DIE JAHRE 1911 – 1920

DAS JAHR 1911

Wechsel der Lehrer
Durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 31. März 1911 ist der Lehrer Nink nach Wallersheim versetzt worden. Durch Verfügung vom 10. April 1911 wurde die einstweilige Verwaltung der hiesigen Volksschule dem Schulamtskandidaten Rock aus Wallerfangen übertragen.

Anschaffung einer neuen Fahne
Die Fahne unserer Kapelle war schlecht geworden. Es wurde deshalb im Juni von Herrn Vorsteher eine neue angeschafft. Weil man dabei den Herrn Pastor nicht zu Rate gezogen hatte, ließ dieser sich auch nicht bewegen, sie einzusegnen.
Die frommen Leute nahmen nun ihre neue Fahne auf der Wallfahrt mit nach Bornhofen und ließen sie dort von einem Pater einsegnen.
Die Fahne stammt aus der Vietor´schen Kunstanstalt Wiesbaden und kostet 68 Mark.

Hass und Zwietracht zwischen Zilshausen und Lahr
Am Fronleichnamstag kam es zwischen dem Herrn Pastor einerseits und dem Küster Philipp Hesser und dem Organisten Peter H. (Vater und Sohn) andererseits zu einem Streit, der sich immer mehr ausdehnte, so dass sich heute die genannten Gemeinden schroff gegenüberstehen.
Dem Herrn Pastor spielte der Organist nicht mehr gut genug und er versuchte ihn hereinzulegen, indem er bald in dieser, bald in jener Tonart sang.
Am Fronleichnamstage im feierlichen Hochamt machte er es auch so – und der Organist hörte plötzlich auf zu spielen. Auch die Order, die der Herr Pastor ihm sandte, konnte diesen nicht bewegen, wieder zu spielen. Ohne Orgelspiel wurde das Hochamt beendet. Als nun der Küster,
der Vater des Organisten, in die Sakristei kam, kam es zu einem Wortstreit und zu Auseinandersetzungen.
Nun ging die Fronleichnamsprozession nach Zilshausen. Der Organist leitete nicht den Kirchenchor. Teils ohne Gesang, teils mit unordentlichem Gesang kam die Prozession wieder in Petershausen an. Hier kam es noch einmal zu einem Wortstreit zwischen dem Herrn Pastor und dem Küster.
Küster und Organist legten ihr Amt nieder. Der Kirchenchor löste sich auf, hielt also zum Organisten.
Der Herr Pastor suchte sich zunächst einen neuen Küster. Ein solcher war bald gefunden, ein gewisser Adam Zilles aus Lahr. Auch ein Organist fand sich bald, ein gewisser Wagner aus Lahr, der Organist werden sollte, aber nicht ausgehalten hat. Aber dessen Musik war nicht zum Erbauen. Es bildete sich auch ein Kirchenchor aus Lahr.
Den Klingelbeutel schaffte man auch nach Lahr. Bisher wurde er von den Zilshausener Schulknaben getragen, jetzt tragen ihn Lahrer Schulknaben.
Bei der Feier der ersten heiligen Messe des neugeweihten Priesters aus Zilshausen musste ein auswärtiger Lehrer die Orgel spielen und den Kirchenchor leiten.
Auch der Lahrer Organist hielt nicht aus und dankte ab. Der frühere Organist ließ sich von Vorgängern des Herrn Pastors bewegen, die Orgel wieder zu spielen. Er leitete aber nicht den Kirchenchor – diesen leitet der Lehrer von Lahr.
Der neue Küster ist nicht so reinlich wie der alte. Überall hört man Klagen, dass die Kirche nicht mehr in dem Zustande sei wie früher. Weihnachten war noch kein Krippchen aufgestellt. Deshalb Spott auf der einen Seite, Hass und Zwietracht auf der anderen Seite.

Primizfeier in unserem Dorfe
Diese Jahr wurde der erste aus unserem Dorfe zum Priester geweiht. Es war PETER KETTER, Sohn des Schreinermeisters Peter Ketter. Am 19. August las er in der Kirche zu Petershausen seine erste hl. Messe. Eine schöne Feier folgte. Das ganze Dorf nahm Anteil. Die Häuser waren geschmückt und Ehrenpforten erbaut. Der Herr Pastor, seine beiden Vorgänger und Pfarrer aus den Nachbardörfer, sowie der Lehrer des Primizianten, der Lehrer des Dorfes und zwei andere Lehrer hatten sich zur Feier eingefunden. Die Feier dauerte bis zum Abend. Der hiesige Cäcilienverein trug einige schöne Lieder vor. Die ganze Gemeinde versammelte sich im Hause des Primizianten. Johann Hiester hielt im Namen der Gemeinde eine Rede und überreichte dem Neugeweihten Geschenke, gewidmet von der Gemeinde. Dann wurde Feuerwerk abgebrannt und unter dem Klange der Musik ein Fackelzug veranstaltet. Damit endete die Feier. Der Neugeweihte ist jetzt Kaplan St.-Josefs-Kirche zu Koblenz.
Bild vergößern

