donnerstag den 2. August 1934, genau 20 Jahre nach Ausbruch des furchtbaren Weltkrieges, starb unser hochverehrter Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Die ganze Welt trauerte mit Deutschland um den Verlust dieses großen Mannes. Wer denkt nicht, wenn er den Namen Hindenburg hört, an Tannenberg, diese gewaltige Schlacht, wodurch der Osten während der Dauer des Weltkrieges von den Russen befreit wurde. Von nun an war der Weltkrieg unzertrennlich verbunden mit dem Namen dieses Mannes. Über neun Jahre (26.3.25 – 2.10.34) hat er als Reichspräsident das Schiff des deutschen Vaterlandes über alle Klippen hinweggesteuert und hat noch die Wiederauferstehung der deutschen Nation im Zeichen des Hakenkreuzes miterleben können. Am Dienstag den 7. August wurde er im Hindenburgdom des Tannenbergdenkmals beigesetzt. Die Schule veranstaltete eine Trauerfeier, bei der wir am Radio den Beisetzungsfeierlichkeiten beiwohnten.
Zum 1.11.1934 wurde ich endgültig an der hiesigen Schule angestellt. Die Dienstwohnung ist in einem derartigen Zustande, dass sie für unbewohnbar erklärt und der Lehrer in einer Privatwohnung wohnen muss.

Ortsangelegenheiten
Am 15.6.1934 wurde Zilshausen der Ortsgruppe Lieg zugeteilt. Alois Brodam aus Zilshausen wurde zum Ortsgruppenleiter ernannt.
Am 23. Juni fand im Börzelt die Sonnenwendfeier statt. Die Schuljugend umrahmte die Feier mit Gedichten, Sprechchören und Reigen.
Wie im ganzen Reich, so wurde auch im hiesigen Dorfe am 23.12.34 eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Im Rahmen dieser Feier wurden von den Schulkindern Gedichte vorgetragen und mehrere dreistimmige Lieder zu Gehör gebracht. Wie leuchteten die Augen der Kleinen, als am Schluss der Veranstaltung der Weihnachtsmann jedem Kinde eine Tüte mit Weihnachtsgebäck überreichen ließ.

DAS JAHR 1935

Schulangelegenheiten
Die Schulkinderzahl sinkt weiter. Ostern wurden 13 Kinder entlassen und 1 Kind aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt 47.

Schulneu- bzw. Umbau
Schon seit zwei Jahren beabsichtigte die Gemeinde, bauliche Veränderungen an dem Schulhaus vorzunehmen. Vor allem sollte die Lehrerdienstwohnung, die durch und durch feucht und daher unbewohnbar ist, instand gesetzt werden. Da sich die Regierung bereit erklärte, einen
Bauzuschuß zu gewähren, wurde ein Plan ausgearbeitet, einen neuen Schulsaal an die Ostseite des alten Hauses anzubauen, und das alte Schulhaus zu einer Dienstwohnung umzubauen. Bereits 1931 waren die Arbeiten dem Bauunternehmer Wolf aus Mörsdorf übergeben worden.
In kurzsichtiger Weise wurde dann seitens der Gemeinde der Bau nochmals hinausgeschoben. Ganz verwahrlost sieht das Gebäude, vor allem aber der kleine Schulhof aus. Keine Verbesserungen wurden mehr vorgenommen. Da die Dienstwohnung von dem Lehrer nicht mehr bewohnt werden kann, will denn die Gemeinde, wenn die Regierung einen Zuschuss gewährt, jetzt den Bau durchführen. Der Antrag wird gestellt, und der Herr Regierungspräsident stellt der Gemeinde zu den Gesamtbaukosten, die sich nach dem Plan auf 17.900 Reichsmark (RM) belaufen, einen festen Betrag von 13.500 RM zur Verfügung. Da der Herr Oberförster einen Extrahieb bewilligt, ist auch der Anteil der Gemeinde sichergestellt. Die Arbeiten werden erneut ausgeschrieben und dem Maurermeister Christian Eckes von hier übergeben. Ende September
1935 wurde dann mit dem Bau begonnen. Vor Einsetzen des Frostes wurde der Neubau im Rohbau fertiggestellt.

