DIE JAHRE 1893 – 1894

SCHULANGELEGENHEITEN

Zum Schulhaus
Das jetzige Schulhaus wurde in den Jahren 1872 bis 1874 gebaut. In letzterem Jahr wurde es bezogen. Es sollte eigentlich auf den Platz unter der Kirche kommen. Weil aber die Gemeinde sich mit dem damaligen Besitzer dieses Bauplatzes Johann Wendling nicht über die Höhe des Kaufpreises einigen konnte, so wurde es an das obere Ende des Dorfes gebaut, welcher Platz Gemeindeeigentum war.
Das frühere Schullokal war der auf dem Backhaus befindliche Gemeindesaal. Zu demselben gehörte keine Lehrerwohnung. In dem neuen Schulgebäude besteht die Lehrerwohnung aus einer Wohnstube, drei Kammern und der Kühe. Außerdem gehören dazu der Speicher und der Keller.

Heizordnung
Das Heizen des Schulsaals geschah durch die Lehrer, welche früher damit auch wohl Schulkinder beauftragten. Sie erhielten dafür nach altem Herkommen das nach dem ersten Mai vorhandene übrig gebliebene Holz. Das Holzquantum, zehn Kubikmeter Buchenscheitholz, stellte die Gemeinde.
Dasselbe wurde und wird noch durch die Bürger angefahren. früher zerkleinerten es die Bürger, welche keine Fuhre hatten. Jetzt wird es öffentlich an den Mindestbietenden vergeben, welcher auch das Hinaufschaffen auf den Schulboden, sowie das Aufschichten zu besorgen hat. Zu den zehn Kubikmetern Schulholz kamen im Jahr 1895 noch fünfzig Wellen Reisigholz. Im Jahre 1893 übertrug die Gemeinde dem Lehrer Schmitz das Heizen, wofür sie ihm den am ersten Mai vorhandenen Überschuss gewährte, wodurch endlich das Heizen endgültig geregelt wurde.

Reinigen
Mit dem Reinigen wurde es wie folgt gehalten:
Bis zum Jahre 1882 wurde die Schule wöchentlich zweimal, an den Mittwoch- und Samstags- Nachmittagen, durch Schulmädchen gekehrt, aber niemals aufgewaschen.

Von 1882 an geschah das Kehren täglich und es wurden auch die Knaben hierzu angehalten. Vom Jahre 1883 ab wurde auf Verfügung der Königlichen Regierung im Sommer alle vier, im Winter alle sechs Wochen die Schule aufgewaschen. Bis zum Jahr 1893 wurde das tägliche Kehren durch die Schulkinder besorgt, von da ab wurde es auf Verfügung der Königlichen Regierung einer erwachsenen Person übertragen.

Bis in die vierziger Jahre dieses Jahrhunderts waren in der Schule eichene Schulbänke ohne Rückenlehne in Gebrauch. Davor standen eichene Tische, welche zum Schreiben und Hinlegen der Schulsachen dienten. An der Wand stand eine hölzerne Schultafel. Die Schultafeln der Kinder waren roh behauene Schieferplatten, ähnlich unserem Dachschiefer, meistens ohne Rahmen. Außerdem hatten die Schüler ein ABC- Buch, eine Bibel und einen Katechismus; später auch das sogenannte „Kölner Lesebuch“.
Hefte hatten sie keine. Sie schrieben auf lose Bogen Papier. Von Zeit zu Zeit wurden Probeschriften angefertigt, welche dann in der Reihe an die Wand angehängt wurden, so dass die beste Schrift zuerst, die zweitbeste daneben usw. zu hängen kam. Dieselben wurden bei einer Schulrevision vorgezeigt.
Die jetzigen Schulbänke wurden in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts angeschafft. Sie bestehen aus einer Bank und einem Pult, unter welchem Fächer sind zum Aufbewahren der Schulsachen. Die letzten Bänke haben eine besondere Rückenlehne, während die übrigen als Lehne das dahinterstehende Pult haben.

