DIE JAHRE 1921 – 1932

DAS JAHR 1923

Schulangelegenheiten
Am 1.4.1923 wurde Herr Lehrer Schneider nach Meddesheim (Nahe) im Interesse des Dienstes versetzt. Er war zur evangelischen Landeskirche übergetreten. Vom 1.4.23 bis 1.5.23 verwaltete Herr Lehrer Rosarius aus Lahr die hiesige Stelle mit.
Am 1.5.1923 wurde ich, Hanns Schneiders geb. zu Valwig, Mosel, mit der freien Schulstelle hier betraut. Bereits am 23. Juni 1920 hatte ich in Münstermaifeld die erste Lehrerprüfung nach Ordnung für Kriegsteilnehmer abgelegt. Ich war 2 1/2 Jahre im Felde gewesen. Dennoch hatte meine stellenlose Zeit beinahe drei Jahre gedauert. Die letzten acht Monate hatte ich im Ruhrgebiet als Maschinist zugebracht. (Auch eine traurige Folge des Krieges.)
Die Schülerzahl betrug 81. An die Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle ist hier gar nicht zu denken. Die Schulverhältnisse boten hier ein trauriges Bild. In den letzten acht Jahren ist hier überhaupt kein ordentlicher Unterricht mehr gehalten worden. Dazu die große Kinderzahl (81). Der bis dahin bestehende Halbtagsunterricht wurde weiter beibehalten. Die Schulwohnung wurde auf meine Veranlassung neu instandgesetzt. Eine Desinfektion des Schulgebäudes war notwendig, da mein Vorgänger lungenkrank war. Überhaupt zeigt sich der Gemeinderat bei Neuanschaffung etc. sehr nachgiebig. Ein großer Teil der inventarisierten Geräte, Bücher etc. lagen auf dem Speicher in größter Unordnung. Der Garten war in verwahrlostem Zustand.
Nach erfolgreichen Versuchen ist in hiesiger Schule die Sütterlinschrift im Juni 1923 eingeführt worden.
Vom 4. Dezember bis nach den Weihnachtsferien musste von Seiten des Landratsamtes die Schule wegen epidemischer Verbreitung des Scharlachs geschlossen werden. Es starb ein Schüler, Albert Pies, im Alter von 10 Jahren. Schwer erkrankt waren zirka 9 Kinder.
Am 11. Februar 1923 verbrannte ein Schüler in der elterlichen Wohnung. Der unglückliche Hermann Zilles war einem Topfe kochenden Wassers zu nahe gekommen und war am Oberkörper buchstäblich verbrüht. Unter allgemeiner Teilnahme wurde Hermann Zilles unter reger Beteiligung der Schule zu Grabe getragen.
Lehrmittel werden trotz wiederholter Vorstellung nicht geliefert. Auch ist seit Jahr und Tag keine Handarbeitslehrerin hier eingestellt. Es scheint so, als ob den Herren am Bürgermeisteramt das nötige Verständnis für kulturelle Einrichtungen fehlte. Für das ganze Winterhalbjahr musste mangels der nötigen Vorbildung den Kindern der Mittelstufe täglich eine Stunde Nachhilfeunterricht erteilt werden. Infolge der mangelnden Ausbildung musste Herr Pfarrvikar Goetz die Kinder im beichtpflichtigen Alter um ein Jahr zurückstellen.
Am Montag den 31. März 1924 kamen 6 Knaben und 4 Mädchen zur Schulentlassung. Die Ferien begannen am Mittwoch vor Ostern den 16. April.

Ortsangelegenheiten
Die Jahre 1920 bis 1922 waren schlechte Erntejahre. Die Preise für sämtliche Lebensmittel sind ständig im Steigen begriffen. Gehälter und Löhne halten mit der Steigerung der Preise nicht mit.
Seit Anfang Dezember 1922 hat Deutschland den passiven Widerstand erklärt. Es ist dieses eine neue Art des Krieges. Als zu Anfang Dezember 1922 französische und belgische Truppen in das Ruhrgebiet einrückten, sah sich Deutschland veranlaßt, diesem Treiben auf irgendeine Art zu begegnen und den beiden westlichen Nachbarn den Kampf anzusagen. An einen Krieg mit den Waffen war von deutscher Seite nicht zu denken. Das Ruhrgebiet wurde besetzt bis Dortmund – also bis ins Herz unserer Industrie. Mit dem Tage der Besetzung hörten sämtliche Lieferungen an die Verbandsmächte (laut Versailler Vertrag) auf. Der ganze Eisenbahnverkehr wurde eingestellt. Damit wurde der französischen Industrie ein empfindlicher Schlag versetzt. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Rückwirkung auf unsere eigene Industrie. Fast sämtliche Fabriken liegen still. Die Ausfuhr ist heute ganz gering im Verhältnis zur Einfuhr.
Auch unsere engere Heimat leidet sehr. Auf jedem Dorf müssen eine ganze Anzahl Leute, die sonst im Ruhrgebiet ihren Unterhalt suchten, heute als Notstandsarbeiter beschäftigt werden.
Da ferner die Bahnen (Mosel- und Hunsrückbahn) nicht mehr verkehren, so leidet auch die Geschäftswelt sehr darunter. Für Geld ist heute kaum etwas mehr zu haben. Die deutsche Mark hat auch sehr an Kaufkraft verloren. Ein Ei kostet heute am 28. 7. 1923 den Preis von 10 000 Papiermark. Am 27.7.23 stand der Dollar bereits auf 530 000 Mark. Nach dem Dollar richten sich sämtliche Preise. Korn und Weizen kosten heute bereits über 1 000 000 Mark pro Zentner.
Seit dem Eingreifen der Franzosen ist bereits eine ganze Reihe von Personen in das unbesetzte Deutschland ausgewiesen worden – unter anderen auch unser Landrat von Cochem.