Ortsangelegenheiten
Das deutsche Saarland kehrt heim zum Mutterland.
Der 13. Januar rückt heran. Die ganze Welt ist gespannt auf das Abstimmungsergebnis. Für uns Deutsche gab es keine Zweifel, wir wussten, dass das deutsche Blut in den treuen Saarländern sprechen würde. Wie groß war der Jubel, als über 90 Prozent für Deutschland stimmten! So sollte denn auch für die arme Saarbevölkerung, die 15 Jahr das Joch der Fremdherrschaft trugen, eine glücklichere Zeit beginnen. Am 1. März fand die Rückgliederung statt. Die Freude und der Jubel kannte keine Grenzen. Und als nun zu den Feierlichkeiten unerwartet auch der Führer in Saarbrücken erschien und zum ersten Male im Saarland vor den Saarländern stand, da brach ein Sturm der Begeisterung lost!
Wir alle erlebten diese Feierstunde am Radio und waren im Geiste unter den glücklichen Menschen.

DAS JAHR 1936

Im Frühjahr wurden die Bauarbeiten am Schulhaus wieder aufgenommen. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, zogen wir zum ersten Mal in den neuen Schulsaal ein.
Nun wurde mit dem Um- und Ausbau des alten Schulhauses begonnen. Am 20. Juli des Jahres konnte der Lehrer in die neue Dienstwohnung einziehen. Dieselbe besteht aus 5 Zimmern, Küche und Bad.
Am 18. Juli wurde die neue Wandtafel, 4 m lang, fünfseitig beschreibbar, angeschafft. Am 20. August ging ein schwerer Hagelschlag über dem Haferflur nieder, so dass die Körner bis zu zwei Drittel ausgeschlagen wurden.

DAS JAHR 1937

Schulangelegenheiten
Ostern 1937 wurden 6 Kinder entlassen und 6 Kinder aufgenommen. Die Zahl der Schulkinder beträgt 49, davon sind 18 Knaben und 31 Mädchen.
Am 15. Oktober kamen die bestellten 25 Stück zweisitzige Schulbänke an. Die alten Bänke waren fast 100 Jahre alt, sie standen schon in der alten Schule auf dem Backhaus. Die neuen Bänke wurden von der Schulmöbelfabrik in Neuwied geliefert und kosteten 601 RM.

Ortsangelegenheiten
Am 3. Februar feierten die Eheleute Pies Jakob das Fest der goldenen Hochzeit. Da schon jahrzehntelang keine goldene Hochzeit in unserem Orte mehr gefeiert werden konnte, nahm die ganze Bevölkerung Anteil. Die Straßen waren geschmückt, die Häuser waren beflaggt. Abends ging ein Fackelzug durch die Straßen.

DAS JAHR 1938

Schulangelegenheiten
Zum ersten Male wurde in diesem Sommer die ländliche Berufsschule gehalten (50 Stunden). Die Schüler brauchen fortan die ländliche Berufsschule nur mehr zwei Jahre zu besuchen. In der Sommerzeit sollen vor allem Flurbegehungen stattfinden und anschließend in der Klasse die Auswertung erfolgen. Während der arbeitsreichen Zeit sind Ferien.
Neun Knaben und Mädchen wurden zu Ostern aus der Schule entlassen und sieben Kinder treten den ersten Schulweg an. Die Schulkinderzahl fällt also weiter.

Ortsangelegenheiten
Der Kartoffelkäfersuchdienst wird eifrig durchgeführt, um so den gefährlichen Feind unserer Kartoffeln schon gleich beim Auftreten vernichten zu können. Ende Juli wurden in einem Felde des Landwirtes Edmund Wendling Larven und auch Käfer gefunden.
Sämtliche Kartoffelfelder wurden in der Fronde gespritzt und so dem Auftreten des Käfers vorgebeugt.