Bis zum Jahre 1832 wirkte als Lehrer Herr Ketter, gebürtig aus Lahr. Derselbe war seines Handwerks ein Küfer. Nach dessen Tode wurde die Schule etwa eineinhalb Jahre von dem damaligen Lehrer Wendling zu Lahr mitverwaltet, so dass er vormittags in Lahr und nachmittags in Zilshausen unterrichtete.
Dann erhielt Herr Johann Hesser die Lehrstelle. Während dessen halbjähriger Militärdienstzeit versah sein Vater, der Bauer und Tagelöhner Hesser aus Lahr seine Stelle.
Die Lehrer waren gleichzeitig auch Küster zu Petershausen; und zwar Ketter alleiniger Küster, während Hesser mit dem Lehrer Wendling sich wie folgt in die Küsterei teilten:
Vom 1. Januar bis 1. April der Lehrer von Lahr, vom 1. April bis 1. Juli der Lehrer von Zilshausen, vom 1. Juli bis 1. Oktober wieder der Lehrer von Lahr und von dann bis 1. Januar der Lehrer von Zilshausen. Der Lehrer Herr Johann Hesser wurde im Herbste des Jahres 1882 pensioniert und starb am 21. Dezember 1884.
Am 1. Oktober 1884 wurden die Lehrer zu Zilshausen und Lahr ihres Amtes als Küster zu Petershausen enthoben. Ersterer verlor auch den Küster- und Glöcknerdienst in der Ortskapelle.
Das Einkommen verringerte sich dadurch auf 900 Mark und bestand aus folgenden Posten:

1. Gemeindegehalt 685 Mark
2. Staatszuschuss 200 Mark
3. Bürgerlos 15 Mark

insgesamt 900 Mark

Der vom Staat gewährte Zuschuss verminderte sich später auf 144 Mark und fiel im Jahre 1892 ganz aus, so dass jetzt die Gemeinde das ganze Lehrergehalt zu zahlen hat.

Die Schülerzahl vermehrte sich von Jahr zu Jahr und betrug im Jahre 1888 siebenundachtzig Stück. Infolge dessen wurde durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Koblenz vom 9. April 1888 die Halbtagsschule angeordnet, so dass die Ober- und Mittelstufe täglich vier, an den Mittwochen und Samstagen zwei, die Unterstufe an den Vormittagen zwei Unterrichts-stunden hatte. Die Schülerzahl wuchs immer mehr und beträgt heute, den 6. Januar 1894, ein-hundert und fünf Stück.
Die Gemeinde gewährte dem Lehrer Schmitz in Anerkennung der schweren Schule seit dem ersten April 1890 eine persönliche Gehaltszulage von einhundert Mark.
Da bei der hiesigen Schule kein Brunnen war, so wurde im Jahr 1892 der vor dem Schulhof befindliche Brunnen angelegt und mit einer Pumpe versehen.
Die erste Industrielehrerin (Strickschule) war eine Frau Ketter, später eine Frau Katharina Weinem, welche gegenwärtig noch diese Stelle versieht.

Bemerkenswert ist der allmähliche Fortschritt in der Methode des Lesenlernens. Bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts wurde nach der alten „Buchstabiermethode“ unterrichtet. Dann folgte die „Lautier-Methode“ nach den Lesetafeln von Stephanie, welche übrigens die einzigen Lehrmittel der damaligen Schule waren.
Die Kinder lernten zuerst lesen und später erst schreiben. Erst Ende der vierziger Jahre verdrängte die „Schreib-Lesemethode“ diese Lehrart. Um das Jahr 1878 fand endlich die jetzige Me-thode, die „analytisch-synthetische“ genannt, Eingang. Ihr zugrunde liegt die Fibel von Fechner. Auf diese Fibel folgt von demselben Verfasser im zweiten Jahr des Schulbesuches das erste Lesebuch, und darauf das Lesebuch für die Oberstufe. Eines für die Mittelstufe ist nur für mehrklassige Schulen. Alle diese Bücher sind selbstverständlich von der Königlichen Regierung vorgeschrieben.
Im Rechenunterricht gebrauchen die Kinder das Rechenbuch von Richter und Gröning, neu bearbeitet von Mundt. Im biblichen Geschichtsunterrichte wurde früher die Bibel von Schuhmacher, jetzt die von Schuster benutzt. Beim Gesangunterrichte wird das von der Königlichen Regierung verschriebene Liederbuch von Wolf gebraucht, welches 59 ebenfalls vorgeschriebene Lieder enthält.
Außer den obengenannten Büchern hat jedes Kind noch einen Diezösan-Katechismus. Kinder von wohlhabenden Eltern haben auch einen Atlas und ein Geschichtsbüchlein, enthaltend Bilder aus der deutschen und preußischen Geschichte.
An Heften hat jedes Kind der Ober- und Mittelstufe ein Schönschreibheft, ein Zeichenheft und ein Diarium (Tagebuch), diejenigen der Oberstufe auch ein Aufsatzheft.