Der diesjährige Sommer
Seit Menschengedenken war hier noch nie ein solch heißer Sommer. Die Hitze hielt an und dauerte von Ausgang Juli bis Ausgang September. Es regnete selten und dann nur sehr spärlich. Beide Weiher des Dorfes trockneten aus. Auch sämtliche Ziehbrunnen, mit Ausnahme des Schulbrunnens, versiegten. Alles nahm das Trinkwasser am Schulbrunnen. Abends wurde oft bis 12 Uhr geschöpft – bis er leer war. In der Nacht sammelte sich jedesmal wieder Wasser. Aber morgens um 4 Uhr ging es schon wieder los. Jeder sorgte, dass er das notwendige Wasser für den Haushalt bekam.
In den sumpfigen Wiesen wurden sämtliche Pfützen aufgesucht, neue wurden gegraben, um das nötige Wasser für das Vieh zu erhalten. Infolge der Trockenheit gab es keinen Grummet, kein Gemüse und nur wenig Knollengewächse.
Der Preis der Kartoffeln stieg auf 6 Mark per Zentner. Das Gemüse wurde noch teurer. Ein kleiner Kopf Rotkappes kostete 60 Pfennige, der Zentner Weißkappes 10 Mark.
Der Bach trocknete beinahe aus. Infolgedessen konnte in der Mühle nicht gemahlen werden. Die Leute waren gezwungen, ihr Korn in Dampfmühlen zu bringen, wenn sie Mehl haben wollten. Die Gemeinde stellte an das Landratsamt die Forderung zum Bau einer Wasserleitung, wurde aber abgewiesen mit dem Bescheide, überall sei Wassermangel.
Eine Regierungsverfügung bestimmte, dass der Vormittagsunterricht nicht über 10 Uhr ausgedehnt werde und der Nachmittagsunterricht ausfalle. Die durchschnittliche Hitze betrug 35 Grad Celsius.

Einbruch in die Kirche zu Petershausen
In der Nacht vom 14. auf 15. September wurde in die Kirche eingebrochen. Der Dieb erbrach ein Sakristeifenster und drang in die Kirche ein. Er erbrach den Tabernakel, schändete ein Ziborium, verbog die Monstranz, nahm die Hostien und einen Chormantel und erbrach einen Opferstock. Den Chormantel fand man später in der Lehrerwohnung in Lahr, wo der Dieb übernachtet hatte; die Hostien wurden nicht mehr gefunden.
Der Dieb wurde später in Carden festgenommen. Er hatte mehrere Kirchendiebstähle begangen und wurde vom Strafgericht zu Koblenz zu viereinhalb Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust bestraft.

Anlage eines Pfarrgartens
Um das Pfarrhaus zu Petershausen wurde in diesem Herbste ein Garten angelegt und mit einer hohen und starken Mauer umgeben. Er ist mit schönen Obstbäumen bepflanzt worden.

DAS JAHR 1912

Der diesjährige Sommer
Der Sommer dieses Jahres war im Gegensatz zu dem des vorigen Jahres rauh und kalt. Anfang Juli waren einige schöne Tage. Er war sehr heiß, Roggen, Weizen und Gerste kamen gut ein. Da trat Regenwetter ein, und fast sämtlicher Hafer verdarb. Grummet gab es keinen, aber die Kartoffelernte fiel reichlich aus. Trotzdem es auch eine zeitlang regnete, herrschte doch noch Wassermangel.

Ein Einwohner des Dorfes berichtete dies der Königlichen Regierung und verlangte den Bau einer Wasserleitung. Es wurde nun oberhalb des Dorfes nach Wasser gesucht – aber keines gefunden.
Wenn die Erfahrung recht behält, haben wir in dem kommenden Winter mit starkem Schneefall zu rechnen, und dieser Ausgleich ist notwendig, da infolge der Trockenheit der letzten Sommer und des geringen Schneefalls noch allenthalben großer Wassermangel herrscht.

Vikariat Petershausen
Dieses Jahr ging ein schon über 100 Jahre lang gehegter Wunsch der Filiale Petershausen in Erfüllung. Es erhielt am 1. Oktober einen eigenen Herrn Pastor. Feierlich wurde er am genannten Tage von einer Anzahl Geistlichen und den zwei Gemeinden eingeführt.
Der Herr Pastor heißt Bertram Möhren. Er ist gebürtig aus Heimersheim bei Neuenahr und war zuletzt in Bous an der Saar als Kaplan tätig.

Ortsschulinspektion Petershausen
Durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 11. Oktober 1912 (II.Nr. 9645) ist der Herr Vikar Möhren in Petershausen mit der Ortsschulaufsicht über die Schulen von Lahr und Zilshausen betraut worden.

DAS JAHR 1913

Zentenarium
Am 10. März des Jahres waren es 100 Jahre seit der glorreichen Erhebung der Nation, der Stiftung des Eisernen Kreuzes und der Landwehr. Dieser Tag wurde in allen preußischen Gauen hochfestlich begangen. Am Montag den 10. März war Festgottesdienst mit Tedeum, woran sich sämtliche Schulkinder und der größte Teil der Erwachsenen der Pfarrei beteiligten. Um 9 Uhr fand die Schulfeier statt. Das Schulhaus war mit Fahnen und Kränzen geschmückt. Die Feier begann mit Gebet und Choral. Im Wechsel von Ausführungen des Lehrers und Vortrag von sechs passenden Gedichten des preußischen Volkes, seine Opferwilligkeit und sein Heldenmut in dem schweren Kampfe vorgeführt.
Durch Choral und Gebet wurde die Feier um 10 Uhr geschlossen. Der Tag war unterrichtsfrei.
Die ganze Feier hat so recht gezeigt, dass auch auf dem Hunsrück die Liebe zu König und Vaterland unter den Bewohnern tief ausgeprägt ist.