Am 1.5.23 fand man das Skelett einer Leiche im „Börzelt“. Es hat sich herausgestellt, dass sich genau ein Jahr vorher eine Person von hier daselbst durch Erhängen das Leben genommen hatte.
Durch Arbeitslose wird zur Zeit die Kirche in Petershausen renoviert und gemalt. Die dazu erforderlichen Mittel werden von der Regierung ausgeworfen. Ein Teil stammt auch von freiwilligen Spenden hier.
Nachdem nun der Staat cirka neun Monate den passiven Widerstand aufrecht erhalten hatte, musste er notgedrungen denselben aufgeben. Mittler Weile war unsere ganze Industrie im Ruhrgebiet und im übrigen Deutschland vollständig lahmgelegt worden. Zahlreiche junge Leute von hier, die dort ihr Brot verdienten, mussten ihr Arbeitsstätte verlassen, da sie von der gebotenen Unterstützung nicht leben konnten.
Die politischen Verhältnisse im Rheinland sind zur Zeit auch sehr verworren. Mit Gewalt sucht sich zur Zeit die Rheinische Unabhängigkeitspartei an die Spitze des besetzten Gebietes zu stellen. An den Hauptplätzen wie Trier, Aachen, Coblenz, Mainz etc. wurde die Rheinische Republik proklamiert.
Auch unsere Heimat wurde von den separatistischen Truppen nicht verschont. So musste in Cochem beim Ausrufen der Republik ein Bürger der Stadt sein Leben lassen. Man hisst aller Orte, die von Bedeutung sind, die Separatistenfahne grün-weiß-rot. Es scheint aber, als ob die Separatistenführer die Gewalt gegenüber ihren Truppen verloren hätten, denn Requisitionen und Ausschreitungen mit Waffengewalt sind an der Tagesordnung. Nachdem nun der passive Widerstand aufgegeben ist, verlieren auch die Separatisten an Anhang.

Die Arbeit wird allerorts wieder aufgenommen. Die Regierung ergreift aufs neue Sparsamkeitsmaßnahmen.
Mit dem Niedergang unserer Wirtschaft ging Hand in Hand das Sinken der Markwährung. Mitte Dezember zahlte man für einen Dollar als höchsten Kurs 7,2 Billionen Reichsmark. Die Regierung sucht nur durch Herausgabe einer neuen Währung, der sogenannten „Rentenmark“, die Reichsmark zu stützen – bis jetzt mit gutem Erfolg. Tatsächlich ist die Mark bis Ende Dezember auf 4,2 Billionen pro Dollar gesunken und seitdem stabil.Für uns Beamte war der Niedergang unserer Wirtschaft und der damit verbundenen Markentwertung von den tragischsten Folgen. Es gab tatsächlich Zeiten, in denen wir nicht in der Lage waren, das Porto für einen Brief aufzubringen. Seitdem nun der Markstand stabil geworden ist, hat die Regierung die Beamtengehälter neu festgesetzt, wenn auch nicht der Teuerung entsprechend. Augenblicklich gehen die Preise herunter. Damit macht sich unter der Bevölkerung die Geldknappheit bemerkbar. Die Bevölkerung rechnet seit längerer Zeit nur mit französischen Francs, Dollars etc. – nur nicht mit deutschem Gelde, so dass man zeitweise nichts kaufen konnte. Heute ist deutsches Geld wieder begehrter.
Das Jahr 1923 war ein mittleres Erntejahr für Getreide, für Kartoffeln hier mäßig und für Obst und Wein schlecht. Es war dieses eine Folge der schlechten Witterung. Spät- und Frühfröste hatten großen Schaden angerichtet. Die Futterbestände hatten sich vermehrt, und damit erreichte in diesem Jahre zum ersten Male der Viehbestand wieder seine Friedensziffer. Manche Leute haben sogar mehr Vieh als vor dem Kriege. Besonders reich sind die Ställe an Jungvieh. Die Schweinezucht liegt allerdings immer noch im Argen.
Infolge der Teuerung auf dem Textilmarkt sind die Leute gezwungen, mehr denn je Flachs zu ziehen, der im Winter verarbeitet wird.
Der Winter dauerte lang und brachte reichlich Schnee und Eis zum Vergnügen für unsere Jugend. Die ersten Gänseblümchen kamen am 23. März zum Vorschein. Die Anlage des Elektrischen geht ihrem Ende entgegen. Man hofft, dass Ostern das elektrische Licht brennt.
Am Fastnacht-Montag kam es gelegentlich einer kleinen Feier in der Wirtschaft Brodam durch Jungen aus Lahr zu einer wüsten Schlägerei. Die Sache wird wohl noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

DAS JAHR 1924/25

Schulangelegenheiten
Das neue Schuljahr begann am Dienstag den 29. April 1924. Neu aufgenommen wurden 5 Schüler und eine Schülerin. Die Schülerzahl beträgt immer noch 76.
Nach den Herbstferien wurde darauf hingewirkt, dass ab Weihnachten neue Lesebücher eingeführt würden. Selbe sind nun zum größeren Teil beschafft, und zwar:

Jahre 5 – 8 : „Die Schatzkammer“
Jahre 3 u. 4 : „Das goldene Tor“

Die Bücher sind vom Organ des katholischen Lehrervereins zusammengestellt und eigens für katholische Schulkinder bestimmt. Das erste und zweite Schuljahr bedienen sich fortan beim Rechenunterricht der Rechenwürfelkasten zur näheren Veranschaulichung. Im Leseunterricht bedienen sich die Kinder des ersten Jahres der Lesekasten. Sehr großes Gewicht legt man auf
den sogenannten Arbeitsunterricht, das ist Selbstbetätigung der Kinder. Deshalb verwenden die Kinder eine Knetmasse, das Plastelin, und den Sandkasten.
Der bis jetzt bei Sr. Bischöflichen Gnaden als Sekretär beschäftigte Dr. Peter Ketter ist zum Professor für „neuere Philosophie“ am Priesterseminar in Trier ernannt worden. Er ist ein Sohn unseres Ortes und entstammt dem Hause Ketter, Balduinseck-Straße. Er wurde 1911 zum Priester geweiht.
Zu Ostern wurden sieben Knaben aus der hiesigen Volksschule entlassen.

Ortsangelegenheiten
Der 4. Mai war zur Neuwahl des Reichstags, des Gemeinderats und der Bürgermeistervertretung bestimmt. Für den Reichstag waren wahlberechtigt 194 Stimmen.

Davon haben gewählt:

Zentrum 151
Völkisch-Sozial 3
Deutsche Volkspartei 6
Rheinische Wirtschaftspartei 5
Republikaner 1
Sozialdemokraten 2
Christlich-Soziale 2

Zur Gemeinderatswahl lagen drei Vorschläge offen:

1. Vorschlag: Pies 76 Stimmen 3 Sitze
2. Vorschlag: Wendling 55 Stimmen 2 Sitze
3. Vorschlag: Kneip 35 Stimmen 1 Sitz

Für die Bürgermeisterwahl lag nur ein Vorschlag offen, er galt somit als gewählt.

In der Zeit vom 1. Mai bis 10. Mai gingen hier starke Regenmassen nieder. Das Wetter war rauh und kalt, so dass keine Kartoffeln gesetzt werden konnten. Auch die Saaten hatten sehr darunter zu leiden. Den ganzen Sommer über regnete es sehr viel. Die stärkste Regenzeit war während der Getreideernte. Das anhaltende Regenwetter hat auch ungeheuren Schaden angerichtet. Eine Unmenge von Hafer, Roggen und Sommerraps sind buchstäblich auf dem Felde verfault. Die Folge davon war, dass sehr viele Leute große Einbußen bei ihren Einnahmen zu verbuchen hatten.
Der Staat sucht den Geschädigten durch Stundung von Steuern und Gewährung von Krediten entgegenzukommen. Der ganze Kreis Cochem ist zum Notstandsgebiet erklärt worden.
Die Kartoffelernte war reichlich. Heu und Knollen gediehen ebenfalls recht üppig. Zu Anfang Juli wurde das elektrische Licht eingeschaltet. Seither sind wir auch im Genusse dieser technischen Errungenschaft. In liebenswürdiger Weise hat der Gemeinderat beschlossen, Installation und Lampen für die Lehrerdienstwohnung auf Gemeinderechnung anbringen zu lassen.
Infolge Auflösung des Reichstages fand am 7.12.24 nochmals Neuwahl statt, so dass in diesem Jahre zweimal gewählt wurde. Das Wahlergebnis war ein ähnliches wie am 4. 5. 24. Der bisherige Reichskanzler Marx musste zurücktreten. Er entstammte der Zentrumspartei. An seine Stelle trat der Volksparteiler Dr. Lutker.
Am 7. Februar fand die diesjährige Holzversteigerung statt. Die Preise waren bis 200 % über den Friedenspreisen. So kostete 1 m Buchenscheitholz 20 – 25 Mark. Die Gemeinde erzielte recht ansehnliche Beträge. Der ganze Erlös war ca. 9000 Mark. Davon sind nach Abzug der Forstkosten ca. 6000 Mark reine Einnahme.
Nachdem sich die Verhältnisse im Ruhrgebiet gebessert haben, sind wieder zahlreiche junge Leute von hier auf ihre frühere Arbeitsstelle zurückgekehrt. Augenblicklich sind 16 Einwohner am Niederrhein am Arbeiten. Es bedeutet dieses schon immerhin etwas für unseren Ort. Der Hunsrücker ist am Niederrhein gern gesehen. Er gilt dort als sparsam und arbeitstüchtig. In Friedenszeiten brachte der Briefbote ständig ansehnliche Summen ins Dorf. Heute dürfte das bei einem Schichtlohn von 7 – 10 Mark auch wieder möglich sein. Die Preise für Landprodukte sind entsprechend den Friedenspreisen etwas höher:

Roggen 11 – 12 Mark
Hafer 8 – 9 Mark
Butter 1,8 – 2 Mark
Eier 0,10 – 0,14 Mark

DAS JAHR 1925/26

Schulangelegenheiten
Zu Ostern 1925 erfolgte nur eine Neuaufnahme in der hiesigen Schule. Die Schülerzahl erreichte somit einen Tiefstand von 69. Auch für 1925/26 wurde deshalb der Halbtagsunterricht beibehalten. Am 25. Juni musste wegen epidemischen Auftretens der Masern die Volksschule auf die Dauer von drei Wochen geschlossen werden. In dieselbe Zeit fielen die Heuferien.