KIRCHENGESCHICHTLICHES

Wir gehören seit alten Zeiten zur Pfarrei Lütz; und zwar gehört den Gemeinden Zilshausen und Lahr, die eine Filiale von Lütz sind, die Kapelle Petershausen gemeinschaftlich. Über die Entstehung dieser Kapelle wird folgende Sage erzählt:

Eine Kirchentstehungssage

Ein Ritter reitet auf einem Pferde. Dieses wird scheu und sprengt in wilden Sätzen die Berge jenseits

der Mosel herab. Die Vorderfüße sind ihm aber lose gefesselt, so dass es die selben nur unvollkommen bewegen kann und es jeden Augenblick Gefahr läuft zu stürzen. Es kommt aber glücklich bis zur Mosel und schwimmt durch dieselbe.
Auf dieser Seite der Mosel angelangt, rennt das Pferd den steilen Felsen hinauf, auf dem die Zilleskapelle bei Treis steht. Der Ritter auf dem Pferde macht in seiner Todesangst folgendes Gelübde:
„Auf der Stelle, wo das Pferd die Fessel verliere und auf der Stelle, wo es stehen bliebe, wolle er je eine Kapelle erbauen“.
Da öffnete sich auf der Stelle, wo die Zilleskapelle steht, die Fessel der Vorderfüße – und auf der Stelle, wo die Kirche von Petershausen steht, blieb das Pferd stehen. (Lange noch soll die Fessel in Petershausen aufbewahrt gewesen sein.)

Die Kirche von Petershausen hat ein Vermögen von über hunderttausend Mark. Dieselbe scheint von jeher reich gewesen zu sein, denn nach Dr. de Lorenzi hat um das Jahr 1250 Liozze (Lütz) zwölf Unzen Steuer zu bezahlen, während die Kapelle Bodershausen (Petershausen) steuerfrei war.

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Turm der alten Kirche Petershausen

Aus einem Visitationsbericht vom Jahre 1569 geht hervor, dass Büderhausen der Heiligen Mutter Gottes geweiht war und damals zwei Altäre, zwei Kelche und eine Monstranz hatte. Der Geistliche von Lütz spendete in Petershausen die Sakramente, während sich die Parochiane auf ihre Kosten einen Priester „dingten“, der ihnen alle Sonn- und Festtage den Gottesdienst mit Predigt und in den Quatemberwochen den Bruderschaftsdienst hielt. Der Priester erhielt hierfür 20 Fl. Von dem Zehnten der Ortschaften Zilshausen, Lahr und Lieg bezog der Pfarrer zu Lütz ein Drittel und der Kantor von Münster-Maifeld zwei Drittel.
Am 30. April 1747 wurde die Kirche zu Petershausen konsekriert. Wahrscheinlich hat sie nur unbedeutende Umbauten erfahren; denn die Bauart, namentlich des Turmes und Chores, spricht für ein höheres Alter. Zu derselben strömten damals besonders in der Fronleichnams-Oktav viele Leute aus den benachbarten Pfarreien. (Dies geschieht auch heute noch, doch nicht mehr so bedeutend.)

Für die Filialisten von Lahr und Zilshausen wurde an jedem dritten Sonntag in Petershausen Gottesdienst gehalten. Aus einem Visitationsbericht vom Jahre 1779 geht hervor, dass damals ein Kaplan sonntags in Lieg und Petershausen Gottesdienst hielt. (Jetzt ist an allen Sonn- und Festtagen Gottesdienst in Petershausen und in der Woche gewöhnlich zweimal an Werktagen).

