DIE JAHRE 1894 – 1900

DAS JAHR 1894

Naturereignisse
Am 2. Juli schlug der Blitz in den Turm der Ortskapelle, ohne zu zünden. Es wurden bloß einige Schiefern abgerissen. Dann ging der Blitz den Dachkendel entlang in die Erde.

Personalveränderungen
Der Lehrer Schmitz wurde halsleidend und daher vom 23. April bis 17. September von dem Schulamtskanditaten Johann Bauer aus Lauschied vertreten.
Am 1. Oktober wurde der Herr Pastor Willems nach Weißenthurm versetzt und wir erhielten Herrn Pastor Jakob Bender. Derselbe war vorher Kaplan in Wetzlar und ist gebürtig aus Moselweiß.

Der Schulunterricht
An Stelle des Herrn Willems wurde Herr Pastor Bender Lokalschulinspektor. Derselbe übernahm auch wieder, wie früher Herr Pastor Entenbach, wöchentlich eine Stunde den Religionsunterricht. Die andere Stunde erteilte der Lehrer.

Ackerbau und Viehzucht
Die Schweinezucht, das Halten von Zuchtschweinen und Zuchteber, war im Jahr 1889 als unrentabel eingegangen. Im Frühjahr 1894 wurde wieder ein Schweinehirt gedungen und Zuchtschweine angeschafft.

Krankheiten
Schon im Herbste und Sommer des Jahres 1893 war in den Ortschaften Beltheim und Buch die Diphteritis epidemisch aufgetreten. Viele Kinder starben an dieser mörderischen Kinderkrankheit.
Da, im März 1894, erkrankten in den Häusern Nr. 1 und 2 fast gleichzeitig je ein Kind. Beide starben nach wenigen Tagen, ohne dass sich die Diphteritis weiterverbreitete. Die Geschwister der noch nicht schulpflichtigen Kranken wurden vom Schulbesuche ausgeschlossen und die Eltern auf die Gefahr der Ansteckung aufmerksam gemacht.
Ob es nun diese Vorsicht oder die gesunde Lage Zilshausens war, welche die Weiterverbreitung der Krankheit verhinderte, bleibt dahingestellt. Jedenfalls scheint Zilshausen für Epedemien nicht empfänglich zu sein, denn soweit sich die ältesten Leute erinnern können, ist eine solche hier nicht aufgetreten. Nur sind im Jahre 1873 einige Leute an der Ruhr erkrankt, wovon jedoch nur einer starb.
DAS JAHR 1895

Es verlief ohne nennenswerte Ereignisse!

DAS JAHR 1896

Naturereignisse
Der Frühling bis zum Frohnleichnamsfeste war recht trocken. Es drohte Futtermangel eintreten zu wollen. Von Frohnleichnamstag ab aber fiel so reichlich Regen, dass das Jahr 1896 als ein gutes Futterjahr bezeichnet werden muss. Das Getreide, die Kartoffeln usw. wurden aber infolge der Nässe schlecht trocken eingeerntet. Hafer und Gerste sind vielfach verdorben.

Krankheiten
Um die Zeit von Pfingsten brachen hier die Masern aus. Kaum war diese Epidemie erloschen, so folgte der Scharlach. Beide Krankheiten traten in sehr bösartigem Charakter auf. Nur wenige Kinder blieben davon verschont. Eigentümlich war, dass nach bestandenem Scharlach bei vielen Kindern die Nieren-Wassersucht als Folge des Scharlachs eintrat. Es starben im ganzen 8 (acht) Kinder an diesen Krankheiten.

Als die Zahl der erkrankten Schulkinder auf 63 gestiegen war, wurde durch landrätliche Verfügung die Schule auf drei Wochen geschlossen. Die Erkrankungen dauerten bis in den Oktober hinein. Der Unterricht wurde durch den mangelhaften Besuch der Schule beeinträchtigt.