Auf Anordnung des Kreises ist in allen Landgemeinden, die zehn und mehr Knaben im Alter von 14 – 17 Jahren haben, die ländliche Fortbildungsschule eingerichtet worden. Der Schulbesuch ist obligatorisch.
Zilshausen begann den Unterricht am 25. Oktober 1925. Da die Nachbargemeinde Lahr nur sechs Fortbildungsschulpflichtige hat so sind Zilshausen und Lahr vereinigt worden.
Schulleiter ist der jeweilige Lehrer in Zilshausen. Er kann nach freiem Ermessen den
Bild vergößernKlassenbild von 1925

jeweiligen Kollegen aus Lahr am Unterricht teilnehmen lassen. Der Unterricht findet an drei Abenden zu je zwei Stunden statt. Vereinbart wurde, dass der Kollege in Lahr zwei Stunden übernimmt.

Für Unterrichtsraum, Licht und Heizung haben die Gemeinden aufzukommen. Die Bezahlung für geleistete Stunden erfolgt monatlich, und zwar nachträglich an der Gemeindekasse. Die Schülerzahl verteilt sich wie folgt:
Zilshausen 20 und Lahr 7.
Die Schüler selbst haben ein vom Kreistag festgesetztes Schulgeld zu entrichten. Für Bücher und Hefte haben die Schüler selbst zu sorgen.
Angeschafft wurden für den Schulunterricht:
* eine neue Wandtafel
* eine Deutschlandkarte von Harms
* drei Anschauungsbilder für den Geschichtsunterricht
* ein Sandkasten
* vier Lesebücher
* ein Diözesangesang- und Gebetbuch
* ein neuer Katechismus
* einige Handbücher nebst Büchern für die Schulbibliothek

Seit Versetzung des Herrn Pfarrer Goertz ist einmal Religionsunterricht in der Woche nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche. Die zweite Stunde wird durch den Lehrer in der Schule gehalten.
Bisher hatte die Haushälterin des Herrn Pfarrer Goert den Handarbeitsunterricht gegen eine Vergütung von 120 Mark pro Jahr übernommen. Diese Stelle ist ab 1. 12. 1925 an eine Frau Theisen, die das Nähen gelernt hat, gegen eine Vergütung von 100 Mark vergeben worden. (wöchentlich 2 Stunden)
Ostern 1926 wurden 16 Kinder aus der Volksschule entlassen. Am 2. Juni legte Herr Lehrer Schneiders die zweite Lehrerprüfung an der hiesigen Schule ab. Die Schülerzahl ist auch dieses Jahr wieder gesunken.