DAS JAHR 1914

Der Weltkrieg
Gleich nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Gemahlin in Sarajewo pflanzten sich von Mund zu Mund die Worte fort: „Das führt zum Krieg“. Am 31. Juli wurde über Deutschland der Kriegszustand verhängt. Dies wurde durchs Telefon gerufen und durch die Ortsschelle bekanntgemacht. Es läutete Sturm, und die Leute, die auf dem Feld beschäftigt waren, eilten nach Hause. Die beiden Landwehrleute Zilles Josef und Philippsen Peter mussten sich sofort nach Cochem begeben. Die Stimmung unter den Leuten war sehr verschieden – teils traurig, teils freudig.
Am 1. August abends wurde die Mobilmachung auf dieselbe Art und Weise wie der Kriegszustand verkündet. Der erste Mobilmachungstag war der 2. August (Sonntag). Die Krieger eilten zu den Waffen. Es mussten sich stellen:

Am 1. Mobilmachungstag: Hiester Jakob, Corneli Josef, Ebertz
Johann, Kochan Anton, Hammes Josef,
Oster Peter, Brodam Nikolaus, Wendling
Edmund, Wendling Johann, Weinem Anton,
am 2. Mobilmachungstag: Seul Anton, Häbler Josef,
am 3. Mobilmachungstag: Kneip Baptist, Pies Friedrich, Kipper
Johann, Hiester Philipp, Busch Jakob, Wendling Josef,
Schweitzer Peter
am 4. Mobilmachungstag: Meurer Josef, Häbler Peter, Weinem Kastor.

Alle mussten sich in Cochem, nur Weinem Anton in Andernach, stellen. Zwei, nämlich Brodam Nikolaus und Weinem Kastor, wurden als untauglich heimgeschickt. Auch zwei Kriegsfreiwillige hat unser Ort: Hesser Alois und Bremm Alois.

Aktiv dienen: Seul Heinrich, Pies Heinrich, Weins Peter, Wendling Friedrich,
Pies Johann, Pies Alois, Weinem Hermann.

Am 18./19./20. August ging der unausgebildete Landsturm nach Cochem zur Musterung.
Die ausgehobenen Rekruten wurden ungefähr zur selben Zeit wie gewöhnlich eingestellt.
Es waren: Pies Ignaz und Brodam Bernhard.
Letzterer wurde, weil zur Artillerie ausgehoben, etwas später eingestellt.
Ein Pferd der Gemeinde wurde eingezogen, selbiges gehörte der Witwe Häbler zu Petershausen. In der ersten Woche der Mobilmachung war Pferdemusterung. Aus hiesiger Gemeinde waren dort die Ackerer Theisen und Schuch – ihre Tiere wurden jedoch nicht eingezogen.
Wegen der großen Spionage wurden in allen Orten eine Ortswache gegründet, die alle verdächtigen Personen, die den Ort passierten, anzuhalten hatte und ihre Personalien feststellen sollte. Auch feindliche Luftschiffe und Automobile sollten beschossen werden. Nachdem dies ungefähr die zwei ersten Wochen der Mobilmachung durchgeführt wurde, hörte es auf. Ein Luftschiff überflog am 17. Oktober von Osten kommend die hiesige Gegend.
Die Stimmung in der Bevölkerung war zuversichtlich, als aber England in den Krieg eintrat, griff allgemeine Niedergeschlagenheit Platz, die aber bald durch Aufklärung seitens der Schule schwand.
In der Schule wurden die Kinder über das Wichtigste belehrt und die Ereignisse an Hand der Karte auf den Kriegsschauplätzen betrachtet.
Kriegsandachten wurden abgehalten, im Anfange auch in hiesiger Kapelle, die aber bald wegen zu schwachen Besuches eingingen.

In Treis wurde eine Jugendwehr gegründet. Auch die hiesige erwachsene männliche Jugend nahm dort an den Übungen teil, wurde aber bald wegen des weiten Weges und des schlechten Wetters davon befreit.
Da viele Arbeitskräfte das Dorf verlassen hatten, waren manche Einwohner in großer Not. Einer half dem anderen so gut es ging, und die Ernte wurde eingebracht. Zu diesem Zwecke bekamen die Kinder vom 4. bis 19. August Ernteferien. Nachdem sie wieder einige Tage die Schule besucht hatten, wurde die Oberstufe bis zu den Herbstferien beurlaubt.
Auch Liebesgaben wurden hier gesammelt. Aufgebracht wurden:
114 Pfund Schinken, 30 Pfund Butter, ein Korb voll Eier, zirka 40 Brote und 3 – 4 Zentner Äpfel.
Auch die Reichswollwoche im Dezember zeigte hier schöne Ergebnisse. Die Leute wurden auch bewogen, ihr Goldgeld umzutauschen. Abgesehen von dem, was einzelne Leute umtauschten in Geschäften und auf der Post in Kastellaun, wurden durch Pfarrer und Lehrer der Pfarrei 3000 Mark Goldgeld der Reichsbank zugeführt.
Die Lebensmittelpreise stiegen wie überall auch hier.
Während der Mobilmachung fuhren nur wenige Personenzüge. Die Züge fuhren langsam. Die Fahrten dauerten lange, und die Züge waren stets voll besetzt. Briefe, Karten und Zeitungen kamen auch jetzt noch erst am nächsten Tage.
Für die Kriegerfamilien ist gesorgt. Die Frau eines Kriegers bekommt hier im Winterhalbjahr monatlich 9 Mark, im Sommerhalbjahr 6 Mark, und jedes Kind unter 15 Jahren 6 Mark als Unterstützung ausgezahlt, so dass manche eine hohe Rente beziehen.

DAS JAHR 1915

Die Rekrutenmusterungen, die sonst gewöhnlich im März stattfanden, waren in diesem Jahr am 5. Januar. Am 9. und 10. Februar war in Cochem Musterung aller als krank oder untauglich abgeschickten Ersatzreservisten zur endgültigen Erledigung ihrer Militärangelegenheiten. Auch andere als dienstuntauglich abgeschickten Eingeforderten hatten sich zu stellen.
Am 17. Februar überflog wieder ein Luftschiff hiesige Gegend. Es wurde wegen des schlechten Wetters nur von einigen gesehen, aber von vielen gehört.
Nachrichten vom Kriegsschauplatz erfuhr man in der ersten Zeit des Krieges durch die Zeitungen. In letzterer Zeit erscheinen täglich „Kriegsdepeschen“, die an der Post angeschlagen werden und von den Leuten eifrig gelesen und besprochen werden.