Personalveränderungen
Der Lehrer Schmitz suchte bei der königlichen Regierung nach, ihn wegen seiner Disposition zu Halsleiden von der schweren Schule zu Zilshausen nach der leichteren Schule zu Lahr zu versetzen. Die Lehrerstelle zu Lahr sollte nämlich am 1. November des Jahres, weil der dortige Lehrer Gref in den Ruhestand trat, vakant werden. Lehrer Schmitz wurde daher, seinem Antrag gemäß, vom 1. November zum Lehrer von Lahr ernannt und soll diese Stelle demnächst antreten. – Zilshausen, den 26. Oktober 1896, Schmitz, Lehrer –

Wechsel in den Lehrpersonen
Am 1. November 1896 wurde an der hiesigen Schule der Lehrer Friedrich Hart definitiv ernannt. Derselbe ist geboren am 2. Dezember 1865 zu Kirchberg im Kreise Simmern, besuchte zwei Jahre die königliche Präparandenanstalt zu Simmern und trat Ostern 1885 in das Seminar zu Münstermaifeld ein. Ostern 1888 entlassen, wurde derselbe provisorisch an der Schule zu Daun im Kreise Adenau angestellt und 1890 nach Ablegung der II. Prüfung In Boppard seitens der Kngl. Regierung definitiv bestätigt. Am 1. November wurde er an die hiesige Schule versetzt. — Hart, Lehrer –

Pensionsverrechnungsfähiges Einkommen am 1. November 1896
Am 16. Sept. 1893 wurde das Einkommen der hiesigen Schule durch eine neue Kompetenz festgelegt. Der Staatszuschuss ist in Wegfall gekommen und so stellt sich das pensionsanrechnungsfähig Einkommen der Schulstelle wie folgt dar:

1. Bare Besoldung aus der Gemeindekasse 1035 Mark
2. Wohnung zum Mietwerte von 120 Mark
3. Taxfreies Bürgerlos 15 Mark

1170 Mark

Die Kompetenz ist unterzeichnet seitens des Bürgermeisters Daniels zu Treis und der Gemeindevertretung Pies, Zilles, Pies II, Brodam und Rang sowie dem Schulvorstande Pies I und Pfarrer Willems. Es haben ferner unterzeichnet der Kngl. Kreis-Schulinspektor Hr. Hermans und der Lehrer Schmitz unter folgendem Vorbehalt:
„Gesehen und anerkannt, ohne jedoch auf die durch Gemeinderatsbeschluss mir bewilligte und durch die Königliche Regierung zu Koblenz unterm 19. März 1890, 11 I. N: 2215 genehmigte persönliche und pensionsfähige Gehaltszulage zu verzichten“.
Da aber bei der damaligen Gehaltsregelung sämtliche persönliche Zulagen wegfielen, hat der Lehrer Schmitz die Kompetenz später doch anerkannt unter Zurücknahme obigen Vorbehalts, so dass die Kompetenz am 26. April 1895 seitens der königlichen Regierung genehmigt werden konnte. – Hart, Lehrer –

DAS JAHR 1897

Geburtstagsfeier seiner Majestät

Am 27. Januar 1897 wurde der Geburtstag seiner Majestät in festlicher Weise begangen. Unter Anlei-

tung des Lehrers hatten die Kinder einen kleinen Beitrag zur Anschaffung einer Fahne gesammelt. Die Fahnenstange wurde von Schreinermeister Ketter gratis hergestellt.

Früh morgens wurde nun die neue Fahne auf dem Dache des Schulhauses angebracht und begrüßten die Kinder dieselbe durch laute Hurarufe.
Punkt neun Uhr versammelte sich Groß und Klein im Schulsaale und verlief die Feier in schönster Weise. Lieder und Deklamationen wechselten gegenseitig ab und am Schlusse der Ansprache des Lehrers erscholl ein donnerndes Hoch. Es wurde dann die Nationalhymne gesungen, und nachdem ein Gebet für den Kaiser gesprochen war, hielten die Kinder die üblichen 10 Wecke.
Die ganze Feier hat so recht gezeigt, dass auch auf dem Hunsrücken die Liebe zu Kaiser und Reich unter den Bewohnern tief ausgeprägt ist.

Bild vergößernKaiser Wilhelm II.