DAS JAHR 1939

Schulangelegenheiten
9 Kinder, 3 Knaben und 6 Mädchen, wurden zu Ostern entlassen. 4 Kinder wurden aufgenommen, so dass die Schulkinderzahl weiter fällt. Die Schule zählt noch 42 Kinder.
Da Herr Lehrer Piesik, Lahr zur Wehrmacht einberufen wurde, musst die Vertretung von Lehrer Werner übernommen werden. Am 1.11. wurde Herr Piesik wieder entlassen, so dass von jetzt ab wieder der reguläre Unterricht stattfinden konnte.

Ortsangelegenheiten
Dunkle Wolken zogen vom Osten her – die Kriegserklärung Polens. Alle Friedensvorschläge des Führers wurden ausgeschlagen. Mit Ernst, aber Entschlossenheit sieht die Bevölkerung der Zukunft entgegen. Nach den geschichtlichen Ereignissen des Polenfeldzuges kam auch wieder der Nationalstolz. Das ganze Dorf bemühte sich, der Einquartierung (Ostmärkern) den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Für unsere Jugend waren die Soldaten alles. Mit welch einer Begeisterung sahen sie die dem Einrücken der Truppe entgegen!
Geschlossene Truppenverbände hatten sie keine gesehen. Ihr Abrücken wurde bedauert. Auch zwischen Bevölkerung und Soldaten hatte sich ein schönes Verhältnis entwickelt.

DAS JAHR 1940

Schulangelegenheiten
Ostern 1940 wurden 6 Neulinge aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt 39.
Da die Militärbehörde den Schulsaal mit Truppen belegte, konnte acht Tage lang kein Unterricht abgehalten werden.

Ortsangelegenheiten
Der Winter 1939/40 zeichnete sich durch große Kälte aus. Die älteren Leute können sich kaum eines ähnlichen Winters erinnern. Mancher Obstbaum ist erfroren.
Um den Mangel an Arbeitskräften einigermaßen abzuhelfen, wurden auch nach hier Kriegsgefangene (Polen) gebracht. Sie wurden hauptsächlich bei solchen Leuten beschäftigt, die am meisten durch Einziehung ihrer Arbeitskräfte belastet sind. Mit Beginn des Westfeldzuges überflogen des öfteren feindliche Flugzeuge unser Gebiet. Da man jedoch nicht mit Bombenabwürfen rechnete, stand keiner nachts auf. Im Juni wurde die Bevölkerung durch mehrere heftige Explosionen jäh aus dem Schlaf gerissen. Im “Pieper” warfen Flugzeuge 6 schwere Sprengbomben und in Richtung Sabershausen ca. 35 leichte Bomben.
Von nun ab muss man den Mahnungen und Belehrungen des RLB (Reichsluftschutzbundes) mehr Bedeutung zu. Es folgten 14 unruhige Nächte, in denen auf mehrere Orte der Umgebung Bomben geworfen wurden, die aber zum Glück alle ihr Ziel verfehlten.
Der sechswöchige Feldzug im Westen brachte den größten Sieg der deutschen Geschichte. Frankreich, der größte und stärkste Militärstaat auf dem Kontinent, wurde mit Belgien und Holland und England vollständig geschlagen. Die als uneinnehmbar geltende Maginot-Linie wurde von den deutschen Truppen überrannt. Nachdem Dänemark und Norwegen schon vorher besetzt worden waren, standen jetzt deutsche Truppen vom Nordkap bis zur spanischen Grenze. Auch viele Zilshausener Jungen haben diesen Feldzug mitgemacht. Von Blutopfern blieb unsere Gemeinde verschont.

Der Krieg geht weiter. Ein abermaliger Appell des Führers wurde abgelehnt. Der Krieg wurde hauptsächlich durch die Luftwaffe und die Kriegsmarine gegen England geführt. Die englische Kriegsindustrie wurde heftig bombardiert, unzählige Handelsschiffe wurden von deutschen U-Booten versenkt. Die Engländer unternahmen nur wenig Gegenangriffe.
Das Jahr 1940 brachte unserer Gemeinde eine traurige Nachricht: Der Soldat Philipp Oster, Schreinermeister, erlitt am 26.12.1939 einen Unglücksfall, an dessen Folgen er am 7. Januar 1940 starb.
Es war das erste Blutopfer, das von unserer Gemeinde gefordert wurde.