Die Kirche zu Petershausen besitzt zwei Altäre, drei Glocken und zwei Kelche. Dem Pfarrer in Lütz gehören etwa dreißig Morgen Land-Dotationsgüter.

Die Patronin der Kirche zu Petershausen ist die Heilige Magdalena. Die Decke ist flach, auf den Seiten sind Strebepfeiler.

Die jetzige Ortskapelle wurde um das Jahr 1847 gebaut. Zu derselben wurden die Eichbäume in Börzelt und in Borewald (Lunuf) gehauen und versteigert. Die frühere Kapelle wurde, weil sie baufällig war, niedergerissen.
In der Kapelle werden an den Sonntagnachmittagen die Andachten, sowie in der Fastenzeit, im Maienmonat und im Advent die Rosenkranzgebete gehalten. Auch die Rosenkranzgebete für Verstorbene werden jetzt in der Kapelle gehalten. Früher ging der Lehrer in das Sterbehaus und betete dort den Rosenkranz vor.
Dabei wurde nach Beendigung der Gebete Schnaps und Brot verabreicht, was nicht immer gute Folgen hatte und weshalb auf Anordnung der Geistlichen der Rosenkranz in der Kapelle gehalten wurde.
Die Leitung der Andachten und Rosenkränze besorgte bis zum Februar 1885 der Lehrer. Dann erhielt es einer namens Nikolaus Steffen.

Zelser Kapelle
(Ausschnitt aus einer alten Postkarte)

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GESCHICHTLICHES ÜBER DEN ORT ZILSHAUSEN (Geschrieben 1895)

Über die Entstehung des Dorfes und die Bedeutung des Namens ZILSHAUSEN (früher Sulzhausen) ist nichts bekannt.

Politische Abhängigkeit
Die Gemeinde Zilshausen gehörte zum Kurfürstentum Trier und stand unter dem Hochgericht zu Beltheim. Es war verschiedenen Rittern und Herrn lehnspflichtig – unter anderem auch den Herrn von ELTZ und WILDENBURG und WALDECK.
Dass die Bewohner von Zilshausen auf der Burg Waldeck Frohndienste tun mussten, haben ältere Leute aus dem Munde ihrer Großeltern, welche noch bei diesen Frohndienste halfen, erzählen hören.
Zur Zeit der französischen Herrschaft gehörte Zilshausen zum Rhein–Mosel-Departement, in den Bezirk Koblenz, zum Canton Treis und in die Mairie Treis.
Im Jahr 1807 zählte Zilshausen 285 und Petershausen 12 Einwohner. Jetzt (1895) zählt ersteres 354 und letzteres 23 Einwohner.

Der Menschenschlag

Zilshausen wird von einem kräftigen Menschenschlag bewohnt. Fast beständig dienen Jünglinge bei der Garde. An dem Kriege 1870/71 gegen Frankreich nahmen 36 (sechsunddeißig) Mann teil, ohne die Fuhrleute, welche am Transport von Nahrungsmitteln und Munition teilnahmen. Gefallen ist einer namens Pies, sowie Peter Ketter in der Schlacht bei Gravelotte. (Im Kriege 1866 sind zwei Mann gefallen: Johann Wendling und Castor Scheer.)

Die Einwohner und ihre Berufe
Die Außerdem befinden sich daselbst: zwei Schreiner, ein Schneider, ein Schuster, ein Schmied, drei Dachdecker, drei Maurer, ein Drechsler, ein Musiker, ein Klempner, ein Hausierer, zwei Wirte und Krämer, zwei Korbmacher .Die meisten Bewohner sind Bauern und Tagelöhner.

Bild vergößernZelser Gardejäger 1915

Eine Anzahl beschäftigte sich zeitweise, besonders im Winter, mit der Verfertigung von buchenen Stühlen, die sie teils auf den Jahrmärkten, teils an Händler in Koblenz und Mayen verkauften.

Die Verfertigung buchener Stühle ist seit Menschengedenken in Zilshausen gebräuchlich.
Besonders verfertigten der Schmied Klein und sein Stiefvater Blenz gute Äxte, Beile und Bohrer, die berühmt waren in der ganzen Gegend bis weit auf das Maifeld hinaus. Leider geht auch eine Anzahl betteln.
Früher gab es auch eine Anzahl Kohlenbrenner und Fuhrleute, welche letztere die gebrannten Kohlen, die überflüssigen Produkte der Landwirtschaften oder Erze, besonders aus einer Grube bei Dorweiler, transportierten.
Auch wurde einige Jahre auf dem Schieferbruche in der „Langhorst“ gearbeitet.