Die Chronik wurde bisher geführt von Lehrer Nikolaus Rock. Er war am 18. August mit dem unausgebildeten Landsturm in die Musterung, wurde ausgehoben zur Fuß-Artillerie, machte dann die II. Prüfung (Notprüfung) in Koblenz und musste sich am 1. März stellen.
Am 1. März 1915 wurde College Rock zur Fahne einberufen und kam zur Infanterie nach Saarlouis. Mit der Vertretung wurde Lehrer Rosarius, (Schreiber dieser Chronik) betraut.
Derselbe hält den Unterricht wie folgt: Montags-, Dienstags-, Mittwochs-, Donnerstags- und Freitagsmorgens in der eigenen Schule zu Lahr und Montags-, Dienstags-, Donnerstags- und Freitagnachmittags sowie Samstagmorgen in der Schule zu Zilshausen.
Während der Zeit musste der ungediente Landsturm sowie die Neunzehnjährigen zur Musterung, wovon die meisten nach und nach des Königs Rock tragen mussten wie folgt:

als ungedienter Landsturm
Jakob Oster, Josef Wendling, Nikolaus Meinhard, der aber später wieder wegen Augenleiden entlassen wurde, ferner Johann Holzhauser, Peter Liesenfeld, Johann Pies I., Peter Hesser, Josef Morsch, der – nebenbei bemerkt – nur ein Auge hatte. Er wurde ausgebildet und nachdem er eine zeitlang auf einer Munitionsfabrik gearbeitet hatte in Braubach, kam er als guter Scharfschütze in den Schützengraben. Ferner Johann Kölzer, Kastor Weinem, Christian Eckes, Philipp Wendling –

als Rekrut
Josef Börschinger, Pies, Weinem Bernhard und Weins Josef, einige Zeit nachher Theisen, Arend, Pies Bernhard.

Wegen tapferen Benehmens vor dem Feinde erhielten folgende das Eiserne Kreuz II. Klasse:

Peter Schmidt Fußartillerie
Anton Seul Artillerie
Josef Häbler Artillerie
Friedrich Wendling Infanterie.

In russischer Gefangenschaft gerieten ein Sohn unseres Herrn Ortsvorstehers Matthias Josef Weins am 22.9.1915.
In französische Gefangenschaft gerieten folgende: Friedrich Pies, Philipp Hiester, Friedrich Wendling, Peter Meurer.