Ortsangelegenheiten
Der Winter ist als äußerst milde zu bezeichnen, so dass Kohl und andere Grünpflanzen draußen überwintern können. Auch an Frühfrösten hatten die Saaten wenig zu leiden. Nur zu Anfang März kam zur Freude der Jugend der erste Schnee. Seit einiger Zeit bringen die Leute ihre Landesprodukte wieder wie vor dem Kriege zum Wochenmarkt nach Kastellaun. Es kosten die Eier 10 Pfennig, die Butter 1,70 Mark. Diese Preise sind gegenüber der Kaufkraft unserer Währung angemessen.
Am 28. Februar starb der Herr Reichspräsident Ebert. Bei der Neuwahl wurde im zweiten Wahlgang der im Weltkrieg hochverdiente Generalfeldmarschall von Hindenburg gewählt. Sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang entfielen hier die meisten Stimmen auf den Zentrumskandidaten Marx.
Am 28. Februar fand die Wahl des Kirchenvorstandes statt. Unsere Kirchengemeinde ist eine Vikarie. Da nun das Grundkapital (ca. 40.000 Mark) der Inflation anheim gefallen ist, so müssen die Pfarreingessenen selbst den Vikar unterhalten. Ich habe danach an Pfarrgehalt monatlich 3,50 Mark aufzubringen bei einem Anfangsgehalt von 230 Mark und dazu noch die Kirchensteuer.
Infolge der äußerst günstigen Witterung seit 30.3.1925 ist der Stand der Feldfrüchte zu Ende April sehr günstig.
Am 28.5.1925 wurde in unserer Pfarrkirche das Sakrament der heiligen Firmung für 45 Knaben und 47 Mädchen aus der Pfarrgemeinde gespendet. Zum ersten Male empfing der hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Münch die Lehrperson in besonderer Audienz.
An dem selben Tage setzte ein allgemeiner Landregen ein, der den ganzen Juni dauerte. Dann folgte wieder allgemeine Trockenheit. Im Laufe des Sommers gab es sehr viele und schwere Gewitter. Der Spätsommer brachte wieder reichlich Regen, der bis zum Oktober dauerte. Das Jahr 1925 ist als ein gutes Erntejahr zu bezeichnen. Insbesondere gerieten Kartoffeln und Knollen sehr gut. Andererseits sind die Preise sehr niedrig und liegen teilweise unter den Gestehungskosten. Dieses liegt in der Hauptsache an der gesamten Wirtschaftskrise. Vile von den in der niederrheinischen Industrie beschäftigten Ortseingesessenen sind infolge Arbeitsmangel entlassen. Der beschäftigungslose Arbeiter erhält eine sogenannte Arbeitslosenunterstützung. Die Gemeinde hat hiervon ein Neuntel zu tragen.
Da aber die Gemeindevertretung die Zahlung dieses Anteils abgelehnt hat, so erhält hier auch niemand Arbeitslosenunterstützung, obschon sie mancher bitter nötig hätte. Die Arbeitslosen
müssen in der Woche drei Tage arbeiten und somit könnte man in Zilshausen manche produktive Arbeit für wenig Geld geleistet bekommen. Anscheinend gönnt man aber den Leuten die Unterstützung nicht.
Am 25. Juli fand die Jagdverpachtung statt: Preis 710 Mark.
Am 8. November fand die Einweihung der neuen Moselbrücke Treis-Karden statt. Sollte nun auch die projektierte Straße Treis – Kastellaun ausgebaut werden, so wäre damit ein gewaltiger Fortschritt zur Erschließung der Ortschaften Lieg, Lahr und Zilshausen getan.
Am 11.11.1925 verließ der um die Pfarrei Petershausen hochverdiente Pfarrer Goertz seinen hiesigen Wirkungskreis, um seinen neuen Wirkungskreis in der Pfarrei Illerich anzutreten. Er hat sich besonders um die Ausmalung der Kirche in Petershausen sehr verdient gemacht und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Sein Werk ist auch die wunderbare Altarbeleuchtung. Die Mitverwaltung der Kapellengemeinde Petershausen hat einstweilen Herr Pfarrer Schuh aus Lieg übernommen.
Mitte November begann man mit dem Bau der Wasserleitung. Den Bau hat eine Firma aus Höhr übernommen. Der Kostenanschlag beläuft sich auf ca. 50.000 Mark. Ob sich ein solches Unternehmen jemals rentabel gestalten wird, darüber mag die Nachwelt entscheiden.
Am 11. November stellte sich der Frost ein, und am 13. November fiel der erste Schnee. Am 15. Dezember trat unerwartet, infolge föhnartiger Südwestwinde, die Schneeschmelze ein. Gleichzeitig gingen starke Regenmassen nieder, die aus einem Gelände von 1 qkm ca. 80.000 cbm betragen haben sollen. Die Folge davon war, dass sich die meisten Keller mit Wasser füllten. Die Mosel trat über ihre Ufer und erreichte am Sylvesterabend 1925/26 einen Hochstand, wie er seit 1784 nicht wieder gemessen wurde. An der Mosel ist der Schaden ungeheuer. Dieses ist für die Weinbauern, die sich auch in einer schweren Absatzkrise befinden, doppelt schlimm und wirkt sich auch nach hier aus. Ein altes Sprichwort besagt: „Hon de Muselaner kei Geld, dann ha mir zweimal keins“.
Beim Bau der Wasserleitung deckte man auf dem alten Friedhof ein Massengrab auf. ca. 1/2 Meter unter der Erde stieß man auf die Knochenreste von etwa 13 Personen. Man fand eine
Seidenmütze, eine Nickelmünze mit der Jahreszahl 1694 und eine Basaltkugel. Letztere befindet sich in der Schule.

DAS JAHR 1927

Schulangelegenheiten
Ostern 1927 wurden 17 Kinder entlassen und 8 aufgenommen.
Die Schülerzahl beträgt zur Zeit 56. Sie betrug vor vier Jahren noch 84 bei meinem Dienstantritt. Aus diesem Grunde wurde die bestehende Halbtagsschule wieder in eine einklassige umgewandelt.
Am 17. November wurde in der Schule ein Elternabend abgehalten. Einzelne Kinder trugen Gedichte vor. Mit Hilfe eines geliehenen Lichtbildapparates konnten Bilder aus den verschiedensten Teilen Deutschlands gezeigt werden. Entlassene Knaben der Fortbildungsschule beteiligten sich an Gesangs- und humoristischen Darbietungen, so dass man allgemein mit dem Wunsche „Auf Wiedersehen“ schied.

Am 3. Dezember hielt der China-Missionar Pater Hesser einen längeren Vortrag anhand von Lichtbildern über seine Missionstätigkeit in China hier im Schullokale, der mit großem Beifall aufgenommen wurde.

Ortsangelegenheiten
Das Jahr 1927 brachte uns die Vollendung der Wasserleitung. In der Schule wurden zwei Krahnen angebracht, einer in der Küche der Dienstwohnung und einer im Hausflur als Trinkstelle für die Schulkinder.
Der Sommer 1927 war sehr ergiebig an Niederschlägen, so dass die Ernte den Leuten sehr viel Arbeit verursachte. Trotzdem waren die Erträge an Getreide, Kartoffeln und Obst sehr gut zu benennen.

DAS JAHR 1928

Schulangelegenheiten
Ostern 1928 wurden 8 Kinder aus der Volksschule entlassen und 7 neue aufgenommen, so dass die Schülerzahl noch 55 beträgt.
Mit den Schülern der Fortbildungsschule machte der Lehrer am Himmelfahrtstage eine Radtour nach Simmern zur Domäne. Dieselbe wurde besichtigt nebst den Versuchsanlagen. Ich glaube, dass den Jungen dadurch manche Anregung mit auf den Weg gegeben wurde.

Ein neuer Spiel- und Sportverein in Zilshausen

In diesem Jahre wurde am 1.Mai ein neuer Spiel- und Sportverein mit mit 28 Mitgliedern ins Leben gerufen.