DAS JAHR 1941

Schulangelegenheiten
Die Schulkinder sammeln eifrig Altmaterial: Schrott, Lumpen, Altpapier. Tee und Heilkräuter wurden während des ganzen Sommers außerhalb der Unterrichtszeit ebenfalls gesammelt.
Der Aufnahmetermin wurde in Angleichung an Süddeutschland und die Ostmark auf den Herbst verlegt. 5 Kinder wurden am 28.8. aufgenommen.

Ortsangelegenheiten
Das Jahr 1941 brachte neue Ereignisse für unser Vaterland, die sich auch in unserer Gemeinde bemerkbar machten. Der Afrika- und Balkanfeldzug führten zu neuen großen Siegen unserer Wehrmacht. Neue Einberufungen erfolgten, so dass Lücken in den Familien entstanden. Arbeitskräfte wurden immer weniger. Unsere Frauen aber treten an die Arbeitsplätze ihrer Männer. Die Feldarbeit wird weiter im Sinne der Erzeugungsschlacht verrichtet, die Ernte wird gesichert.

Der 22. Juni brachte den Krieg gegen den Bolschewismus. Früh genug hatte der Führer die Gefahr erkannt und ist den Russen zuvorgekommen. In einer Reihe von großen Vernichtungsschlachten wurden die Russen schwer besiegt und zurückgedrängt.
Die vom Führer aufgerufene Wollsammlung hatte auch in unserer Gemeinde einen großen Erfolg. Unermüdlich sammelten die Männer der Partei und die Jugend. In Überstunden brachten die Mädchen der Strickerei Gebr. Hiester es fertig, aus alten Stricksachen neue zu stricken, alte wurden auch ausgebessert. So hat die Gemeinde ihr Teil dazu beigetragen, unseren Soldaten in Russland die Unbilden des strengen russischen Winters 1941/42 etwas zu mildern.
Auch in unserer Gemeinde opferten tapfere Soldaten ihr Leben:

Im Jahre 1941 fielen für Führer, Volk und Vaterland

Josef Liesenfeld (30. Juni)
Hermann Schug (28. Juli)
Bernhard Meinhard ( 3. November)

Ihr Tod sei uns Verpflichtung!

DAS JAHR 1942

Lehrer Werner musste ab 20.5. die Vertretung des zur Wehrmacht eingerückten Lehrer Zimmermann in Mörsdorf übernehmen.

Es starben den Heldentod:

1. Werner Pies (20. März)
2. Hermann Nikolai (28. April)

Die letzten Kriegswochen in Zilshausen

Infolge der geglückten Invasion der Alliierten an der Westküste Frankreichs entstand im Westen wiederum eine neue Front. Das brachte erneut Truppenkonzentrierungen mit sich, so dass auch die hiesige Gegend wieder Einquartierungen erhielt. Die feindliche Fliegertätigkeit nahm stetig zu. Die Flak-Einheiten wurden überall verstärkt. Neun Wochen lang lag hier eine schwere Flakbatterie, die ihre Geschützstellungen im “Pieper” hatte. Zwischen den Soldaten und der einheimischen Bevölkerung herrschte ein besonders gutes Verhältnis.
Im Laufe des Winters wechselten die Einquartierungen häufig. Auf unseren Straßen war äusserst reger Verkehr an Militärfahrzeugen. Die Front rückte immer näher.