Einst abseits der Straße
Die Verkehrsverhältnisse waren sehr schlecht. Die Straßen waren in einem jämmerlichen Zustande.

Die Straße von Treis nach Kastellaun führte nicht durch Zilshausen, sondern ging durch „Pieper“ an „Börzelt“ vorbei, den „Diemeberg“ hinunter und an der Sulzmühle vorbei.
Die jetzige Straße wurde in den fünfziger Jahren gebaut. Der frühere Weg ins Bachtal ging über den „Höhenflur“ hinab, an der „Kloppwiese“ vorbei. Der jetzige, an „Fröse“ vorbei- führende Weg, sowie der am „Kermwieschen“ vorbeiführende wurden in den sechsziger Jahren gebaut unter dem Vorsteher Jakob Wendling IV.
Bild vergößernDie alte Sraße nach Petershausen

Derselbe Vorsteher hat auch die Wasserleitungen an das Backhaus und in die Nähe der Schule angelegt, welch letztere aber verfallen ist.

Die Post war in Kastellaun. Briefträger kamen keine, sondern wurden ‚per Gelegenheit‘ geschickt. Dann kam bis 1883 täglich ein Briefträger, von da ab täglich zwei.
Der überflüssige Hafer wurde meist an die Mosel an die „Halfer“, welche die Moselschiffe stromaufwärts führten, verkauft – zuweilen auch nach Boppard auf den Fruchtmarkt gebracht, da die Fruchtmärkte in Kastellaun noch nicht bestanden.

Verkehrsverhältnisse um 1895
Die jetzigen Verkehrsverhältnisse entsprechen hinreichend den Bedürfnissen. Um die Mittagszeit kommt jeden Werktag ein fahrender Briefträger von Kastellaun und nachmittags ein Landbriefträger von Mörsdorf, woselbst eine dem Postamt zu Treis unterstellte Postagentur ist.

Im Orte selbst ist eine Posthilfsstelle. Hier nimmt der Briefträger die Briefe und Pakete in Empfang und gibt die gewöhnlichen Briefe, Zeitungen und Pakete ab, welche dann vom Inhaber der Hilfsstelle befördert werden. Nur eingeschriebene Briefe und Postnachnahme besorgte der Briefträger selbst.

Die Zelser
Poststelle
um 1910

(Haus Nr. 18)

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Die überflüssigen Produkte der Landwirtschaft werden jetzt zum größten Teil auf den Wochenmärkten jeden Montag, bzw. wenn der Montag ein Feiertag ist, am Dienstag zu Kastellaun abgesetzt. Zuweilen werden dieselben auch von Händlern an der Mosel aufgekauft.

Eine große Trockenheit 1892/93
Bezüglich der Witterungsverhältnisse sind die Jahre 1892 und 1893 wegen ihrer großen Trockenheit bemerkenswert.
Die Futternot war so groß, dass die Leute sich nur auf die Haltung des notwendigsten Viehes beschränkten und das entbehrliche Vieh für Schleuderpreise verkauften. Eine Kuh, die im Jahr 1891 etwa 250 bis 300 Mark gegolten hätte, konnte man für 100 bis 120 Mark kaufen.
In den Sommermonaten wurde das Vieh durch Futterlaub am Leben erhalten. Der Wald, besonders die Eichen, mussten schwer herhalten. Wenn auch die Forstbehörde große Nachsicht walten ließ, so konnte sie doch nicht alle Waldfrevel ungeahndet lassen.
Auch viel Streulaub, Heide, Moos und dergleichen wurde verabreicht, so dass das Stroh zur Winterfütterung gespart werden konnte. Die Trockenheit war so groß und der Futtermangel so stark, das sich die ältesten Leute nicht eines ähnlichen Falles erinnern konnten.