Bild vergößerneinstige Zelser Fußballmannschaft

Am 20. Mai fanden die Wahlen zum Land- und Reichstags statt. Von 181 Wahlberechtigten haben 141 gewählt und zwar:

Zentrum 112
Deutsche Volkspartei 1
Greber Partei 11
Nationalsozialisten 1
Deutsche Bauernpartei 3
Deutschnationale Partei 8
Sozialdemokraten 5

Da in diesem Jahre die Elternbeiratswahlen stattfanden, aber nur ein Wahlvorschlag einging, so war dieser als gewählt zu betrachten.
Im amtlichen Schulblatt vom 1. Juli 1928 lesen wir: „Zum 1. Juli 1928 ist der Schulaufsichtsbezirk Kastellaun wieder eingerichtet. Er umfasst die Schulen der Bürgermeistereien Castellaun, Blankenrath, Obergondershausen, Pfalzfeld und der Gemeinde Lahr, Lieg, Zilshausen und Mörsdorf von der Bürgermeisterei Treis“.

Ortsangelegenheiten
Am 19.10.1928 wurde unsere seit drei Jahren vakante Pfarrstelle wieder besetzt. Im reich geschmückten Auto wurde der hochwürdige Pastor Schnepp in Lieg abgeholt und am Eingang von Petershausen von der Prozession durch Gedichte der Kinder begrüßt.
Herr Schnepp war bisher Pfarrer in Kärnten und war als geistlicher Schriftsteller tätig. Im Jahre 1927 erschien von ihm: „Mit Gott allein“ (Verlag Herder in Freiburg) , 1928 „Im Wunderreich des Glaubens“ (Verlag H. Rausch, Freiburg), wurde in Österreich Priester und blieb dort mit Unterbrechungen bis ihn der Drang zur Heimat zurücktrieb. Möge ihm Petershausen zur Heimat werden.
Der Winter 1928/29 soll der kälteste seit 100 Jahren gewesen sein. Im Schulhaus wurden am 12.2.1929 morgens 8 Uhr 19 Grad Kälte gemessen. Ein Glück ist es, dass reichlich Schnee liegt. Bis zum 12. März schwankte das Thermometer zwischen minus 8 und minus 24.
Eis und Schnee verschwanden langsam ohne Regen. Doch wurde beim Abgang durch erhebliche Nachtfröste viel Schaden an den Saatfeldern angerichtet.

Von Weihnachten bis Fastnacht musste der Lehrer bei grimmiger Kälte den Herrn Lehrer Busch in Corweiler vertreten. Herr Busch war krank und musste ein Krankenhaus in Coblenz aufsuchen. Für den Lehrer in Zilshausen war dieses eine weitere Belastung, da Zilshausen eine starke Klasse hat und der Lehrer nebenbei allein den Fortbildungsschulunterricht erteilen muss.

DAS JAHR 1929

Feuerbrände
1929 brannten hier die Anwesen von Peter Arend und Johann Zimmer vollständig nieder. Die meisten Leute waren gerade in der Kirche im Hochamt. Der Pastor predigte gerade über die Vergänglichkeit alles Irdischen, als die Leute benachrichtigt wurden. Man kam zu spät. Nur das Vieh und etliche Möbelstücke konnten gerettet werden, während die ganze Ernte mit vernichtet wurde. Peter Arend hatte erst tags vorher seinen Bau vollendet. Die Ursache des Brandes liegt im Dunkeln.
Arend baute an dieselbe Stelle ein schönes neues Haus. Zimmer baute sich an anderer Stelle wieder an.
Seit dem Kriege sind somit vier neue Häuser entstanden. Sie gehören: Friedrich Pies, Witwe Zimmer. An vielen Häusern sind erhebliche Änderungen vorgenommen worden. Das Dorfbild gewinnt zusehends.
Seit dem 15.9. haben wir Postautoverbindung nach Carden und Kastellaun. Das Auto fährt täglich zweimal. Damit wird auch unsere Gegend endlich dem Verkehr erschlossen.

Am 22.3. trugen wir unseren verehrten hochwürdigen Herrn Pfarrer Schnepp zu Grabe.

Am 10.11. hielt der Lehrer einen Vortrag über die kommenden Wahlen zum Gemeinderat, Amtkreistag und Provinziallandtag. – Die Versammlung war gut besucht.
Am 5. 12. hielt der Lehrer einen Vortrag über Düngungsfragen, desgleichen am 24. 1. 1930 einen solchen über die Rentabilität der Schweinezucht und Schweinemast. Beide Vorträge waren gut besucht und wurden mit Beifall aufgenommen.

Bild vergößern Altes Foto von der Zelser Dorfstraße 1925

DAS JAHR 1930

Schulangelegenheiten
Am 1. April wurden 6 Kinder entlassen und 9 aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt jetzt 53. Ein Elternbeirat wurde nicht gewählt. Es war kein Wahlvorschlag eingegangen und zu den Wahlversammlungen niemand erschienen.

Ortsangelegenheiten
Am 24.6. weilte der hochwürdige Herr Bischof Bornewasser in Petershausen, um die Firmung zu spenden. Es wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet. Nach der Spendung des Sakraments wurden die Lehrpersonen empfangen und hatten mit dem hochwürdigen Herrn eine kurze Aussprache. Nachdem unsere Pfarrei seit 22. März verwaist war, wurde am … der neue Pfarrer eingeführt. Die Gemeinde hat ihn festlich empfangen. Schulkinder begrüßten ihn durch Gedichte. Der jetzige Pfarrer heißt Johann Krämer und war bisher Kaplan von Wallerfangen an der Saar.
Am 7.9.1930 fand im hiesigen Schulsaale eine Zentrumsversammlung statt. Den Vorsitz führte Herr Pastor Schuh aus Lieg. Das Hauptreferat hatte der Herr Lehrer Schneiders übernommen.
Am 15.9. fanden die Neuwahlen zum Reichstag statt.