Den Heldentod fürs Vaterland starben: Jakob Busch am 27. November, Hubert Weinem, Nikolaus Wendling und am 7. Juni Josef Hammes, während kurz nachher sein Vater starb und sein Bruder, so dass große Trauer wie so oft in dieser Zeit auch die Familie betraf.
Da die englischen Neider sahen, dass unser geliebtes Deutschland mit Waffengewalt nicht niederzuringen sei, fassten sie den ruchlosen Plan, uns aushungern zu lassen, indem sie den deutschen Handel blockierten und lahmlegten. Daher war Deutschland in allem auf sich selber angewiesen, so dass alles sehr rar wurde. So wurden für Erbsen und Linsen pro Zentner 50 bis 70 Mark gezahlt, trotzdem der Ertrag in diesem Jahr als ein reichlicher angesehen werden kann.
Zu Anfang des Krieges wurden schon die sogenannten Brotkarten und das Ausmahlen des Getreides bis auf 80-85 % eingeführt. Beim Mahlen muss jeder seinen sogenannten Mahlschein bei sich haben, der beim Ortsvorsteher gestempelt sein muss und das Quantum in ein Mahlbuch eingetragen sein muss. Es steht jedem pro Tag ein halbes Pfund Brot zu, was für die Bauersleute bei der schweren Arbeit im Freien zu wenig ist und viele deshalb wieder Gerstenbrot dazu verarbeiten. Sehr schlecht ist es mit Fleisch und mit Fett bestellt, da nach einer Verfügung im vorigen Jahre die Schweine von über einem Zentner geschlachtet werden mussten, wobei auch viele Zuchtsäue waren. So machte sich die schlimme Folge davon jetzt geltend und die wenigen kleinen Ferkel erfuhren einen unerschwinglichen hohen Preis, so dass pro Stück schon für ein 6-8 Wochen altes Schweinchen 120 – 140 Mark gezahlt wurde. Den Höchstpreisen entsprechend, ist das nun eine unvergleichlich hohe Summe, weshalb die Bauersleute nicht mehr als für ihren Bedarf ziehen wollen. Der Butter-Höchstpreis beträgt 1,90 Mark pro Pfund, während in dem angrenzenden Kreis Simmern 2,30 Mark bezahlt wird, weshalb die Bewohner des hiesigen Kreises fast keine Butter bekommen, die nicht Viehhalter sind. Von Treis aus, wo es Leute gab, die ein halbes Jahr lang keine Butter gesehen hatten, erfolgten diesbezüglich Anzeigen, da viele hiesigen Bewohner dabei den Höchstpreis überschritten trotz Mahnung der Behörden, worauf Strafen erfolgten. Auch benutzen die Leute hierselbst die Butter zum Schmelzen wegen Fett- und Ölmangels. Um letzteren abzuhelfen, sind in unserer Gemarkung viele sogenannte „Kul-Felder“ und Rapsfelder angelegt, deren Stand ein sehr guter ist. Derselbe reift Ende Juni Anfang Juli und im Herbst, dann wird er auf die eine Stunde weiten Weges Mühle gebracht. Ein Zentner gibt etwa 18 Liter gutes Öl, wobei der Kuchen (ausgepreßt) als gutes Schweinfutter benutzt wird. Der Petroleummangel machte sich auch sehr bemerkbar, man behalf sich mit ganz kleinen Petroleumlämpchen – es wird sogar ein solches als „ewiges Licht“ in unserer Kirche vor dem Tabernakel verwandt. Auch Carbid und Kerzen und einzelne Spirituslichter werden benutzt.
Die meisten Häuser hatten im Winter schon sehr früh dunkel, teils überhaupt kein Licht, bis dank der hiesigen Ortsbehörde größere Mengen Petroleum schicken gelassen wurde, wodurch dem Lichtmangel (wichtig für die Viehställe) abgeholfen wurde.
Eine sehr große Preissteigerung erfuhr das Schuhwerk – ein Paar Schuhe früher 5 – 8 Mark, heute 30 und noch mehr Mark. Daher gehen einzelne Kinder mit vollständig zerrissenen oder Holzschuhen und außerhalb der Schule mit nackten Füßen, was einer großen, armen Familie gar nicht zu verdenken ist.
Sehr groß ist der Seifenmangel, fast gar nicht ist der Artikel erhältlich oder gegen 5 bis 6 facher Preissteigerung. Es behelfen sich die Leute mit ausgelaugter Asche, die die Wäsche gut reinigt oder man hat (durch mich darauf aufmerksam gemacht) selber Schmier- und harte Seife als Notbehelf gemacht. Da nahmen wir 10 l Regenwasser, ein Pfund geriebene harte Seife, Benzin, Seifenpulver, Persil und ließen das Gemisch 10 Minuten kochen – ähnlich die harte Seife. Der Versuch war lohnend, natürlich fehlte der nötige Fettgehalt.
Alle Lebens- und Haushaltungsmittel erfuhren so eine gewaltige Preissteigerung. Milch, die sonst hiesiger Orts 10 – 12 Pfennige das Liter kostete, kosten jetzt 22 Pfennig. Eier früher 6 Pfennig pro Stück, jetzt 23 – 26 Pfennige. Die hiesige Gegend wird von Aufkäufern solcher Art und für Butter rein überschwemmt, die auch die Preise machen.
Oftmals fand ein Aufnahmebestand von Kartoffeln, Heu, Stroh, Runkelrüben, Kohlraben, Zucker statt, ebenso für Vieh und schlachtreifes, fettes Vieh. Selbiges mussten die Eigentümer selbst nach Cochem bringen, wo sie aufs Schlachtgewicht den Höchstpreis dafür erhielten: so Morsch Zilshausen, Haebler Petershausen und einige andere.
Das über den Bedarf vorgefundene Heu musste nach Kastellaun gefahren werden. Für Runkelrüben wurde pro Zentner 3,50 Mark, für Kohlraben 4 Mark bezahlt.
An den Liebesgabensammlungen sowie an den Kriegsanleihen hat sich der Ort stark beteiligt. Ich, Schreiber dieser Chronik, sammelte bei der IV. Kriegsanleihe von den Kindern 2999 Mark, was für dieses armes Hunsrückdörfchen ein großes vaterländisches Interesse an den Tag legte.
Der Sommer 1915 war ein sehr trockener, so dass die Leute gezwungen waren, wegen der furchtbaren Strohknappheit, die Eichen ihrer Blätter zu berauben, was noch sehr viele Protokolle zur Folge hatte.
Es wurden eiserne 5- und 10-Pfennigstücke geprägt und eingeführt, die aber wegen ihrer Oxydierung die Gunst des Volkes nicht erhalten können, da sie sehr leicht mit den 1- und 2- Pfennigstücken verwechselt werden können.
Die reichlichen Sammlungen hiesiger Orts beweisen die Vaterlandsliebe der Ortseingesessenen:

I. Sammlung: 91 Mark
II. Sammlung: 3 Säcke Brot, je eine Kiste Äpfel, Fleisch, Butter, Eier
III. Sammlung: 3 Körbe Unterkleider, 3 Kisten Zigarren
IV. Sammlung: 9 Säcke Wollsachen
V. Sammlung: 30 Mark
VI. Sammlung: 10 Mark für Wohlfahrtskarten
VII. Sammlung: 7 Flaschen Wein, 1 Eimer Gelee, 2 Mark, 1 Sack getrocknetes Obst

Die Ölknappheit ist hiesiger Ort entgegengearbeitet worden durch die vielen „Kulanpflanzungen“ – rechnet man doch auf 60 Pfund „Kul“ 11 bis 12 Liter Öl. Diese kosten beim Ankauf desselben 18 Mark und man hat auch noch die sogenannten Ölkuchen für das Vieh.
Von schwerem Unglück wurde eine Familie Hammes heimgesucht. Der Vater starb einen Monat vor dem Kriege. Ihm folgte während des Krieges sein Frau, ein 38 jähriger Sohn – und der jüngste Sohn starb den Heldentod. Überhaupt hat die Sterblichkeit der alten Leute im Kreis sehr zugenommen.
Man sieht fast nur alte Leute, Frauen und Kinder bei den Feldarbeiten. Sonderbarerweise haben Bemühungen um Einstellung von Kriegsgefangenen bisher keinen Erfolg gehabt. Am 3. Juni 1916 wurden auf dem Petershäuser Hof zwei Kriegsgefangene Russen eingestellt, die aber nach 14tägiger Arbeit wieder das Weite suchten.
Am 1. Juli sollten die Heuferien beginnen. Wegen voraussichtlich schöner Witterung begannen dieselben 8 Tage früher. Nun regnete es leider während der ganzen Ferien und noch bis zum 18. Juli, so dass zwar sehr viel Heu aber schlechtes Heu gab.
Jetzt fing ein trockener Monat an, der bis zum 19. August dauerte. Selbiger war zwar für die Reife der im allgemeinen gut stehenden Frucht von großem Nutzen, setzte aber alle Gewächse, namentlich die Frühkartoffeln, zurück.
Der Ertrag der Körner ist allgemein mit gut zu verzeichnen. Stroh gibt es gegen voriges Jahr sehr viel.
Die Höchstpreise sind folgende:

Frühkartoffeln pro Zentner: 5,50 Mark
Roggen: 11,50 Mark
Weizen: 13,50 Mark
Hafer und Gerste: 15,50 Mark

Im allgemeinen herrschte eine sehr ungünstige Witterung – sehr viel Regen. Infolgedessen ist die Kartoffelernte ziemlich schlecht ausgefallen. Es waren sehr viele Sträucher ausgeblieben und sehr viele Kartoffeln gefault.
Die Gemüse sind sehr gut geraten, namentlich Kappes und Wirsing. Die Kartoffeln mussten alle abgegeben werden, bis auf das zustehende Quantum von 1, 1/2 Pfund pro Tag. Keine Kartoffeln dürfen verfüttert werden mit Ausnahme derjenigen, die zur menschlichen Ernährung nicht mehr geeignet sind. Der Preis für dieselben ist 4 Mark pro Zentner. Die Runkelrüben- und Kohlrabenernte waren sehr gut. Der Preis für letztere war 3,80 Mark, wurde aber auf 2,50 Mark herabgesetzt.
In Treis bei Kaufmann Born wurde eine Buttersammelstelle errichtet. Für 1 Pfund erhalten die hiesigen Ortseingesessenen 2,10 Mark – beim Hinbringen nach Treis 2,20 Mark. Jede Woche freitags wird selbige hier abgeholt. Anfangs haben die Bauersleute hier nicht recht mitgezogen,
der Preis schien ihnen zu gering, jetzt geht es schon besser. Auf Butterkarten hin bekommt jederman pro Woche 90 Gramm.
Am 11. September 1916 starb den Heldentod fürs Vaterland ein hiesiger Sohn, der noch zwei Jahre bei mir in der Schule war und jedem jungen Mann als Muster dienen konnte. Die Trauer bei dessen Exsequien am 20. 9. war allgemein. Er war die einzige Stütze seiner armen alten Eltern. Es war der Jakob Haupt, geb. am 26.1.1896 hierselbst. Er ruhe in Frieden!
Zum reinsten Sport ist das Haselnußsuchen und Bucheckernauflesen geworden, deren Ernte gerade dieses Jahr eine sehr reiche war. Dieselben werden meist zur Ölgewinnung benutzt. Auch die hiesige Schule beteiligt sich sehr eifrig am Sammeln von Bucheckern. Der Fleiß der Kinder wird mit 0,25 Mark pro Pfund bezahlt. Auch die Erwachsenen beteiligen sich mit regem Wetteifer an der Sammlung. Es gibt Ortseingesessene, die durch Zusammenkehren, Sieben, in der Windmühle bearbeiten und abends im Kreise der Familie auslesen drei Zentner gesammelt haben. Hier wurden die Bucheckern beschlagnahmt, der Fleiß jedoch mit 0,25 Pfennig pro Pfund bezahlt. Zum Selbstverbrauch durfte ein jeder nicht über 50 Pfund zu Öl schlagen lassen. Es wird auf ein Simmer ( =25 Pfund) 3 – 4 Liter feines Salatöl gerechnet.
Am 4. September wurde College Rock, Lehrer des hiesigen Schule, durch 4 Granatsplitter verwundet.
Herr Kaplan Ketter, Sohn vom Schreinermeister Peter Ketter, erwarb sich in Freiburg den Doktor-Titel und kam als bischöflicher Kaplan am 2. 9. nach Trier.
Am 16. 9. überflog ein Flieger (Eindecker) zur Freude der Jugend und Bewunderung der Erwachsenen den hiesigen Ort.
In dieser Zeit kam auch das Gesetz über die sogenannte Hausschlachtung auf. Zuerst musste man unter Angabe des Gewichtes des Schlachttieres, sowie der Mitglieder des Haushaltes, ein Gesuch einreichen. Nach Genehmigung desselben wurde geschlachtet und das Tier durch einen Fleischbeschauer (Clotten) besichtigt.
Auf den Kopf der Bevölkerung wurde pro Woche 1 Pfund, für Kinder 1/2 Pfund gerechnet, gegenüber den Nichtselbstzüchtern 1/2 Pfund bzw. 1/4 Pfund pro Woche.
Es wurde auch eine freiwillige Fleischabgabe zum Nutzen der Arbeiter in den Industriegegenden (Saarbrücken) veranstaltet.
Am 18. September wurden Julius Gräff 19 Jahre, Theodor Mies 19 Jahre alt und Peter Lang 20 Jahre alt eingezogen. Am 3. August wurde Anton Brodam eingezogen, ebenso Aloys Meurer. Am 6. Oktober wurde Friedrich Zilles eingezogen.
Im hiesigen Ort sind auch zwei Russen als Gefangene als Arbeiter in der Landwirtschaft tätig: einer bei Geschwister Wendling, der andere bei Friedrich Jakob Pies, der selbst in französischer Gefangenschaft ist.
Am 1. Dezember wurden Johann Kochhan, Josef und Johann Schug sowie Meinhardt, der schon einmal wegen Augenkrankheit entlassen war, eingezogen.
Bernhard Brodam, Sohn von Witwe Brodam, erhielt wegen besonderer Tapferkeit das „Eiserne Kreuz“. Er wurde am 23. September durch Kopfschuss schwer verwundet und liegt in Lüdenscheid bei Essen im Lazarett.
Am 16.10. fand hier ein feierliches Begräbnis statt. Man brachte den auf dem Felde der Ehre verwundeten, im Lazarett zu Bingen, nachdem ihm ein Bein amputiert worden war, verstorbenen Anton Wendling (22 Jahre alt) zu Grabe. Ihm war schon ein Bruder auf dem Felde der Ehre vorausgegangen, während der dritte Sohn der Witwe Wendling noch an der Front weilt. Die Teilnahme war allgemein und rührend.