Auch fehlte es an gutem Trinkwasser. Der „Pfingstbrunnen“ wurde täglich leergeschöpft und die Brunnen in den Sabershäuser und Petershäuser Wiesen öfters noch dazu.

Vom verschollenen „Fröserhof“ und dem „Kaisergärtchen“
Vor „Fröser“, da wo die untersten „Fröserdell-Felder“ auf die vorhergehende Anwand stoßen, hat früher der „Fröserhof“ gestanden. Die ganze Fläche von da bis zum Dorfe war mit Buschwerk bedeckt, in welchem das Vieh gehütet wurde. Ebenso war die Fläche rechts der Straße nach Kastellaun. Auf dieser Fläche, etwa 500 Schritte vor dem Dorfe, war das sogenannte „Kaisergärtchen“. Dasselbe war ringsum mit einem Graben eingeschlossen. Auf demselben standen Akazienbäume. Die Sage erzählt, dass Verbrecher, welche sich hierin flüchteten, dort nicht gefasst werden konnten.

SITTEN UND GEBRÄUCHE (geschrieben 1895)

Die alten Sitten und Gebräuche verschwinden mehr und mehr und viele sind schon ganz ausgestorben. Die meisten sind an gewisse Feste oder gewisse Begebenheiten angelehnt. Zu merken sind folgende:

Die Spinnstube
An den langen Winterabenden gingen früher die Frauen mit ihren Spinnrädern, zusammen 10 bis 12 Stück, in eine geräumige Stube. Jede musste für eine Woche das Öl liefern. Oft mussten sie auch gemeinschaftlich das Holz stellen. Zuweilen wurde auch ein sehr trockener Span angezündet und in die Mitte der Stube auf einen Ständer gesteckt. Das Öl war Rüböl. Das Petroleum kam erst in den sechziger Jahren in Gebrauch. In diesen Spinnstuben wurden dann allerlei vernünftige und unvernünftige Stückchen erzählt, besonders gern aber Hexen- und Gespensterstückchen.

Die Mainacht
Die Nacht vor dem 1. Mai ist eine ganz besonders gefährliche, weil in dieser Nacht Satan als König aller Hexen seine Getreuen aus der ganzen Welt versammelt.
Auf alten Besen reiten alsdann alle Hexen nach dem Hexenberg (dem Brocken) durch die Luft. Hier hält Satan mit den Hexen ein festliches Mahl, das mit einem Tanz endigt. Auf der Rückkehr führen die Hexen auf den Kreuzwegen noch einen Tanz auf. Es schwirrt also die Luft voller Hexen. Um nun die Häuser vor denselben zu schützen, werden auf allen Türen Kreuze gezeichnet.

Eine ganz besondere Art sind die „Mare“. Darunter versteht man nämlich Hexen, die wie alle Hexen durch Schlüssellöcher, Türritzen usw. in die Zimmer kommen und die Schlafenden belästigen, indem sie sich schwer auf die Brust derselben legen und an den Brustwarzen saugen. Der Befallene keucht unter der schweren Last und ist von einem unbeschreiblichen Angstgefühl geplagt: (Es ist dies das bekannte, von den Ärzten auf die natürlichste Art als Blutandrang und Blutstauung erklärte ‚Albdrücken‘.)

Weihnachten
Am Heiligen Abend kommt das Christkindchen. Mädchen von 13 bis 14 Jahren verkleiden sich und gehen von Haus zu Haus, um die von den Eltern bereitgehaltenen Weihnachtsgaben den in der Stube betenden Kindern zu bringen. Unartige Kinder erhalten dabei auf Verlangen der Eltern einige Rutenstreiche. Zuweilen wird jedoch die Rute auch eigenmächtig von dem Christkindchen gebraucht.