Ergebnis: Zentrum 142
Nationalsozialisten 10
Christlich nationale Bauern 2

Das Zentrum hatte gegen 1928 dreißig Stimmen gewonnen.

Am 11.12 war eine Abordnung der Regierung hier zwecks Besichtigung des Schulhauses. Die Lehrerwohnung wurde als zu klein und feucht befunden. Von Regierungsseite wurde der Vorschlag zu einem Erweiterungs- und Umbau gemacht. Die anwesende Gemeindevertretung erklärte sich mit dem Plan einverstanden, wenn ein genügender Staatshilfenbeitrag geleistet werde.

DAS JAHR 1931

Das Jahr 1931 stand unter einer schweren Wirtschaftskrise. Alle im Ruhrgebiet tätigen jungen Leute sind im Laufe des Jahres wegen Arbeitslosigkeit heimgekommen. Teilweise erhielten sie Arbeitslosenunterstützung.
Die Viehpreise sanken während des Jahres unter den Friedenspreis, obschon die Regierung alles tat, um eine Agrarkrise zu vermeiden.
Um der erwerbslosen Jugend über die schwere Zeit hinwegzuhelfen, wurde wöchentlich abends von Seiten des Lehrers belehrende Vorträge gehalten, die jeweils gut besucht waren.
Der Pfarrer sammelte die Jugendlichen im Jungmännerverein. Mit dem Einüben von Liedern, Theaterstücken, durch belehrende Vorträge etc. suchte auch dieser den guten Geist in der Jugend zu erhalten und zu vertiefen.

Der Barromäusverein wurde ebenfalls als Schutzmittel gegen schlechte Literatur neu ins Leben gerufen.
Ostern 1931 haben wir 59.Schüler in Zilshausen.
Vor Ostern wurde ein Elternabend in der Schule abgehalten. Nach der Begrüßung durch den Lehrer veranstaltete die Schule eine Frühlingsfeier. Lieder, Gedichte und Sprechchöre wechselten ab. Zum Schlusse dankte Pfarrer Krämer den Eltern und den Kindern für die rege Anteilnahme. Er mahnte zum Zusammenarbeiten zwischen Schule, Kirche und Elternhaus.
Der geplante Um- und Erweiterungsbau der Schule Zilshausen konnte in diesem Jahr wegen der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht ausgeführt werden.

In diesem Winter wurde der Fortbildungsschulunterricht in der Schule zu Lahr erteilt. Die Schüler von Zilshausen, Lahr und Lieg (25) sind dort vereinigt worden. Den Unterricht erteilten: Lehrer Schneiders Zilshausen, Lehrer Piesick Lahr und Pfarrer Krämer Petershausen.

Heimatgeschichtliches
Der alte Turm in Petershausen stammt aus dem Jahre 1447. Das Kreuz an dem Brunnen mit den beiden Kastanienbäumen wurden 1813 nach Abzug der französischen Truppen durch einen Landwirt Hammes errichtet. Besagter Bauer soll durch die französischen Truppen viel Schaden gehabt haben und aus Dankbarkeit gegen Gott das Kreuz errichtet haben.
Wie die Tradition behauptet, soll früher im Distrikt „Fröserdell“ ein großer Bauernhof gestanden haben. Dieser wurde der „Fröserhof“ genannt. Beim Bau der Wasserleitung wurden hier mehrere Hufeisen von Mauleseln gefunden. Vielleicht ist das Gehöft im Mittelalter untergegangen. Im Geschichtsatlas von Fabricius ist er jedenfalls nicht erwähnt. Noch heute sieht man einen gemauerten Brunnen dort. Mauerreste sind im Laufe der Zeit öfters dort aufgedeckt worden.

Ein Flurdistrikt führt noch heute den Namen „Am Siechhäuschen“. Lebra- und Pestkranke wurden im Mittelalter hier untergebracht. Im späteren Mittelalter waren sie vielfach ein Schlupfwinkel für Räuber und anderes Gesindel.

Heimatliche Schönheiten: Am Wasserfall

Zu jeder Zeit bin ich dort gewesen, und immer sah er anders aus, und doch mag ich mich nicht entscheiden, wann er mir am besten gefiel.
Zur Osterzeit läuteten an allen Ecken und Hecken die Haselnuss-, Erlen- und Weidekätzchen den Frühling ein; dann schmolzen dort die letzten Kristalle des Eispalastes. Bald öffneten sich die Knospen von Buchen, Eichen und Schlehen, und Merlen und Finken übten schon ihre Mailieder zu Ehren der Gottesmutter die jenseits im stillen Dorfkirchlein zu Mörz seit hunderten von Jahren die Bitten stiller Wallfahrer erhört. Dann machte unser Bächlein einen feinen Hopser über den wohl 10 m hohen Felsen.
Im Sommer reiften hier Himbeeren und Brombeeren. Kinder krochen dann durch das Geäst und heimsten die reifen Beeren ein. In den warmen Nächten aber schlugen hier emsig die Nachtigallen ihre melodischen Tonreihen.