Der Winter 1897
Am 14. Dezember fiel der erste Schnee, der schon nach acht Tagen verschwand. Dann trat Regenwetter ein. Der Sturm nahm zu, und als der Regen nachließ und durch eintretende Kälte Schneefall eintrat, entstanden die ungeheueren Schneewehen, welche den Verkehr hemmten. Täglich wurde seitens der Bewohner die Poststraße freigeschaufelt. Jedoch der Wind machte die Arbeit zu Schanden.
Lichtmeß trat Regenwetter ein und die gewaltigen Schneemassen, stellenweise bis zwei Meter hoch, verschwanden schnell. Die Mosel zeigte ungeheueres Hochwasser. Im übrigen ist der Winter 1897 gelinde zu nennen. Schwache Fröste, große Niederschläge.

Der 18. März 1897
Nach Rudolf Falb’s Wetterprophezeiungen sollte der 18. März 1897 ein kritischer Tag erster Ordnung, der stärkste des ganzen Jahres, sein.
Den ganzen Tag wehte ein heftiger Westwind, das man aber keineswegs kritisch nennen konnte, da dies häufig vorkommt. Gegen 4 Uhr zeigte sich tiefschwarzes Gewölk am westlichen Himmel, der Sturm nahm zu und ein fürchterlicher Platzregen mit Hagel vermischt, trat ein. Dazu ein gewaltiger Orkan, dass freistehende dicke Bäume wie ein Streichhölzchen durchgeknickt wurden.
An der Saat ist nur dort Schaden zu verzeichnen, wo das Wasser die Felder überschwemmte. Das Wetter dauerte ungefähr 15 Minuten.

Centenarfeier
Am 22. März des Jahres waren es 100 Jahre, seit der hochselige Kaiser Wilhelm I das Licht der Welt erblickte. Dieser Tag wurde in allen Gauen Deutschlands, ja überall, wo nur Deutsche wohnten, hochfestlich begangen. Am Sonntag den 21. war Festgottesdienst, woran sich alle Kinder beteiligten. Montag den 22. fand die Schulfeier statt.
Das Schulhaus war mit Fahnen und Kränzen festlich geschmückt. Der Verlauf der Feier war ähnlich der Geburtstagsfeier Sr. Majestät vom 27. Januar. Nach beendigter Feier wurden den Kindern Wecke verabreicht.
Der Dienstag war zu Volksbelustigungen bestimmt. In den meisten Gemeinden wurden dem Volke freie Getränke verabreicht. In der Bürgermeisterei Treis fand dies nicht statt, da die Bürgermeisterstelle z.Z. verwaist war und somit niemand die Sache anregte.

Bürgermeister-Wechsel
Am 8. März 1897 starb zu Treis der Bürgermeister Herr Johann Josef Daniels. Derselbe war geboren am 22. April 1844 zu Mühlheim bei Blankenheim in der Eifel. Mit dem 1. April 1881 wurde er zum Bürgermeister von Treis ernannt und hat somit der Bürgermeisterei ungefähr 16 Jahre vorgestanden.
Am 1. April desselben Jahres wurde der Herr Bürgermeister Simonis eingeführt. Derselbe ist gebürtig aus Treis und war früher Bürgermeister in Prüm.

Errichtung des Kreuzweges in der Ortskapelle
Die Bewohner von Zilshausen gingen alljährlich während der Fastenzeit nach Petershausen zum Beten der Kreuzandacht. Es war daher ein Bedürfnis, solche Stationen auch hier zu beschaffen. Durch freiwillige Beiträge kam eine Summe zusammen, welche die Anschaffung ermöglichte. Die Bilder sind von Friedrich Pustet in Regensburg bezogen worden. Die Rahmen hat der Schreinermeister Peter Ketter von hier angefertigt. Am Palmsonntage 1897 wurden die Stationen seitens des Herrn Pastors Bender, Lütz, eingesegnet und der Kreuzweg errichtet. Die Stationen kosten rund 83 Mark 50 Pfennige.