Die Sylvesternacht und Neujahrstag
Am Abend vor Neujahrstag füllen sich die Wirtshäuser bis auf den letzten Platz. Männer und Jünglinge wollen den letzten Tag des Jahres recht fröhlich begehen und das neue Jahr erwarten. Dicht gedrängt sitzen sie rauchend und kartend um die Tische in einer mit Tabaksqualm durchschwängerten Luft. Um zwölf Uhr brechen die Jünglinge auf, um den Mädchen das Neuahr anzuwünschen und anzuschießen. Einer oder auch einige gehen auf den Hof des Hauses, in welchem das Mädchen wohnt – und der Sprecher ruft den Namen des Mädchens. Gibt dasselbe Antwort, so wird ein Neujahrswunsch hergesagt, der stets mit folgendem Vers endigt:

„Das alte Jahr ist verflossen,
das neue Jahr wird angeschossen …“

und die Pistolen knallen dann lustig durch die Nacht. Dann steht das Mädchen auf, öffnet die Tür und die Jungen kommen herein und laben sich an Gebäck, Waffeln, Nüssen und nicht zu vergessen – Branntwein. (Nichts geht ohne Schnaps!)
Wenn der Tag anbricht, so gehen die Armen des Dorfes von Haus zu Haus das ‚Neujahr wünschen‘ und empfangen überall ein Neujahrsgeschenk. Zu Neujahrstag werden etwa handgroße Süßteig-Brötchen, „Neujährchen“ genannt, gebacken, auf deren oberen Seite eine Form abgedrückt wird.

Das Dreikönigsfest
Es wird nicht besonders gefeiert. Zuweilen verkleiden sich wohl einige der Jungen als die Drei Könige – und gehen von Haus zu Haus ein „Königspiel“ aufführen.

Der fette Donnerstag
Der Donnerstag vor Fastnacht heißt der „fette Donnerstag“. Derselbe gehört den Frauen.
Aus dem Erlös der Backhausasche oder aus einer anderen Quelle erhalten die Frauen eine Summe, für welche sie sich Wein oder Schnaps kaufen. Zuweilen bestellten sie sich auch Musikanten. Es wurde dann fröhlich gezecht und getanzt. Dabei kam es auch zu Schlägereien zwischen den Frauen, und es war keine Seltenheit, dass sie sich gegenseitig die Hauben-Mützen („Blätter“ genannt) vom Kopfe rissen und sich gegenseitig an den Haaren rauften.
Jedoch hatte die Sache auch ihre gute Seite. In seliger Weinlaune vergaßen sie alle Feindschaft, und die im Laufe des Jahres entstandenen Zwistigkeiten wurden gewöhnlich beigelegt und Frieden geschlossen.
Da die Geistlichkeit diese Festlichkeit nicht guthieß, so wurde sie eingestellt. Die letzte war im Jahr 1886.

Fastnacht
Fastnachtsonntag, -montag und -dienstag werden als die Tage vor Beginn der vierzigtägigen Fasten gefeiert. Noch einmal will man sich gehörig sattessen und fröhlich sein. Tanzen, Kartenspiel, Wein, Bier, Schnaps, Fastenbretzel, „Verstand“ ( ein Gelee aus den Füßen und Ohren der Schweine und Rinder) das sind die Vergnügungsartikel und die Genussmittel.

Erwachsene Jungen und Mädchen maskieren sich wohl auch. Auch die Kinder maskieren sich und gehen von Haus zu Haus. Dabei singen sie gewöhnlich:

„Hahn Äppelche hahn, die Fassenacht geht an.
Schneidet mer en Steck vom Schinke,
lost dat Messer klinke.
Gebbt mer eppes en’d Deppche,
de Kuche well nett retsche,
gebbt mer eppes en diese Korf –
dann geh ich wirre off’n anner Dorf.“

Dabei nehmen sie Geschenke entgegen: Speck, Rüböl, Geld. Speck und Öl gebrauchen sie zum Backen von Kartoffel-Pfannkuchen, für das Geld werden geistige Getränke gekauft.

Der Erbsensonntag
Der Sonntag nach Fastnacht war der „Erbsensonntag“. Die Schulkinder bettelten im Dorfe Holz und Stroh, schichteten dasselbe in „Börzelt“ oder „auf der Heide“ auf und zündeten es an. Dann gingen sie ins Dorf, Erbsen und Bohnen betteln. Dabei sangen sie folgendes:

„Hausfrauchen wo sei´der?
Hinner’m Ofen leid’er,
Gefft uß Erwes unn Bohne,
Uß Herrgott werd’s och lohne.“

Die gesammelten Erbsen und Bohnen wurden verkauft und der Erlös „vertrunken“. Diese Sitte ist in den vierziger Jahren ausgestorben.