DAS JAHR 1918

Schulangelegenheiten
Anfang November übernahm die Bewerberin Frl. Julianne Bähner aus Niederwerth die Verwaltung der hiesigen Schule. Damit erlosch die Mitverwaltung durch Herrn Lehrer Rosarius aus Lahr.
Am 1. Dezember übertrug die Regierung dem Bewerber Josef Böcking aus Weißenthurm am Rhein die Verwaltung der hiesigen Stelle. Da er erst am 2. Dezember infolge Demobilmachung aus dem Heeresdienst entlassen wurde, konnte er erst am 3. Dezember die Stelle antreten.

– Die Chronik wird von jetzt an von ihm geführt. –

Herr Lehrer Rock fiel am 24. April 1918 in treuer Pflichterfüllung als Zugführer vor dem Feinde.
Infolge des Krieges boten die Schulverhältnisse in Zilshausen ein trauriges Bild. Das Schulhaus war in einem schlechten Zustand. Die Fensterscheiben waren zum großen Teil zertrümmert, die Türen aus der Angel gerissen, die Türschlösser zum Teil zerstört. Von den Wänden waren die Tapeten gerissen, die Wände mit allen möglichen Hieroglyphen bemalt. Auf den Boden lag stellenweise bis zu 50 cm hoch Schmutz und Unrat, Laubheu, Stroh, keimende und faule Kartoffeln und dergleichen mehr. Das ganze machte den Eindruck einer Räuberhöhle. Nicht viel besser sah es mit der Schulbildung der Kinder aus. Es waren Kinder da, besonders in den ersten fünf Schuljahren, die ihre eigene Handschrift nicht mehr lesen konnten. Im Rechnen hatten sie nur schwache oder gar keine Begriffe. Lesen und Auswendiglernen machte ihnen große Mühe. Von Rechtschreiben und Sprachlehre hatten die Kinder überhaupt keine Ahnung, so dass ihr schriftlichen Arbeiten voller Fehler wimmelte. Das erste Schuljahr stand erst an dem Normalwert „Schaf“ und konnte nicht mit den Zahlen 1 – 5 rechnen.

Ortsangelegenheiten
Am 11. November wurde dem gewaltigen Blutvergießen ein Ende bereitet. Deutschland unterzeichnete einen Waffenstillstand, der die Räumung des besetzten Gebietes und des eigenen Landes bis über das rechte Rheinufer bestimmte. Die durch die Revolution am 9. November gebildete Regierung ordnete die Demobilisierung der linksrheinisch beheimateten Truppen an. Infolgedessen kehrten auch die Männer des Dorfes wieder, die in treuer Pflichterfüllung ihr Bestes zur Verteidigung der Heimat hergegeben hatten.
So traurig die Lage Deutschlands durch den militärischen Zusammenbruch und die großen inneren Umwälzungen sich gestaltet hatte, so bildete die Heimkehr der tapferen Krieger für das ganze Dorf und besonders für die betreffenden Familien ein Freudenfest.
Gefallen sind:
Jakob Busch, Lehrer Rock, Hubert Weinem, Nikolaus Wendling, Josef Hammes, Anton Seul, Julius Kneip.
Gestorben im Lazarett:
Anton Wendling, Johann Pies
Vermißt sind:

In französischer Gefangenschaft: Josef Bierschinger, Josef Arend,
In englischer Gefangenschaft: Fritz Pies, Philipp Hiester, Peter Meurer,
Fritz Zilles, Peter Lang, Fritz
Wendling, Joh. Baptist Kneip,
In russischer Gefangenschaft: Johann Pies

Anfang Dezember kamen die ersten amerikanischen Truppen durch den Ort. Von da ab bis zum 20. Dezember fuhren Tag für Tag größere amerikanische Autokolonnen hier durch. Ein interessantes Ereignis für die Jugend – der Ruin für die ohnehin schlechten Wege.

DAS JAHR 1919

Schulangelegenheiten
Am 20. Januar wurde die hiesige einklassige Schule in eine Halbtagsschule umgewandelt. Die Kinder saßen bis dahin in den Bänken so eng beisammen, dass sie weder schreiben noch zeichnen konnten.

Ostern 1919 wurden entlassen: 1 Mädchen, 7 Knaben.
Neuaufnahme: 11 Mädchen, 9 Knaben

Die Gesamtzahl der Schüler und Schülerinnen beträgt 92.

Seit dem 10. Februar 1920 war für die Schule in Zilshausen ein Lehrer Otto Cüas aus Gay im Osten (aller Wahrscheinlichkeit nach aus Posen) ernannt, weshalb der Schulamtsbewerber Böcking die Stelle verlassen musste. Seit dem 23. Februar bis zum 25. März verwaltete Lehrer Rosarius aus Lahr die Schule, da der erwähnte Kollege Cüas unterdessen gestorben war.