Neubau eines Pfarrhauses
Es ist ein schon längst gehegter Wunsch der Pfarrkinder von Zilshausen und Lahr, dass die beiden genannten Ortschaften zu einer selbständigen Pfarrei verbunden würden.
Die Pfarrkirche in Lütz wird nur einmal im Jahr seitens der hiesigen Bevölkerung besucht und zwar am 15. Dezember, dem Feste des ewigen Gebets. Dazu kommt, dass die hiesige Bevölkerung alljährlich ihren Beitrag zu den Kultussteuern der Pfarrkirche zahlen muss.
Der Herr Pastor Bender nahm deshalb die Sache in die Hand, und es musste zunächst ein Pfarrhaus errichtet werden. Die Arbeiten wurden im Frühjahr begonnen und hat man bis zum Herbst zwei Stockwerke Mauer aufgeführt. Die Fertigstellung soll im Laufe des Sommers 1898 stattfinden.

Sammlung für den Kirchenbau
Die in Petershausen stehende Kirche genügt schon längst nicht mehr den Bedürfnissen. Sie ist zu klein, dabei alt und sehr feucht, daher auch höchst ungesund. Es soll nach einigen Jahren mit dem Neubau begonnen werden.
Nun hat die Kirche zu Petershausen wohl Geld zur Aufführung des Rohbaues. Für die innere Einrichtung muss aber gesammelt werden, weshalb an Sonn- und Festtagen der Teller rundgeht.

DAS JAHR 1899

Schulisches
Wegen Krankheit des Herrn Lehrers Hart wurde die Schule in Zilshausen vom 23. Januar bis 1. April 1899 vom Schulamtskandidaten Halfmann verwaltet.
Da Herr Lehrer Hart noch immer in Coblenz im Bürgerhospital krank daniederlag, wurde die Verwaltung der Schule zu Zilshausen dem Schulamtskandidaten Nikolaus Laux am 10. April 1899 übertragen.
Am 18. Mai 1899 (Donnerstag) starb Herr Lehrer Hart in Folge eines Herzleidens. Zu der am Samstag, den 20. Mai stattfindenden Beerdigung hatten sich zahlreiche Kollegen und Bewohner Zilshausens eingefunden. Herr Lehrer Hart liegt in Koblenz begraben. Er hinterlässt eine Frau mit sechs unmündigen Kindern.

Die erste Feier der ewigen Anbetung in Petershausen
Schon längere Zeit hatten die Bewohner von Lahr und Zilshausen ihren Gottesdienst in der Kirche zu Petershausen. Wollten die Gläubigen beider Dörfer sich an der Feier des ewigen Gebetes beteiligen, so mussten sie alljährlich am 15.Dezember nach Lütz gehen.
Am 17. Mai 1899 wurde nun die erste Feier der ewigen Anbetung für die beiden genannten Dörfer in der gemeinsamen Pfarrkirche zu Petershausen gehalten. Ein langersehnter Wunsch ist damit erfüllt.

Wechsel in den Lehrpersonen
Da der Schulamtskandidat Nikolaus Laux aus Treis seiner Militärdienstpflicht genügen musste, wurde die Verwaltung der hiesigen katholischen Schule dem Schulamtskandidaten Johann Henten aus Thürn, Kreis Mayen, übertragen, der die Verwaltung am 17. August 1899 übernahm.
Am 1. September 1899 wurde der Schulamtskandidat J. Henten an der hiesigen katholischen Schule provisorisch als Lehrer angestellt, laut Verfügung der Königlichen Regierung zu Koblenz J. II. N: 9467.

DAS JAHR 1900

Bürgermeister-Wechsel
Am 1. März 1900 wurde Herr Bürgermeister Simonis, welcher seit 1. April 1897 an hiesiger Bürgermeisterei amtierte, als Bürgermeister der Stadt Zell nach dort versetzt. Die vakante Bürgermeisterstelle Treis wurde durch Herrn Bürgermeister Nikolaus Ritzler, welcher bis dahin der Bürgermeisterei Wasserbillig vorstand, am 1. März 1900 neu besetzt.

Wechsel der Pfarrer
Herr Pastor Jakob Bender wurde am 1. Oktober 1900 nach Bell, Kreis Mayen, versetzt. An seine Stelle trat Herr Pastor Johann Mahson, welcher bis dahin als Kaplan in Wadgassen Kreis Saarlouis tätig war. Herr Mahson ist gebürtig in Prüm (Eifel).