Aus Trier und Umgebung kamen im Dezember die ersten Evakuierten an. Ihre Zahl stieg stetig, so dass ca. 150 Personen im Laufe des Winters hier aufgenommen wurden. Was sollte nun werden, wenn die Front nach hier kommen würde?
Viele Familien hatten sich im Walde “auf dem Acker” und an “der Bach” in der Nähe der “Leiekaul” Bunker und Bretterbuden gebaut, um dort sicheren Unterschlupf zu haben, falls der Ort geräumt werden müsste.
Anfang März 1945 standen die alliierten Truppen bereits auf den Höhen jenseits der Mosel. Es konnte sich nun nur mehr um Tage handeln, bis die ersten feindlichen Truppen auch unser Dorf erreicht haben würden. Die deutsche Artillerie hatte auf dem Treiser Schock ihre Hauptstellungen.
Am 8. März abends 9 Uhr kommt die Meldung, dass amerikanische Truppen bei Treis die Mosel überschritten hätten, und Panzer bereits im Anrollen nach hier wären. Auf diese Meldung hin rückten die hier stationierten Eisenbahnpioniere sofort ab. Es stelle sich jedoch bald heraus, dass die Meldung über das Vorrücken der Amerikaner falsch war. Die Brücke bei Treis war von deutschen Truppen gesprengt worden. Zwei amerikanische Panzer, die sich gerade auf der Brücke befanden, gingen mit in die Luft. Auf der Lieger Flur, an der “Lahrer Kehr” und auf dem “Wittenhof” hatte erneut Flak Stellung bezogen. Von den Höhen auf der anderen Moselseite beschossen die amerikanischen Batterie die deutschen Stellungen.
Am 10. März wurde das feindliche Feuer bis Lieg vorverlegt. Am 11. schlugen die ersten Granaten in Lahr ein. Tags darauf wurde das Gelände zwischen Lahr und Dommershausen unter Feuer genommen. Die meisten Einwohner der beiden Gemeinden waren schon zwei Tage vorher in die ehemaligen Schiefergruben im Bachtal geflüchtet. Lahr hatte am ersten Tag der Beschießung 4 Tote.
Während dieser Tage wurden hier in Zilshausen Kisten und Koffer mit Hausrat und Kleidungsstücken gepackt und in den Kellern verstaut. Die Keller wurden mit Balken abgestützt. Gegen Abend des 13. hatte das feindliche Artilleriefeuer etwas nachgelassen. Die Bevölkerung saß mit den einquartierten Soldaten in Küchen und Zimmern, als plötzlich die ersten Einschläge im Dorfe zu hören waren. Alles flüchtete in die Keller. Salve auf Salve ging auf unser Dörfchen nieder. Die ganze Nacht hindurch hielt das feindliche Feuer an. Von den Soldaten hörte man die ersten Schreckensmeldungen. Im Hause Kipper ging ein Geschoss durch ein Zimmer, in dem sich 11 Personen befanden und explodierte in der daneben gelegenen Küche. 1 Soldat war tot, 1 Mädchen aus Koblenz schwer verwundet, das noch in derselben Nacht verstorben ist. Der Saal Lang brannte aus. Das Haus Escher bekam nahezu 20 Treffer. Eine schwere Granate ging in den Keller der Gastwirtschaft Brodam, es gab 4 Tote und eine Anzahl Verletzter aus der Gemeinde. Rosa Brodam, ihre Schwester Maria Olbermann und deren beiden Kinder Irmgard und Klaus, 5 Soldaten waren tot und 25 verwundet. Das Haus Johann Schug wurde vollständig zerstört. Beschädigt wurden die Häuser Josef Theisen, Geschwister Pies, Edmund Wendling, Gebrüder Wendling, Morsch, Braun, Anton Hesser und die Kapelle. Das alte Haus Meinhard mit Stall und Scheune wurde ebenfalls vollständig zerstört. Hier gab es 3 tote Soldaten und einen Schwerverwundeten. Die hier einquartierten äußerten, dass sie solch einen starken Feuerüberfall auf ein Dorf noch nicht mitgemacht hätten. Fast alle Häuser wiesen mehr oder weniger starke Beschädigungen auf. Fensterscheiben waren im Dorf keine mehr ganz geblieben.