Das Bächlein wurde von Tag zu Tag dünner, bis zuletzt nur mehr perlende Tropfen von Stein zu Stein krochen – es reichte nur mehr um die durstigen Kehlen der Sänger aus dem Busch zu kühlen.

Bild vergößernMan(n) posiert am vereisten
Zelser Wasserfall

Im Herbste lagen, wie goldene Flitter, die letzten Sonnenstrahlen im Wasser. Dann trieben wie kleine Schifflein die bunten Blätter zu Tal in die weite Welt.
Groß und feierlich aber sah der Wasserfall erst im Winter aus, wenn es hier einsam geworden war. Kein Fink war dann mehr zu hören. Kein Stein, kein Schaum, kein Wellengekräusel war mehr zu sehen. Gräser, Sträucher und Bäume standen dann Eis gepanzert oder waren dann mit glitzerndem Rauhreif überdeckt – gerauscht hat dann das Wasser auch nicht mehr. Dann war der Fall in einen Eisberg verwandelt. Dicke Eisschichten hingen an den Wände herunter; zu mancherlei sonderbaren Figuren war das Wasser im Fallen gefroren.
Zwergmännchen und Töchter meinte man zu sehen. Stundenlang konnte ich dann hier stehen, und es war kein Laut zu hören, nur vereinzelt schrie ein Vogel im Geäst, heulte ein hungriger Fuchs in den Felsen jenseits, und der Schlag einer Axt hallte durchs Tal. Unser schönster Vogel, der buntschillernde Eisvogel, gab sich dann auch hier ein Stelldichein. Trat aber Tauwetter ein, so war es mir, als hörte ich feines Klingen und Singen im Eis
Kam das aus den Eiszapfen, die wie Orgelpfeifen von dem Fels herabhingen und so dick wie die Osterkerze waren, oder stimmte man drinnen schon den Auferstehungschoral an?

DAS JAHR 1932

Schulangelegenheiten
In der Nacht vom 6./7. Oktober 1932 wurde in der Lehrerdienstwohnung ein Einbruch verübt. Der Lehrer weilte zu dieser Zeit in den Ferien in seiner Heimat an der Mosel. Die Diebe stiegen durch das Küchenfenster, welches nach dem Hofe zu liegt, in die Wohnung ein und stahlen Sachen im Neuwert von rund 2000 Mark. Unter anderem nahmen sie das gesamte Bettzeug mit. Die Schränke waren größtenteils entleert. Eine größere Anzahl amtlicher Schulblätter, die im Schreibtisch verwahrt wurden, war verschwunden. (Vielleicht wurden sie zum Einwickeln des Porzellan verwandt.) Der Schaden ist größtenteils durch Versicherungen gedeckt. Von den Tätern fehlt jede Spur, außer Fingerabdrücken. Die Nachbarn hatten von den Einbrechern nichts gemerkt. Die Sachen müssen wohl mit einem Fahrzeug fortgeschafft worden sein. In den Herbstferien wurden noch sechs weitere Lehrerdienstwohnungen im Hunsrück erbrochen.

Nach den Herbstferien wurden drei Kinder nach hier überwiesen. Zwei Mädchen namens Zorn wurden von der bekenntnisfreien Schule Duisburg-Meiderich überwiesen. Die Eltern, welche auch nach hier verzogen sind, erklärten, dass ihre Kinder nicht am Religionsunterricht teilnehmen dürften. Der Vater gibt sich als Kommunist aus und ist aus der katholischen Kirche ausgeschieden. Er hat auch die hiesige Schule besucht. Die Mutter ist protestantisch. Die Kinder sind somit vom Religionsunterricht befreit. Ein Zeitbild aus der Rückwanderung von der Großstadt zum Lande! Nun besuchen bereits sieben Kinder aus dem Industriegebiet die hiesige Schule. Neue schwere Aufgaben stehen dem Lehrer bevor. Für solche Fälle müsste der Gemeinde das Recht zustehen, dass sie die Aufnahme verweigern würde. Was ist es denn anderes, als eine Zellenbildung der Kommunisten in den Landgemeinden? Jedenfalls werde ich mich einer Zellenbildung im Ort, wie in der Schule mit allen Mitteln widersetzen.

Ortsangelegenheiten
Das Volk wird von einer Wahl in die andere getrieben. Eine Regierung löst die andere ab. Bezeichnend für das Zeitbild ist, dass auch an unserem Orte die Zahl der Nationalsozialisten steigt. Zwar findet keinen diesbezügliche Versammlung statt. Für den Beamten ist es nicht möglich, sich der nationalsozialistischen Bewegung anzuschließen, wenigstens nicht bis Mitte des Jahres. Er setzt sich damit der disziplinarischen Verfolgung aus.
Es kann unmöglich so weitergehen. Von Tag zu Tag steigt die Zahl der Erwerbslosen. Die Zahl der Kommunisten wächst – auch hier am Orte. Oh Gott bewahre uns vor Bürgerkrieg und einem Schicksal Russlands! Das Bürgertum schläft und erkennt seine Stunde nicht. Es liegt etwas in der Luft. Wann kommt der Retter? Nationale Männer nehmen den Kampf auf mit den terrorisierenden Kommunisten. Kein Tag vergeht, an dem nicht wenigstens 1/2 Dutzend Erwerbslose an der Türe um eine milde Gabe flehen. Täglich übernachten solche im Backhause. Eine traurige Weihnacht steht vor der Tür.