Ortsangelegenheiten
Das Wahlergebnis zur deutschen Nationalversammlung am 19. Januar war folgendes:
Von 200 Wahlberechtigten wurden 185 Stimmen für das „Zentrum“ abgegeben. Die anderen Parteien erhielten keine Stimme.
Den selben Erfolg hatte die Wahl zur preußischen Landesversammlung am 26. Januar. Wahlberechtigt 197 – davon 183 Stimmen für das „Zentrum“.

Das Frühjahr war lange kalt. Bis Anfang Mai war ständig kalter Regen abwechselnd mit häufig starkem Schneegestöber. Von Mitte Mai bis Ende Juni setzte dann eine trockene Hitzeperiode ein. Infolgedessen trocknete das Gras allzu schnell, so dass die Heuernte mäßig ausfiel. Ende Juni stand der Hafer noch sehr ungünstig. An den besten Stellen standen die dürren Pflänzchen nicht höher als 10 cm. Dann setzte eine ergiebige Regenzeit ein, so dass Hafer und Gerste sich erholten und eine gute Ernte in Aussicht steht.
Für die Nachwelt wird es interessant sein, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte in der Jetztzeit zu kennen, soweit sie dem Schreiber der Chronik bekannt sind:
Ein Ei, das man vor Ausbruch des Krieges mit höchstens 10 Pfennig bezahlt hat, kostet heute (Juli 1919) 1,10 Mark bis 1,20 Mark. Butter früher 0,80 Mark bis 1,00 Mark kostet jetzt 10 Mark, nachdem sie bis Anfang Juli 15 und 16 Mark kostete. Der Zentner Heu kostet 50 Mark, ebenso Hafer und Gerste. Auch die Viehpreise sind äußerst hoch.
Sechs Wochen alte Ferkel früher 9 Mark heute 300 Mark. Ein paar kräftige Fahrochsen werden mit 6000 Mark bezahlt.

Am 8. Juli ging ein schweres Gewitter über dem Dorfe nieder, begleitet von einem wolkenbruchartigen Regen. Schaden wurde keiner angerichtet. Der Blitz schlug in das Nachbarhaus der Schule (Peter Liesenfeld), ohne größeren Schaden zu verursachen.

DAS JAHR 1920

Schulangelegenheiten
Zum 1. April 1920 wurde der Lehrer Alfred Schneider aus Bukowice, Bezirk Posen, nach Zilshausen versetzt, der von diesem Zeitpunkt an die Chronik führt.
Die Schulgebäude nebst Garten befanden sich in einem traurigen Zustand. Die Lehrerwohnung war unbewohnbar und musste erst 14 Tage lang instandgesetzt werden. Der Lehrer wohnte während dieser Zeit für schweres Geld im Gasthaus Lang, ohne von der Gemeinde entschädigt zu werden.
Der Schulgarten, ohne Zaun, war ein öder, mit Steinen bedeckter Grasplatz. Der Gartenzaun wurde erst nach 4 Monaten hergestellt. Nach 5 Monaten wurde auch das vollkommen verfallene Stallgebäude renoviert.
Das übelriechende Pissoir wurde auf meinem Antrag aus dem Hofe entfernt und an die Gartenseite des Gebäudes verlegt. Zur Verlegung der Schulaborte an dieselbe Stelle war der Gemeindevorstand bis jetzt noch nicht zu bewegen.
Die Anzahl der Schulkinder betrug bei meinem Amtsantritt 82 (1. April 1920). Eine zweite Lehrerstelle kann wegen des Widerstandes der Gemeinde nicht eingerichtet werden.
Im Sommerhalbjahr 1922 musste Herr Lehrer Schneider krankheitshalber beurlaubt werden. Obgleich die Zahl der stellenlosen Junglehrer so groß ist, dass man von einer Junglehrernot spricht, wird kein Vertreter für Zilshausen ernannt. Anscheinend läßt die Gemeinde sich nicht dazu herbei, die Vertretungskosten für einen Kandidaten zu bezahlen.
Nachdem wochenlang überhaupt kein Unterricht erteilt worden war, erhielt Lehrer Kraus, Korweiler, von der Regierung Coblenz den Auftrag, die Schule in Zilshausen mitzuverwalten. Zilshausen, dass wegen seiner hohen Schülerzahl Halbtagsunterricht eingerichtet hat, hat jetzt wöchentlich nur 16 Stunden Unterricht !!

Ortsangelegenheiten
Die im Laufe des Krieges in Gefangenschaft geratenen Zilshausener sind nach meinem Wissen jetzt alle in die Heimat zurückgekehrt.
Der Vertrag von Versailles ist zwar unterzeichnet und der Friede geschlossen, von friedlichen Verhältnissen ist aber noch nichts zu sehen. Die Entente hält die linksrheinischen Gebiet besetzt. Die Engländer sitzen in Köln, die Amerikaner in Coblenz, die Franzosen südlich davon. Zeitweise waren die Letzteren sogar in Frankfurt am Main. Die Ententetruppen, reichlich besoldet, verteuern die Lebenshaltungskosten ungeheuer, so dass die besetzten Gebiete die teuersten des Reiches sind. Von der allgemeinen Teuerung kann man sich keinen Begriff machen. Ein Anzug kostet z. B. 2000 – 3000 Mark, ein Paar Schuhe 350 Mark.
Die Lebensmittelpreise sind entsprechend: Ein Ei 2,10 Mark, ein Pfund Butter 33 Mark, ein Pfund Rindfleisch 12 Mark. Schweinefleisch ist seit Freigabe des Handels überhaupt nicht zu haben.

Die Preis sind weiter im Steigen begriffen, das Ende ist nicht zu übersehen.

Der Sommer war in diesem Jahr außerordentlich trocken. Gerste und Hafer waren sehr schlecht. Das Wintergetreide ergab eine mittlere Ernte, die Kartoffeln ebenfalls.