Die bespannten Einheiten rückten nachts ab. Die motorisierten Verbände blieben noch. Morgens wurde das Artilleriefeuer wieder lebhafter. Gegen 4 Uhr kamen nun auch noch die gefürchteten Jabos und entdeckten die im Oberdorf abgestellten Lkw´s. Im Sturzflug schossen sie mit Bordwaffen und warfen Spreng- und Brandbomben. Vier Gebäude: die Scheune Mallmann, das Anwesen Josef Zimmer, der Stall von Fritz Pies und das ganze Anwesen von Peter Johann Liesenfeld wurden ein Raub der Flammen. Eine Bombe fiel in den Hof Jakob Hiester und riss die ganze Vorderfront des noch neuen Hauses weg. Das Haus Heinrich Pies wurde schwer beschädigt. Fritz Pies sind zwei große Ochsen, eine Kuh und ein Schwein, Peter Liesenfeld ein Ochse und ein Schwein mitverbrannt. Außer wenigem Mobiliar ist Peter Liesenfeld sämtliches Inventar sowie alle landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte verbrannt. Es waren alle um die Schule herum teils vollständig zerstört und teils schwer beschädigt. Gegen Abend des 15. schlug nur hart an der Rückwand des Schulsaales eine schwere Granate ein und beschädigte Wand und Dach. Im Inneren des Wohnhauses waren durch die Erschütterungen Wände und Decken arg gerissen.
Am Morgen des 14. nachdem die Jabos abgeflogen waren, flüchtete fast alles in den Stollen einer ehemaligen Schiefergrube (Leiekaul). Soviel man tragen konnte, wurde in Hast eingepackt und mitgenommen. Ca. 400 Personen suchten in der “Leiekaul” Zuflucht. Die Luft darin war derart schlecht, dass viele im Freien schlafen mussten. Abends und morgens mussten aus jedem Hause Männer oder Frauen ins Dorf hoch, um das zurückgelassene Vieh zu füttern. Wegen des andauernden Artilleriefeuers und der mit Bordwaffen schießenden Jabos war man auf dem Wege vom Walde bis zum Dorf in dauernder Lebensgefahr.
Tiefflieger hatten die Flakstellung im “Börzelt” am Wasserhaus entdeckt. Mit Bomben und Bordwaffen wurden die Fahrzeuge in Brand geschossen. 5 Soldaten fanden dabei den Tod und wurden daselbst zur letzten Ruhe gebettet. In dem Soldatengrab am Sportplatz wurde der Soldat, der bei Kipper ums Leben kam, beerdigt.
Schon im Herbst 1944 musste in jedem Dorfe am Ein- und Ausgang auf Befehl der Wehrmacht sogenannte Panzersperren errichtet werden. Schwere Stämme wurden beiderseits der Straße tief in den Boden eingestampft. Mit Querbalken sollte nun im Ernstfall die Straße gesperrt werden. Eine solche Panzersperre befand sich hier am Hause Kipper und im Kirchweg bei Veronika Zilles. Die Sperren konnten aber nicht zugelegt werden, weil die Amerikaner zu schnell vorrückten.
Am Abend des 15. März gaben die deutschen Soldaten die Stellungen hier auf und rückten ab. Die Amerikaner waren bis zum Lahrer Graben vormarschiert und blieben über Nacht hier liegen. In den frühen Morgenstunden des 16. rückten sie von “Pieper” rauf in unser Dorf ein. Die Häuser wurden sofort nach deutschen Soldaten durchsucht. Die Bevölkerung kam nun nach und nach aus der Leiekaul in ihre Häuser zurück, froh, dass der Krieg mit seinem Schrecken nur für das Dorf vorüber war. Auf die Straße zu treten, war verboten. Es war aber auch unmöglich, da die amerikanischen Kolonnen ununterbrochen rollten.
Am Sonntag, den 18. März hielt Hochwürden Herr Professor Dr. Ketter im Schulsaal eine heilige Messe. Zur Pfarrkirche durfte man nicht gehen und die Dorfkapelle war schwer beschädigt. Herr Professor Dr. Ketter, ein Sohn unserer Gemeinde, hielt eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er unter anderem darauf hinwies, dass wir Gott dankbar sein müssten, dass er die Schreckenstage abgekürzt hätte.

Nach diesen Schreckenstagen konnte nun die Bevölkerung insofern ruhiger schlafen, als die überfliegenden feindlichen Fliegerverbände keine Bomben mehr abwarfen. Es blieb aber die Sorge und die quälende Ungewissheit um die vielen Angehörigen, die noch bei der Wehrmacht oder in Gefangenschaft waren, da ja erst am 8. Mai 1945 der furchtbare Krieg sein Ende fand.